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Bela B. mit Smokestack Lightnin' im E-Werk

Nürnberger Band begleitet den Alt-Punk auf seiner Solo-Tournee - 05.05.2014 10:16 Uhr

Schlagzeuger der Punk-Rock-Band Die Ärzte: Bela B.

Schlagzeuger der Punk-Rock-Band Die Ärzte: Bela B. © Draminski


Bela, wie sind Sie auf Smokestack Lightnin’ gekommen?

Bela B.: Ganz profan: Ich hab’ die im Radio gehört — im Auto. Das war eine der raren Musiksendungen auf Deutschlandfunk, wo ihr Album „Heads Of Agreement“ vorgestellt wurde. Das hat mir so gut gefallen, dass ich rechts rangefahren bin, mir den Namen notiert und mir die Platte gekauft habe. Ein halbes Jahr später haben Smokestack Lightnin’ in Hamburg gespielt. Da bin ich auf das Konzert gegangen und nach der Show an den Merchandise-Stand, den sie bis heute selbst bestreiten. Wir haben E-Mail-Adressen ausgetauscht, und ein halbes Jahr später habe ich mich gemeldet.

… und jetzt sind Smokestack Lightnin’ Ihre neue Backing Band.

Bela B.: Erst waren sie Vorband. 2009 haben wir sieben oder acht Konzerte zusammen gespielt. Auf dieser Tour hatte ich dann auch zum ersten Mal die Idee, meine eigenen Stücke ganz anders zu interpretieren und habe Smokestack Lightnin’ gefragt, ob sie die für mich in ihrem Stil — Rootsrock, Americana, Country-angehaucht — arrangieren können. Ab 2010 haben wir immer wieder Songs hin- und hergeschickt und auch mal zusammen geprobt. 2011 haben wir dann angefangen, gemeinsam Stücke zu schreiben.

Jetzt kennt man Sie als Schlagzeuger von Die Ärzte, wo sie lange ein düsteres Gothic-Image gepflegt haben. Ihre Liebe zu Country hat uns schon 2006 auf Ihrem ersten Soloalbum „Bingo“ überrascht, auf dem auch Lee Hazelwood zu hören war …

Bela B.: Mich hat Johnny Cash genauso beeinflusst wie Bauhaus und die Sisters Of Mercy. Das war immer auch eine Seite von mir. Sicherlich ist Punkrock die Musik, die mich am meisten geprägt hat. Aber ich habe immer auch viel Rockabilly und Country gehört — und viel Elvis. In den 80er Jahren war ich auf vielen Johnny Cash-Konzerten. Wer Die Ärzte kennt, weiß aber, dass wir immer auch Lieder in diese Richtung geschrieben haben — „Goldenes Handwerk“ zum Beispiel. Twang-Gitarren haben mich schon immer fasziniert, ich bin ja auch ein großer Link Wray-Fan. Jetzt wollte ich mal etwas mit Musikern machen, die das alles aufgesogen haben und für die das alles viel selbstverständlicher ist.

Warum haben Sie sich dann keine Amis an Bord geholt: Männer aus Nashville, die diesen Sound mit der Muttermilch aufgesogen haben?

Bela B.: Ich will spontan arbeiten können. Außerdem singe ich ja auf Deutsch, größtenteils zumindest. Das finde ich dann alles zu aufwändig. Ich bin nicht so ein verwöhnter Typ, der sich die besten Studiomusiker holt. Ich brauche Leute, mit denen ich befreundet bin, mit denen ich gerne auch ein Bier trinken gehe.

Mit den Ärzten in Berlin gestartet, jetzt wohnhaft in Hamburg — wie nehmen Sie Nürnberg auf der deutschen Pop-Landkarte wahr?

Bela B.:rnberg hat schon auch Punkrock-Geschichte geschrieben mit dem Komm, das ist ja legendär. Dort hätten sich Die Ärzte in den 80ern auch nicht reintrauen dürfen, da gab es Hasswellen gegen uns als „Kommerzpunks“. Irgendwann war das dann aber auch wieder okay. Kulturell ist Nürnberg eine interessante Stadt, immer ein bisschen liberaler als München. Wir haben mit den Ärzten immer gerne in Nürnberg gespielt.

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Ist es schwieriger, als Musiker aus der Provinz zu kommen, die Nürnberg ja ist?

Bela B.: Also ganz sicher ist es schwieriger, sich in Berlin zwischen diesen tausenden Träumern, die da rumlaufen, durchzusetzen. Du kannst in Berlin natürlich alle Nase lang spielen, aber wie ich von Smokestack Lightnin’ weiß, geht das auch in Süddeutschland, zumindest an Wochenenden in Clubs. Das ist schon sehr bunt da unten bei Euch. Ich würde Nürnberg auch nicht als Provinz bezeichnen — Schwabach vielleicht, wo der Bernie herkommt. Die Möglichkeiten sind sicher begrenzter als in Berlin oder Hamburg, liegen jetzt aber auch nicht unterhalb von Stuttgart. Ich glaube nicht, dass es für Bands ein Nachteil ist, aus einer kleineren Stadt wie Nürnberg zu kommen — eher ein Vorteil.

Was gefällt Ihnen am besten an Smokestack Lightnin’?

Bela B.: Die sind wahnsinnig entspannt. Die Art, wie Mike Schlagzeug spielt, das ist schon deutlich entspannter als bei mir. Ich stehe da immer völlig unter Strom und bin auch sicherlich viel lauter.

Bernie ist einer der lässigsten Typen, die ich kenne. Und Axel ist ein Super-Gitarrist mit einem ganz tollen Elvis-Sound. Zusammen grooven die wie die Sau. Sie mögen ja hin und wieder selbst von ihren eigenen Fähigkeiten gar nicht so viel halten, was ich gar nicht verstehe…

Aktuelle CD: Bela B. & Smokestack Lightnin’ „Bye“ (B-Sploitation/Rough Trade)

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Interview: Stefan Gnad

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