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Sybille Seiffert, Polizeibeamtin aus Hersbruck: „Ich habe selbst schon solche Erfahrungen gemacht, aber nicht in Hersbruck, sondern an einer anderen Dienststelle. Damals wollte ein Kollege an mir vorbeigehen und hat mich an den Hüften gefasst und zur Seite geschoben. Ich hab ihn deutlich darauf hingewiesen, dass so etwas nicht geht.
Er meinte nur, da wäre doch nichts dabei. In meinem täglichen Job als Polizistin muss ich die Vernünftigere sein. Dumme Sprüche von Männern beachte ich nicht. Denn je mehr man darauf eingeht, desto schlimmer wird es. Einfach keine Beachtung schenken. Aber der Spruch von Rainer Brüderle, die Journalistin könne „ein Dirndl auch ausfüllen“, geht gar nicht - erst recht nicht in so einer Position.“
Tanja M. (Name geändert), Lkw-Fahrerin aus Hersbruck: „Ich höre schon den ein oder anderen Spruch auf der Baustelle. Aber ich hab ein dickes Fell und ignoriere das einfach. Meistens pfeifen einem die Männer hinterher oder machen Komplimente. So richtig dumm angemacht hat mich aber noch keiner. Da wüsste ich dann schon einen blöden Spruch zurück.“
Anja Wirkner, Gleichstellungsbeauftragte am Landratsamt Nürnberger Land: „Es ist eine ernstzunehmende und wichtige Debatte, die hier angestoßen wurde. Ein gesellschaftliches Problem, in dem es immer auch um die Frage der Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau geht.
Dass sexistische Äußerungen keine Seltenheit sind, haben auch die zahlreichen Reaktionen im Internet und auf Twitter gezeigt. Besonders problematisch ist es, wenn solche frauenfeindlichen Äußerungen in Abhängigkeitsverhältnissen fallen, vor allem im Arbeitsbereich. Es ist wichtig, die Frauen darin zu bestärken, Grenzen aufzuzeigen und ihre Persönlichkeitsrechte zu stärken.
Meine Aufgabe als Gleichstellungsbeauftragte ist es auch, vertraulich als Ansprechpartnerin für betroffene Bürgerinnen im Landkreis zur Verfügung zu stehen. Sie können mich über die Telefonnummer 09123/950-6055 erreichen.“
Hedwig Hacker, Hilfe für Frauen und Kinder in Not Nürnberger Land e.V.: „Für mich ist es verbale Gewalt, wenn Männer Anspielungen gegenüber Frauen machen, die unter die Gürtellinie gehen. Man kann durchaus mal ein Späßchen machen, aber sexistische Äußerungen müssen nun wirklich nicht sein.
Frauen sollten dumme Sprüche gleich selbstbewusst zurückweisen und sagen, dass sie so etwas nicht akzeptieren. Oder sie ignorieren sie, gehen weiter und lassen den Mann einfach stehen. Es ist gut, dass in den Medien über so ein Thema diskutiert wird. Aber man sollte die ganze Debatte nicht an der Person Brüderle festmachen - immerhin ist die Geschichte jetzt schon ein Jahr her.“
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.
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