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Aktuelle Lebenswelt

Das Nürnberger Jugendtheaterfestival „Lichtblicke“ - 07.10.2011

Ein Road-Movie auf der Bühne zeigt das Hildesheimer Theater pulk fiktion mit „Ein Stück Autokino“ im Hubertussaal. © Festival


Das Spektrum des Festivals, das vom Gostner Hoftheater, dem Theater zwo sieben und der Nürnberger Tafelhalle als Kooperationspartner ausgerichtet wird, reicht vom Klassiker wie „Faust“ und „Draußen vor der Tür“ bis zu frisch entwickelten Stücken, die sich auf die Lebenswelt heutiger Jugendlicher einstellen. Wobei der Schwerpunkt diesmal – eher zufällig – auf Medien liegt, die entweder als Thema auftauchen oder auf der Bühne eingesetzt werden.

So erzählt etwa die Stückwerkstatt Schimmer in ihrer Uraufführung „Next Level“ die Geschichte einer Zeitreise vom 23. zurück ins 21. Jahrhundert. In einem Computerspiel erreicht Tara das „Paradies“-Level und findet sich unversehens im Gostner Hoftheater wieder. Die Zuschauer sind quasi Avatare, die ihr beim Erreichen des nächsten Levels helfen.

Dass hier alles etwas schöner ist als in der fernen Zukunft, aus der sie kommt, liegt auf der Hand: Menschen sind genverändert, die Erde verseucht – wir Heute-Bewohner arbeiten ja gerade eifrig daran. „Wir sind von der Frage ausgegangen, was passiert, wenn wir alle so weiter konsumieren wie im Moment“, erklärt Nicole Schymiczek, eine der beiden Regisseurinnen. Ihr Stück für Menschen ab elf Jahren soll allerdings nicht düster, sondern durchaus witzig werden. Uraufführung ist am 26.Oktober im Gostner Hoftheater.

Eröffnet wird das Festival, das längst auch von Schulen in der weiteren Region gebucht wird (aber für alle Interessierten frei ist), am 18. Oktober mit einem Pflichtstoff aus der Schullektüre: Wolfgang Borcherts Nachkriegs-Drama „Draußen vor der Tür“ ist in der Version von Schauspiel-Regisseur Baris Karademir und dem Choreografen und Tänzer Ingo Schweiger aber nicht in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt, sondern durchaus aktuell: „Kriegsheimkehrer gibt es auch heute, und wir wenden den Titel ganz allgemein auf das Ausgegrenztsein an“, sagt Karademir. Das von Borchert ursprünglich als Hörspiel angelegte Stück wird aufgeschlüsselt in Tanz- und Sprechrollen, Licht- und Soundeffekte sorgen für Atmosphäre.

Zeitloser Faust

Einen weiteren Klassiker bringt das mitveranstaltende Theater zwo sieben mit der Akademie für Theaterpädagogik auf die Bühne: „Faust“ in 50 Minuten – mit Blick auf die zeitlosen Themen in Goethes Drama, die heute noch gültig sind (27.10., Hubertussaal). Ein spannender Abend zwischen Jugendkultur, Theater und Tanz könnte auch das Gastspiel des Berliners Kadir Memis alias Amigo sein: Der als HipHopper bekannte Tänzer erzählt darin von der Rollenfindung junger Männer zwischen Kind und Macho-Dasein, zwischen türkischer und deutscher Kultur (23./24.10., Tafelhalle). Das Theaterhaus Frankfurt schickt „Tabu“ ins Rennen, die Geschichte einer verhängnisvollen Verabredung via Internet (25./26.10.).

Das Festival ist allerdings keine Einbahnstraße: Schüler beteiligen sich mit einem Kunst-Parcours und als Jury, die beim Finale am 27. Oktober den Preis für die beste Inszenierung verleiht. Interessierte sind dort noch willkommen.

Karten gibt es an den üblichen Vorverkaufsstellen, beim Gostner Hoftheater unter Tel.: 0911/ 261510 sowie im Internet unter www.gostner.de

  

KATHARINA ERLENWEIN

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