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Ingenieure bauen auf Deutschland

20 Professoren aus dem Irak zu Gast an der TH Nürnberg - 19.04.2016 19:19 Uhr

Im Labor für Wasserbau begutachtet die Delegation aus dem Irak eine Versuchsanlage zum Brückenbau. © Foto: Stefan Hippel


Die Eisschollen treiben auf die Brückenpfeiler zu. Sie verkeilen sich ineinander, bleiben stecken und stauen sich auf. „Das kann sogar so weit führen, dass die Brücke dem Druck nicht standhält und zusammenbricht oder, dass der Fluss über die Ufer tritt, weil das Wasser nicht abfließen kann“, erklärt Sebastian Dürr den Gästen. Zwar gibt es im Irak keine Eisschollen, trotzdem hören die 20 Professoren aus Bagdad, Erbil, Basra, Sulaimaniya, Hilla und Diwaniyya aufmerksam zu, fragen nach und sind sehr interessiert am Versuchsaufbau, den der Student ihnen vorführt. Sie wollen lernen, wie hierzulande gelehrt und geforscht wird.

Seit 2010 lädt das „Center for Iraq Studies“ der Uni Erlangen-Nürnberg dreimal im Jahr Professoren aus dem Irak für zwei Wochen nach Deutschland ein. Meistens Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, nun sind es zum ersten Mal Bauingenieure. „Im Irak ist das Programm sehr bekannt, in Deutschland aber weniger“, sagt Organisator Rainer Neusser. „Unser Ziel ist es, das Land nach der amerikanischen Besatzung beim akademischen Wiederaufbau zu unterstützen.“

Die Delegation besichtigt die Schleuse in Hilpoltstein, das Wasserwirtschaftsamt in Nürnberg und die Knauf Gipswerke in Iphofen. Die Firma hat selbst ein Fortbildungszentrum in Bagdad. An der Technischen Hochschule Nürnberg bekommen die Bauingenieure Informationen über Geotechnik, Baustoffkunde und Vermessung. „Sie interessieren sich vor allem für unsere Unterrichtsmethoden und das wissenschaftliche Arbeiten“, erzählt Thomas Freimann, Professor für Beton- und Baustofftechnologie, der die Gäste durch die Labore führt. Die Verknüpfung von Lehre und Forschung gibt es so noch nicht oft im Irak. „Wir zeigen ihnen, welche Software wir einsetzen, Simulationsverfahren, Wasserrecycling und neue Dämmmaterialien.“

An der Eisschollen-Anlage im Wasserbaulabor testen sie verschiedene Schollengrößen und Fließgeschwindigkeiten. „Dadurch können wir vorab Empfehlungen aussprechen, wie Brücken gebaut werden sollten oderwie klein ein Eisbrecher Eisschollen auf einem Fluss brechen muss, damit den Brücken nichts passiert“, erklärt Dürr.

Auch für die Wissenschaftler und Studenten in Nürnberg und Erlangen sind die Kontakte in den Irak interessant. „Der fachliche Austausch ist wichtig und es gab schon die ersten Anfragen für Kooperationen“, sagt Freimann. „Wir können uns Gastaufenthalte unserer Professoren im Irak vorstellen, gemeinsame Konferenzen oder auch einen gegenseitigen Studentenaustausch.“ 

Christina Merkel

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