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Gespräch mit Kite-Surfer Florian Gruber

Studium, Arbeit, Wettbewerbe weltweit: Was treibt den Kiter an? - 19.09.2017 07:00 Uhr

Florian Gruber mit einem Stand-up- Paddle und dem Brombachsee im Hintergrund. © Axel Schwarz


Florian Gruber, 23, ist Kitesurfer. Status: Über zehnmal deutscher Meister, deshalb legt er den Fokus auf internationale Wettbewerbe, 2013 wurde er Weltmeister. Mit dem Altmühl-Boten sprach Gruber über seinen ungewöhnlichen Lebensstil, seine Ziele und seinen gefährlichsten Sturz – der ausgerechnet am Brombachsee passierte.

Herr Gruber, welche Schlagzeile ist wahrscheinlicher: Florian Gruber wird Olympiasieger oder Florian Gruber hört mit dem Surfen auf?

Florian Gruber: Puh, die Frage habe ich noch nie gehört. Wenn Kiten 2024 olympisch wird und ich da noch fit bin, werde ich da auf jeden Fall noch einmal voll angreifen. Wahrscheinlich bekommen wir Kiter bei Olympia 2020 ein Show-Event, aber das ist noch nicht sicher.

Aber aufhören ist noch kein Thema, oder?

Gruber: Also ich weiß noch nicht, ob ich so verrückt bin wie mein Dad und den Sport so lange mache. Denn ich möchte den Sport auch noch richtig genießen, also mal nach Hawaii oder Bali reisen, nur um auf der Welle zu surfen. Ich werde dem Sport sicherlich lange treu bleiben, aber ich studiere ja auch nebenbei in Ansbach, damit ich auch danach etwas habe.

Studium und Wettbewerbe

Was Gruber genau nach dem Studium macht, weiß er noch nicht. Es könnte aber auch in eine andere Richtung als zur Randsportart Kitesurfen gehen: In der Sportbranche will er bleiben, gut vorstellen kann er sich Firmen wie Adidas oder Red Bull. Auch Fußballvereine reizen den 23-Jährigen, der an der Hochschule in Ansbach International Management studiert. Der Bachelor-Studiengang, extra für Spitzensportler eingerichtet, dauert zehn Semester. Er ist im sechsten. Spitzensportler wie Skispringer Severin Freund oder Biathletin Kati Wilhelm haben das Gleiche studiert wie Gruber. Voraussetzung ist, dass man in einem Olympia-Kader ist. Als Kiten 2016 kurz olympisch war, war Gruber im Kader und bekam seine Bestätigung von der Hochschule. Gruber lebt in Garmisch-Partenkirchen, studiert in Ansbach und ist permanent auf internationalen Wettbewerben.

Wie bekommen Sie das hin?

Gruber: Im Sommer bin ich zwischen den Wettkämpfen in Muhr am See und helfe meinem Vater bei der Surf- und Kite-Schule. Im Winter fahre ich von Garmisch hoch nach Ansbach und bleibe ein paar Tage. Der Vorteil ist, dass es ein halbes Fernstudium ist. Konkret heißt das, dass ich nur zehn bis 15 Tage im Semester anwesend sein muss.

Fühlen Sie sich da manchmal gestresst?

Gruber: Dieser Sommer war schon sehr stressig. Ich hatte alle zwei Wochen einen Wettkampf und habe parallel fünf Kurse abgelegt. Aber ich lasse mich da nicht so stressen. Grundsätzlich bin ich ein entspannter Typ. Zum Beispiel bin ich zu meiner Deutsch-Prüfung im Abitur erst um fünf Uhr in der Früh von einem Wettkampf aus Frankreich heimgekommen.

Ihr nächster Wettbewerb ist in China, einem Land, mit dem man Surfen eher weniger verbindet. Warum lohnt sich der Wettkampf?

Gruber (lacht): Die zahlen gutes Preisgeld. Was in China fehlt, ist das Drumherum, also zum Beispiel Zuschauer.

Wie viel bringt das Kiten aus finanzieller Sicht?

Gruber: Man kann nicht davon leben. Im Freestyle gibt es ein paar, die leben ganz gut davon. Im Racing ist es deutlich schwerer, so viel Geld zu verdienen. Gehalt bekomme ich nicht wirklich viel. Meine Kosten für Reise und Unterkunft sind vom Sponsor gedeckt. Das Preisgeld ist für mich und für Verpflegung. Für den Ersten liegt es meist so bei 1000 bis 2000 Euro. Wichtig wäre ein Hauptsponsor wie VW oder Mercedes, der ein Auto stellt und im Jahr 40000 zahlt, dann wäre ich schon superhappy.

Haben Sie einen Manager, der Ihnen in dem Punkt hilft?

Gruber: Ich hatte früher mal einen, aber das hat nicht funktioniert. 2013 bin ich gerade Weltmeister geworden und um Kiten entstand eigentlich ein guter Hype. Irgendwie hat es der Manager aber nicht geschafft, diesen Titel gut umzuwandeln.

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Warum haben Sie sich fürs Surfen entschieden?

Gruber: Ich war auch im Eishockey und im Skifahren richtig gut. Im Kiten bin ich dann aber so gut geworden, dass ich ganz vorne mitgefahren bin.

Wie steht es um Ihre Windsurf- und Wellensurfkünste?

Gruber: Surfen in der Welle kann ich auch, aber nicht auf Top-Niveau. Windsurfen kann man nicht so gut am Brombachsee trainieren. Aber als Surfer probierst du alle anderen Arten auch aus. Letztlich muss man sich aber fokussieren.

Kann Kiten auch gefährlich sein?

Gruber: Inzwischen ist der Kite-Sport sehr sicher geworden. Heute sind Sicherheitssysteme richtig gut und einfach zu bedienen. Trotzdem kann was passieren. Mein bisher gefährlichster Sturz war am Brombachsee. Das Foil hat sich in der Leine verhangen und die Carbon-Flügel sind sehr scharf. Nach der Landung hat der Kite sich selbstständig gemacht und mich noch einmal aus dem Wasser gerissen. Dabei war der Carbon-Flügel direkt vor meinem Gesicht. Und der hätte mich auch durch den Bauch stechen oder sonst irgendwie verletzen können.

Ihr Vater und Ihre Mutter haben Sie aufs Wasser gebracht. Wie muss man sich das vorstellen?

Gruber: Früher sind wir immer nach Portugal oder Spanien in den Urlaub gefahren und da habe ich halt früh angefangen, mit einem Boogie Board ins Meer zu gehen. Mit sechs, sieben Jahren war ich erstmals Windsurfen. Meine Eltern haben mich bei den Wettkämpfen immer unterstützt. Und es hat auch Spaß gemacht, mit dem Vater um die Welt zu reisen. Heute ist er leider nicht mehr so oft dabei, weil die Flüge immer teurer wurden. Aber mein Vater ist immer noch mein Trainer.

Wie halten Sie sich fit?

Gruber: Ich gehe nicht ins Fitnessstudio. Braucht man aber auch nicht, weil für das Kiten nicht nur Kraft wichtig ist, sondern vor allem Balance. Eine Slackline ist zum Beispiel eine gute Trainingsmethode. Ich gehe viel joggen für die Grundausdauer. Und ich versuche, so oft wie möglich aufs Wasser zu kommen.

Und was machen Sie, wenn Sie keinen Sport machen?

Gruber: Puh, es dreht sich auf jeden Fall viel um Sport, aber ich kann auch abschalten und weniger machen. Dann treffe ich Freunde, aber meistens kommt der Freundeskreis auch vom Sport, also mache ich am Ende doch wieder Sport.

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Bastian Mühling E-Mail

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