Mittwoch, 20.03.2019

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Altmeister Augustinski kehrt zurück auf die Bühne

Nach langer Krankheit zum ersten mal wieder bei der Comödie Fürth - 16.09.2011 09:23 Uhr

Wahnsinn pur: Volker Heißmann (li.) und Peer Augustinski (im Rollstuhl) in einer Pro­benszene aus der Comödien-Neuproduktion © Mark Johnston


 

Wenn es nicht so makaber wäre, man müsste schreiben: Auch ein hal­ber Augustinski steckt sie alle in den Sack. Ein Schlaganfall warf den „Klimbim“-Veteranen und Erzkomö­dianten 2005 aus der Bahn. Seitdem linksseitig gelähmt, kehrte der nun 71-Jährige mit viel Selbstironie und Willenskraft ins Leben zurück.

Ein fei­ner Zug der Comödie, ihm eine klei­nere Rolle anzudienen; als kauziger, an den Rollstuhl gefesselter und um keinen Spruch verlegener Patient muss Augustinski eigentlich nieman­den spielen außer sich selbst.

Rührend und erschütternd, ihm dabei zuzusehen. Zum dröhnenden Schlussapplaus, der vorwiegend ihm gilt, rafft er sich mit aller Kraft aus dem Rolli auf, seht her, da bin ich wie­der. Das Wiedersehen: Schön und gut ist das, denn Peer Augustinski braucht diese Inszenierung wie der Verdurstende das Wasser.

Er mimt den Langzeitpatienten mit reichlich Dittsche-Habitus; ins wüste Chaos der Krankenstation gerät er stets zufällig und unverschuldet, genießt jedoch, darin ein Seelenverwandter der Lästermäuler Waldorf und Stat­ler, dass endlich mal was los ist — und das „Alles auf Krankenschein“.

Augustinskis Kunst: Selbst aus dem allerdämlichsten Spruch („Da kannst du schütteln und kannst klopfen, in der Hose bleibt der letzte Tropfen“) bastelt er noch ein Stück Theater mit jener Boulevard-Grandezza, die ihn schon in den Siebzigern zu einem der meistgefragten komischen Charaktere machte.

Das wirklich Schmerzliche ist aller­dings: Auf der Bühne der Comödie wirkt das alles, als trete Simon Rattle vor eine Feuerwehrkapelle. Regisseur und (Mit-)Hauptdarsteller Martin Ras­sau drückt vehement auf die Hektik­und Verhaspel-Tube, treibt Ray Coo­neys Verwechslungsklamotte aber höchst erfolgreich auch noch den letz­ten Funken britischer Finesse aus.

Bei „Hotel im Angebot“ in der Vorsaison gingen Slapstick und Bühnenbild eine prima Verbindung ein, hier jedoch ist von Freude am subversiven Spiel nichts zu erleben. Ein Neurologe (Vol­ker Heißmann) erfährt kurz vor der Rede seines Lebens vom unehelichen Sohn. Aus dem folgenden gutbürger­lich sortierten Ablach-Angebot ragen diesmal heraus: Hämorrhoiden- und Oralverkehr-Witze, Riesensuff und Riesenspritzen, Männer in Frauenklei­dern, Männer auf dem Tuckentrip. Alle lachen. 

Mattias Boll

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