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Goldräuber legt Geständnis ab

Vermeintlichen Drahtzieher belastet - 09.05.2011 19:50 Uhr

Gangster-Rapper „Xatar“ hat gestanden – und den mutmaßlichen Drahtzieher belastet. © privat


„Xatar“ und drei weitere Männer im Alter zwischen 22 und 29 Jahren stehen seit 21. Oktober 2010 vor Gericht. Als Polizisten bzw. Zoll-Beamte verkleidet, sollen sie den Goldtransport aus der Nürnberger Südstadt in die Scheideanstalt Pforzheim bei Ludwigsburg von der Autobahn gelotst, gestoppt und ausgeraubt haben. Dabei fielen ihnen laut Anklage Altgold und -silber für rund 1,7 Millionen Euro in die Hände.


Das Geständnis ließ „Xatar“ von seinem Verteidiger verlesen. Danach beteiligte sich der 29-Jährige an dem Raubzug, weil er Geld gebraucht habe, um ein geplantes, neues Album zu finanzieren. Sowohl er als auch seine drei Mittäter hätten jeweils 25000 Euro für die Tatausführung bekommen. Eine zweite Zahlung in gleicher Höhe, die allen versprochen worden sei, habe keiner der vier erhalten. Vom Verbleib der Beute, die seit dem Überfall spurlos verschwunden ist, will der 29-Jährige keine Ahnung haben. Unbestätigten Gerüchten zufolge, soll das Edelmetall in Holland eingeschmolzen und über Hehler abgesetzt worden sein.

Als Drahtzieher des ausgeklügelten Coups bezichtigte „Xatar“ den heute 53 Jahre alten Donald S., der vor Jahren als „falscher Bankräuber“ und Justizopfer bekannt wurde. Dies deckt sich mit den Überzeugungen der Staatsanwaltschaft: Im Ladengeschäft des geschädigten Altgold-Händlers, das in der Nürnberger Südstadt angesiedelt ist, soll sich S. im Jahr 2009 systematisch das Vertrauen eines Goldschmieds erarbeitet haben. So habe S. Interna aus dem Betrieb erfahren, glaubt die Anklagebehörde, und dabei herausgefunden, zu welchem Zeitpunkt genau der fragliche Altgold-Transport im Dezember 2009 geplant war.

Das Verfahren gegen Donald S. wurde im September 2010 abgetrennt. Der 53-Jährige ist gesundheitlich so stark angegriffen, dass seine Verhandlungsfähigkeit infrage stand. Sein Anwalt hatte gegenüber der Nürnberger Zeitung vor knapp einem Jahr bestätigt, dass S. an mehreren Erkrankungen leide. Unbestätigten Informationen zufolge soll der 53-Jährige schwer zuckerkrank sein, einen Tumor sowie Glasknochen haben.

Trotzdem war Donald S. offenbar dazu in der Lage, den Überfall auszuknobeln. Folgt man der Aussage des Rappers „Xatar“, dann gab S. auch den Auftrag dazu, die richtigen Männer für den Überfall zusammenzustellen sowie die Ausrüstung für die Verkleidung der Bande als Polizisten zu besorgen. Ihm selbst sei es bei dem Überfall wichtig gewesen, dass bei der Tat niemand verletzt würde, behauptete der 29-Jährige vor Gericht.

Gericht stellte Strafmilderung in Aussicht

Zwei der insgesamt fünf Angeklagten waren lediglich an den Vorbereitungen beteiligt, nicht aber am eigentlichen Überfall, sagte „Xatar“. Mit dem Fahrer und dem Beifahrer des Goldtransports, die beide mit Handschellen gefesselt waren, sei man nach der Tat zunächst ziellos herum gefahren. In einem Waldstück bei Oedheim hätten er und ein Mittäter die Männer schließlich ausgesetzt. Nachdem die Räuber weggefahren waren, gelang es den beiden Opfern, sich bis an die Straße zu schleppen und nach mehreren Anläufen einen Autofahrer zu stoppen, der über sein Mobiltelefon Hilfe herbeiholte.

Dass sich der 29-Jährige zu dem Geständnis gestern entschloss, ist offenbar auf einen Schachzug der Großen Strafkammer am Landgericht Stuttgart zurückzuführen. Bei einem umfassenden Geständnis könne sich die Kammer auf Höchststrafen von sieben bis acht Jahren einlassen, hatte der Vorsitzende Richter angekündigt. Daraufhin kündigten drei der vier Angeklagten, gegen die zunächst verhandelt wird, Geständnisse an. 

Tilmann Grewe E-Mail

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