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Helmut Schleich im Dehnberger Theater

Bloß keine heiße Luft - 04.02.2013 16:46 Uhr

Lauf  - Wehe, wenn er sich aufbläht. Dann ist die feindliche Übernahme gelungen. Doch was für ein Glück, dass er es wieder getan hat und in seine Paraderolle als Franz Josef Strauß geschlüpft ist. Helmut Schleich kann allerdings noch viel mehr. Das hat er jetzt im Dehnberger Hof Theater bewiesen, wo er das Publikum mit einer Kabinettsitzung seiner schrägen Typen restlos begeisterte.

Helmut Schleich gibt den Monarchisten – nur eine seiner vielen Rollen.
Helmut Schleich gibt den Monarchisten – nur eine seiner vielen Rollen.
Foto: Krieger
Helmut Schleich gibt den Monarchisten – nur eine seiner vielen Rollen.
Helmut Schleich gibt den Monarchisten – nur eine seiner vielen Rollen.
Foto: Krieger

Kabarett mit Helmut Schleich, auch wenn es um 17 Uhr stattfindet, ist kein seichtes Vorabendprogramm, so viel ist klar. Wenn der stämmige Münchener auf der Bühne steht, den wohlgerundeten Bauch austariert, die listigen Augen aufs Publikum richtet, muss man auf alles gefasst sein.

Ob als SS-Rottenführer oder Stammtisch-Historiker, ob als Eremit oder Laubbläser – es ist keine heiße Luft, die da aus ihm herausquillt. Auch wenn er das Terrorinstrument der Gartenbesitzer noch einen Gang hochschaltet, bevor er mit einem Wisch die Anti-Irgendwasbewegungen vom Tisch fegt.

Klar, auch ein Kabarettist vom Format Schleichs braucht Rückendeckung, wenn die Occupybewegung der Fundamentalisten und Ewiggestrigen, der Polit- und Fernsehgrößen mal wieder von ihm Besitz ergreift. Kardinal Ratzinger, alias Papst, im Duell mit Franz Josef Strauß – und das auf maximal 1,70 Meter verteilt –, das kann ganz schön schief gehen, vor allem dann, wenn noch Helmut Schmidt auf eine Zigarettenlänge vorbeischaut.

Doch Helmut Schleich ist ein Phänomen. Gerade noch hat er den Hals eingeklappt und als Strauß die graue Brennsuppe beklagt, zu der die CSU verkommen ist, da schwebt er schon im täuschend echten Singsang des Kirchenoberhaupts über die Bühne und zeigt, wer in Bayern schon seit jeher die Lederhosen anhat.

Der beste Otti Fischer von allen


Gegen so viel Macht hilft auch kein christlich-sozialer Exorzismus. Vielleicht liegt das alles ja am Altgriechisch des Telekollegs, das nicht nur dem Münchner Vorstadtbazi an diesem Abend ganz neue Einsichten eröffnet und ihn wie Heinrich von Horchen, einem aus der Jahrhundertwende übrig gebliebenen Monarchisten, zu höheren Weihen führt.

Oder an Bob Ross, dem zugedröhnten Impressionisten des öffentlich-rechtlichen Bildungsfernsehens, der mit feinen Strichen das kompensiert, was das Kultusministerium bei den Schülern vermasselt. Oder aber an Kabarettkollege Otti Fischer, den Helmut Schleich besser kann als dieser selbst.

Faszinierend, wie er Geste, Blick und vor allem Tonfall Fischers bis ins letzte Detail kopiert. Das ist Schwerstarbeit, doch für das Publikum, das Schleich atemlos folgt, schwer erheiternd. Zumal sich der Münchner nicht auf die Darstellung der Figuren beschränkt, sondern daraus ein perfekt inszeniertes Gesamtprogramm macht, mit genüsslichen parodistischen Einlagen, in denen er seiner multiplen Persönlichkeit zu Leibe rücken versucht.

Dann ist er laut und deftig, leise und pfiffig – ganz wie er es braucht. Und böse, wenn er das Publikum, das sich nach gut zwei Stunden am Ende der Vorstellung wähnt, in die Klatschfalle lockt und aus dem schönen Reigen der vorgeführten Egos reißt. Schließlich sollen die Zuschauer ja nicht nur die DVD mit nach Hause nehmen. Hat geklappt. 

Isabel Krieger


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