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Gaudi und Haferlschuhe

Trachten-Nacht im Bratwurst-Röslein - 12.09.2010 16:51 Uhr

Um das handwerkliche Geschick ging es bei dieser Übung sicher nicht ausschließlich © Uwe Niklas


Und so heißt es jetzt: zusammenrücken. Auf den Bierbänken sitzt man eng aneinandergereiht und zwischen diejenigen, die lieber stehen, passt kaum mehr ein Blatt Papier. Für das Servicepersonal, das trotzdem Speis’ und Trank an den Gast bringen muss, bedeutet das: kellnern unter erschwerten Bedingungen. Aber die drangvolle Enge fördert die Kommunikation. Man kommt schnell ins Gespräch, auch wenn man dabei die Musik übertönen muss. Apropos Musik: Hut ab vor der Live-Band „Die Lumpen“. Die vier Oberpfälzer spielen mit vollem Einsatz unermüdlich auf und bringen so richtig Schwung in die Bude. Jung und Alt tanzt und rockt was das Zeug hält. Zuvor hatte die zehnköpfige Blaskapelle „Es und As“ aus Bubenreuth gezeigt, was echte fränkisch-bayerische Wirtshaus- und Tanzbodenmusik ist.

Doch nicht nur musikalisch trumpft die Nürnberger Trachten-Nacht auf, sondern auch modisch. Viele der Dirndl-Trägerinnen sind so schick und stimmig aufgemacht, dass man sie glatt auf den Laufsteg schicken könnte. Und auch die Herren der Schöpfung haben sich herausstaffiert mit Lederhosen in unterschiedlichen Längen, klassisch weißem Trachtenhemd oder kariert im Holzfäller-Look, Trachtentuch, Wadlstrümpfen und Haferlschuhen. Mit echter regionaler Tracht haben die feschen Dirndln zu keiner Zeit viel zu tun gehabt. Sie waren 1870 und 1880 ein Modephänomen der Oberschicht des städtischen Sommerfrischepublikums, das in idyllischer ländlicher Kulisse Erholung suchte.

Seit einiger Zeit sind Dirndl, Lederhose, Oktoberfest, Volksfeste und Kirchweihen wieder schwer en vogue. Das erklärt auch die große Nachfrage nach dieser Veranstaltung, die schon zum zweiten Mal steigt. „So im Dirndl, das ist einfach mal was ganz anderes, ein tolles Gefühl, als wäre man im Urlaub auf der Alm“, findet die 26-jährige Sandra. Damen, die in Sachen Dirndl weniger gut ausgestattet sind als Sandra, kann an diesem Abend im „Bavaria Stodl“ geholfen werden – mit Bodypainting.


Drei Künstler, Karin Spreitzer, Claus Dirscherl und Michael Mierlein, zaubern hier um die Wette die frechsten Dirndl auf nackte Haut. Derweil klatscht das Publikum im Festzelt Clemens und Caro Lubowski lautstark zum „Trachtenpärchen 2010“. Der Account-Manager und seine Frau gewinnen je eine Trachten-Ausstattung im Wert von 250 Euro pro Person. Gefeiert wird bis in den frühen Morgen, mit jeder Menge Spaß und ganz ohne glasige Augen, Suff und Zoff – nachmachen, liebe Wiesn-Besucher!
  

Uschi Assfalg E-Mail

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