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Nur das Wetter wollte nicht mitfeiern

Der Tiergarten beging sein 100-jähriges Bestehen mit vielen Aktionen - 14.05.2012 07:05 Uhr

Viele Besucher waren gekommen, um gemeinsam mit dem Tiergarten zu feiern.

Viele Besucher waren gekommen, um gemeinsam mit dem Tiergarten zu feiern. © Michael Matejka


Das hatte aber auch Vorteile: Nirgends musste man lange anstehen, wenn man an den einzelnen Stationen des Programms mitmachen oder zuhören wollte.

Die Kinder, die ihre kranken Kuscheltiere mitgebracht haben, um sie von Zootierärztin Katrin Baumgartner untersuchen zu lassen, kommen schnell an die Reihe. Die vierjährige Hannah hält ihren Stoffelefanten Lumpi im Arm. „Er hat Fieber“, meint sie besorgt. Da kann Tierarzthelferin Sandra mit einigen Spezialtabletten in Gummibärchenform weiterhelfen, die sie gleich mitgibt. Hannah soll am besten auch welche einnehmen.

Schwerer hat es das Flusspferd der neunjährigen Alina getroffen: „Hugo ist vom Hochbett gefallen. Jetzt tut ihm der Fuß weh.“ Hugo bekommt einen Verband, den er vier Tage lang tragen soll. Vorsichtshalber leuchtet die Tierärztin noch mit einer Speziallampe in Hugos Augen: „Eine Gehirnerschütterung hat er zum Glück nicht.“

Vor dem Menschenaffenhaus zeigt Tierpfleger René Kaiser Besuchern, wie man mit einfachen Mitteln Zootiere beschäftigt. Für die Zwergseidenäffchen steckt er Mehlwürmer in ausgehöhlte Walnüsse, „da haben die stundenlang etwas zum Herauspulen und müssen sich ihr Futter erarbeiten“.

Die Präriehunde lieben Kaisers kleine Heubälle, in denen er Karotten-, Apfel- und Nussstückchen versteckt. Und wenn sie die Leckerbissen alle verspeist haben, verwenden sie die „Verpackung“ aus Heu gleich zum Auspolstern für ihren Bau. Besucher, die sich für dieses Thema interessieren, können an einem Workshop teilnehmen und selbst solches Tierspielzeug bauen.

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Der Tiergarten lässt es krachen: 100 Jahre Tiger & Co.

Ob die Manatis wohl auch ein Stück vom Kuchen bekommen haben? Vermutlich sind die Dickhäuter doch bei Seegras geblieben. Der Tiergarten feiert unterdessen seinen Geburtstag für die Besucher mit Kuchen und Stofftier-Sprechstunde.


Walther Reichel war über 40 Jahre im Tiergarten beschäftigt und für Technik und Landschaftsgestaltung zuständig. Am alten Flusspferdhaus erzählt er Besuchern, wie er „als Mädchen für alles“ vor immer neue Herausforderungen gestellt wurde. Eine der schönsten Aufgaben war es für ihn, das Gehege für die Schneeleoparden zu gestalten. Er ist heute noch stolz darauf, dass es ihm gelungen ist, die Anlage harmonisch in den Hang zu integrieren.

Ein Zeitzeuge in der 100-jährigen Tiergartengeschichte ist auch Hans-Jürgen Klinckert, einer der ersten Delfintrainer Europas, der 1971 nach Nürnberg kam, als das Delfinarium eröffnet wurde. Im „Blauen Salon“ der Delfinlagune erinnert er sich: „Es war von Anfang an faszinierend, mit diesen Tieren zu arbeiten, weil sie sofort reagieren, wenn man ihnen irgendetwas als Spielzeug anbietet.

Dann kommen sie spontan auf einen zu und signalisieren, dass sie zum Beispiel Ball spielen wollen.“ Klinckert ist froh, dass manche „alberne Sachen“, die man den Großen Tümmlern früher für die Shows beibrachte, heute aus dem Programm verschwunden sind.

Genau 100 Tage und einen Tag nach der Eröffnung des Alten Tiergartens am Luitpoldhain schneidet Tiergartendirektor Dag Encke im Raubtierhaus den Geburtstagskuchen an. Der Brezenmann, der immer am Haupteingang steht, hat acht Bleche gebacken, passend zum Raubtierhaus mit Tigermuster. „Hundert Jahre Tiergarten, das bedeutet auch hundert Jahre Entwicklung in der Tierhaltung“, sagt Dag Encke. Heute biete man den Tieren beispielsweise viel mehr Platz als damals. „Zoos gewinnen aber auch immer mehr Bedeutung darin, dass sie angesichts der negativen Entwicklung der Umwelt Bewusstsein für die Gefährdung der Arten und den Artenschutz schaffen.“

Statt einer langen Rede schreitet Dag Encke lieber zur Tat und verteilt die Kuchenstücke. Und es kriegt wirklich jeder eines ab – nicht nur die Kinder, die vorher „Happy Birthday, Tiergarten Nürnberg!“ gesungen haben. 

Ute Wolf

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