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Zelttrekking auf dem Great Himalaya Trail

Ohne Dusche und Puste durch Nepal - Video und Fotostrecke - 08.02.2013 20:00 Uhr

Morgens um sechs bringt ein forsch-fröhlich ausgerufenes „Good morning!“ meine Traumwelt in Unordnung. „Zupp“ macht der Reißverschluss. Schlaftrunken erkenne ich vor meinem Zelt die Sherpas Sarki und Lok. Mit einer Tasse heißem Tee wollen die beiden mich und meine Lebensgeister wecken – bei minus sechs Grad und zu dieser Uhrzeit ein schwieriges Unterfangen.

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Unterwegs auf dem Great Himalaya Trail in Nepal

Der Great Himalaya Trail führt in unbekannte Regionen Nepals. Hier gibt es keine Hotels, keine Teahouses und keine Lodges: Zelttrekking heißt die Alternative, Komfortverzicht und Katzenwäsche inklusive. Kerstin Wolters für nordbayern.de


Wir sind unterwegs auf einem kleinen Abschnitt des Great Himalaya Trails (GHT), dem 1700 Kilometer langen Fernwanderweg, der von Ost nach West quer durch Nepal verläuft. Erstmals verbindet diese Route die bekannten Gebiete Langtang, Everest und Annapurna, in die etwa 86 Prozent aller Trekkingtouristen reisen, mit entlegenen Regionen. Reiseveranstalter, Entwicklungsorganisationen und Politiker haben sich zusammengeschlossen, um über den GHT den Besucherstrom in die richtigen Bahnen zu lenken - dorthin, wo die arme Landbevölkerung bisher nicht vom Tourismus profitiert.

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Zelttrekking auf dem Great Himalaya Trail in Nepal

Eine Zelttrekking-Tour auf dem Great Himalaya Trail verlangt einiges an Kondition, entschädigt aber mit Einblicken in die Kultur und Tradition der nepalesischen Landbevölkerung.


Auf unserer Route gibt es keine Hotels, keine Teehäuser und keine Lodges: Zelttrekking heißt die Alternative, Komfortverzicht und Katzenwäsche inklusive. Mit auf die achttägige Reise von Gatlang, 146 Kilometer nördlich von Kathmandu, bis nach Barpak im Distrikt von Gorkha haben sich Barbara, Sandra, Moritz und Martina begeben. Mukunda, unser nepalesischer Guide, der fließend Deutsch spricht, und 15 weitere Nepalesen sorgen dafür, dass es uns an nichts fehlt  - sofern es in ihrer Macht steht.

Dorfbewohner posieren stolz vor der Kamera.

Dorfbewohner posieren stolz vor der Kamera. © Kerstin Wolters




Vieles steht in ihrer Macht. Die Träger schleppen 30 Kilo Gepäck pro Mann, die Küchenmannschaft transportiert Berge von Geschirr, Töpfen und Lebensmitteln in ihren Körben. Trotzdem überholt uns der Tross auch in den steilen Passagen mühelos. Morgens sind sie lange vor uns auf den Beinen, um das Frühstück vorzubereiten, mittags zaubern sie ein mehrgängiges Menü aus dem Hut. Abends wird mit Dal Bhat, dem klassischen nepalesischen Reis-Linsen-Gericht, Büffelfleisch und Schokohörnchen erst richtig groß aufgekocht. Ins Bett gehen unsere fleißigen Freunde erst, wenn wir längst in unsere Zelte gekrochen sind - meist so gegen acht. "Wir können doch nicht vor der Tagesschau schlafen gehen", entrüstet sich Moritz am ersten Abend. Am zweiten nimmt er es wortlos hin.

 

Heißes Wasser als Überlebenselixier

Das könnte auch an dem Fläschchen Rum liegen, das plötzlich auf dem Tisch steht. Heißes Wasser - "Tatopani" auf Nepali - verwandelt sich mit dem Hochprozentigen in einen hervorragenden Schlummertrunk. Wegen der geringen Menge bin ich ausnahmsweise froh, dass es Abstinenzler in unseren Reihen gibt. Vorm Zubettgehen in die Alu-Trinkflasche gefüllt, sorgt dann das gute Tatopani dafür, dass sich Frauenfüße im Schlafsack über Nacht nicht in Eisklumpen verwandeln.

Sechs bis elf Stunden lang sind die Tagesetappen, mal geht es 600 Höhenmeter rauf, mal 1000. Runter sind es meistens deutlich mehr. Ein Pass ist immer dabei, der höchste liegt auf gut 3800 Meter. Da geht einem schon mal die Puste aus. Was erwartet uns auf der nächsten Etappe? Diese Frage zu stellen, haben wir uns schnell abgewöhnt. „Nepali flat“, antwortet Mukunda verschmitzt. Und das kann alles heißen, flach aber ist es nie.

Anders ist es jeden Tag. Wir wandern durch dunkle Rhododendronwälder, in denen Flechten und Moose wie Bärte von den Bäumen hängen, passieren schwankende Hängebrücken im Seemannsgang, springen von Stein zu Stein über Bäche, quetschen uns dicht an die Felsen, wenn uns auf schmalen Pfaden schwer beladene Mulis entgegenkommen und laufen über gelb-grüne Raps-Terrassen dem Fluss im Tal entgegen.

In der Ferne leuchten die Eisriesen Langtang Lirung (7246 m) und die des Ganesh Himal. Nur der Manaslu (8163 m), diese Diva, hüllt sich in Wolken. Ganz nah dagegen sind uns die Menschen, die hier fernab von dem, was wir Europäer unter Zivilisation verstehen, ein Leben in Zeitlupe führen. Männer pflügen die Äcker mit Ochsen, Frauen stehen in den Hirsefeldern und schneiden mit Sicheln die dunkelbraunen Dolden von den Halmen. Immer wieder hüpfen uns Kinderscharen in blauen Schuluniformen entgegen. Die rotbäckigen Rotznasen rufen lauthals „Namaste“, sei verehrt - so lange bis wir außer Sichtweite sind.

Kleines Trinkgeld, große Freude

Mancherorts hat der Tourismus bereits Einzug gehalten. Bestes Beispiel: Barpak. In diesem Dorf gibt es Mülltonnen, Straßenlaternen, Kabelfernsehen - und die „Seven Sisters“, ein Zusammenschluss resoluter alter Damen, die nicht Däumchen drehen, sondern etwas zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen wollen. Deshalb nehmen sie über Nacht ausländische Gäste bei sich auf. Geschult durch Mitarbeiter von Entwicklungsorganisationen wissen die Frauen, was ein europäischer Magen verträgt und was nicht, wie Sanitäranlagen auszusehen haben und was man unter Hygiene versteht.

Ich bin bei Kalimaya Gurung gelandet und sehe zu, wie die 51-Jährige auf der offenen Feuerstelle im Boden der Hütte Dal Bhat zubereitet. Sohn Jit, 28, erzählt, dass er drei Jahre in Malaysia sein Auskommen gesucht hat, nun aber hofft, dass mehr Touristen nach Barpak kommen. Pro Gast und Tag erhält die Familie 800 Rupien, umgerechnet rund sieben Euro. So viel verdient ein Arbeiter am Bau in Kathmandu an einem Tag. Über ein kleines Trinkgeld freut sich Kalimaya so sehr, dass sie mir spontan ein Küsschen auf die Wange gibt.

Nach dem Frühstück bringt uns Jit zum Dorfplatz. Auch wenn - oder gerade weil - uns noch eine lange, anstrengende Busfahrt nach Gorkha bevorsteht: Ich freue mich aufs Ausschlafen, einen richtigen Kaffee und eine Dusche mit heißem Wasser. Tatopani, ich komme!

Weitere Informationen:
Der Great Himalaya Trail ist in zehn Sektionen aufgeteilt, wobei jeder Teilabschnitt in sich als geschlossener Trek in zwei bis drei Wochen erwandert werden kann. Jede der zehn Sektionen hat dabei ihren ganz eigenen Reiz mit jeweils einzigartigen Landschaften und Einblicken in die Kultur und Tradition der Landbevölkerung. Die komplette Durchwanderung des Himalaya auf dem GHT dauert etwa 150 Tage. http://thegreathimalayatrail.org

Der Reiseveranstalter Hauser Exkursionen bietet ab März den GHT aufgeteilt in sechs Abschnitte/Touren als Gruppenreise ab vier Personen an. Kosten ohne Flug pro Person ab 1.990 Euro. Der gesamte Great Himalaya Trail (153 Tage) kostet bei zwei Personen 32.900 Euro pro Person.
Hauser Exkursionen, Spiegelstraße 9, 81241 München, Tel. (089) 23 50 06 - 0, www.hauser-exkursionen.de, info@hauser-exkursionen.de

Der Flug von München über Abu Dhabi nach Kathmandu mit Etihad Airways kostet ca. 800 bis 1.000 Euro. Etihad Airways, Oberanger 34, 80331 München, Tel. (089) 44 23 88 88, www.etihadairways.com 

Kerstin Wolters

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