|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Kein Wunder, dass sich beim Start viele Hände an die Halteseile klammern, die Blicke starr auf Sadi gerichtet sind, der mit kräftigen Armzügen immer mehr Heißluft aus dem Gasbrenner pumpt und mit seinem Riesenballon rasch an Höhe gewinnt. Ein, zwei Minuten geht das so, dann sind auch die Ängstlichsten plötzlich ganz entspannt. Ob es von türkischen, deutschen, englischen oder japanischen Mitfahrern kommt — das vielstimmige „Ahh“ und „Ohh“ versteht jeder, und es steckt an. Verkrampfte Finger lösen sich wie von selbst, holen eilig Kameras und Fotoapparate hervor, deren Klicken für den Rest der einstündigen Fahrt das lauteste Geräusch an Bord ist.
Denn es sind atemberaubende Aussichten aus dem Korb: hinüber zu 40, 50 anderen Ballons, die mit uns abgehoben haben; herunter auf eine phantastische Landschaft, an der man sich nicht satt sehen kann.
Geboren aus Lava, Asche und Schlamm
Zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten der Türkei zählt die zentralanatolische Region Kappadokien, die Unesco hat sie nicht zufällig zum Weltkulturerbe erklärt. Ein solches Stück Erde, geboren aus Lava, Asche und Schlamm, gibt es nicht zweimal auf diesem Globus. Gigantische Mengen davon haben die Vulkane Erciyes und Hasan Dag vor gut drei Millionen Jahre ausgespien — Erdmassen, die sich zu weichem Tuff-Gestein verdichtet und im Lauf der letzten Jahrtausende durch Wind und Regen bizzare Formen angenommen haben: Kegel, Türme, Kamine und Wellenkämme aus strahlend weißem bis rötlich schimmerndem Stein, durchsetzt von ungezählten Schluchten und Höhlen.
Seit 4000 Jahren graben sich die Menschen dort in den weichen Tuff, leben und sterben in ihren Höhlen. Ganze unterirdische Städte mit Wohnungen, Viehställen und Vorratsspeichern sind im Lauf der Zeit entstanden — geheimnisvolle Orte, die Fremden stets verschlossen blieben. Unerwünschte Gäste, griechische, römische und arabische Eroberer, hatten die Kappadokier zwar genug am Hals, doch an ihren Felsenstädten haben sich alle die Zähne ausgebissen
Labyrinth in den Tuff-Gebirgen
Bezwungen jedenfalls wurden die Fluchtburgen in den Tuff-Gebirgen nie. Zehntausende Menschen fanden Schutz im Untergrund der Städtchen Derinkuyu und Kaymakli, einem bis zu zwölf Stockwerken tiefen Labyrinth, über das die Besucher, die sich durch die schier endlosen Tunnel drängen, nur staunen können: Küchen mit rußgeschwärzten Kochstellen, Schlafräume, Speicher, Weinkeltereien, Leichenhallen und Andachtsräume — nichts fehlt in diesem unterirdischen Reich, dessen schmale Zugänge sich mit schweren Mühlsteinen verschließen und selbst gegen die mächtigste Armee erfolgreich verteidigen ließen.
Naheliegend, dass auch die frühen, noch verfolgten Christen Kappadokien als idealen Zufluchtsort entdeckten. Rund 600 große und kleine Kirchen haben sie in die porösen Berge gebohrt, 350 allein im Göreme-Tal, das heute ein riesiges Freilichtmuseum ist.
Aus dem vierten Jahrhundert stammen die ältesten Bauten; ein ganzes Jahrtausend lang, bis zur Eroberung durch die Osmanen, sind sie gepflegt und ausgebaut, mit Fresken und prächtigen Altären geschmückt worden. Viele sind zugänglich für Touristen, mehr noch gesperrt, um sie vor hirnlosen Souvenirjägern und schädlichen Umwelteinflüssen zu schützen.
Stylische Apartments in den Höhlen
Bis heute lieben die Kappadokier ihre Höhlen, und es sind schon lange nicht mehr die Armen, die darin wohnen. Stylische Apartements haben sie daraus gemacht, mit Fenstern und Bädern, Balkonen und Terrassen. Höhlen-Bars und -Restaurants tischen ausgezeichnete anatolische Weine und „Testi Kebabi“ auf, im Tontopf geschmortes Lammfleisch mit Tomaten, Zwiebeln und viel Knoblauch. Luxuriöse Hotels wie das „Gamirasu“ in Ürgüp warten mit spektakulären Felsenzimmern auf, das „Argos Cappadocia“ in Uchisar lässt die Gäste seiner 800-Euro-Suiten sogar in eigenen Höhlen-Pools planschen.
Der Durchschnittstourist kommt ungleich billiger davon. Gute Hotels sind für 50 Euro zu haben; einen Turkish-Airlines-Flug von Nürnberg ins anatolische Nevsehir gibt es ab 350 Euro; noch günstiger sind Ausflüge, die Badeurlauber ab Antalya, Side oder Alanya buchen können.
Von den Kosten muss sich niemand abhalten lassen, von alten Geschichten erst recht nicht. Als so wild und gefährlich wurden die Kappadokier in der Antike beschrieben, dass Schlangenbisse nicht für die Einheimischen, sondern für die Schlangen tödlich gewesen sein sollen. Aus den rohen Gesellen von früher sind längst gastfreundliche, liebenswerte Menschen geworden — zum Beweis der kappadokischen Sanftmut legt unser Ballonpilot Sinan auch eine ganz weiche Landung hin.
Fr. 17.05.13
Fr. 17.05.13
Fr. 17.05.13
Fr. 10.05.13
Fr. 03.05.13