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Blühende Filzlandschaften für eine bunte Künstlerszene

Neues Atelier in St. Leonhard — Harte Themen aus weichem Material — Seminare für Jugendliche und Traumapatienten - 19.07.2011

Kunst für die Wand und die Hand: Heidi Drahota in ihrem Atelier. © Matejka


Die Eröffnung ihres Ateliers „Werkraum Taschenkind“ hat sie sich selbst zum 50. Geburtstag geschenkt. „Da ist ein ganz großer Traum in Erfüllung gegangen“, sagt Heidi Drahota. Ein Traum, den die hauptberufliche Lehrerin bereits seit fünf Jahren hat. Als sie das kleine Hinterhaus in einem Hof in St. Leonhard zum ersten Mal betrat, war ihr sofort klar: „Das ist meins.“

Seit fast einem Jahrzehnt hat sich die Künstlerin mit den kurzen Haaren fast ausschließlich einem Material verschrieben: Dem Filz. Gerne in Kombination mit traditionellen Techniken wie Quilten und Sticken. Angefangen hatte sie allerdings mit Stillleben und Landschaftsmotiven in Aquarell, die im ersten Raum ihres Ateliers zu sehen sind. Erst später entdeckte Drahota die ganze Bandbreite des Filz. Bunte Taschen, Hüte und Ketten fertigt sie aus diesem Material. Kreationen, die sie auch selbst gerne trägt.

In ihren neuesten Werken lässt sie Filzgebilde wie Waldflechten in verschiedenen Farbtönen und Formen in alten Holzfensterrahmen dahinranken. Doch nicht nur Dekoratives stellt die frisch gebackene Atelier-Besitzerin aus Sündersbühl her. Sie widmet sich in ihren Werken auch schwierigen und politischen Themen und stellt damit den harten Inhalt oftmals plakativ in einen krassen Kontrast zum weichen Material. Thematisch spart sie auch den Holocaust, den Hunger in Afrika oder Suizid nicht aus. Wie etwa bei ihrer bildnerischen Auseinandersetzung „Auf der Schiene – neben der Spur“, bei der eine Bahnschiene und Frauenschuhe aus Filz auf einem Schotterbett liegen. „Hier kann sich der Betrachter fragen: Geht es um Selbstmord? Oder hat die Frau nur ihre Schuhe ausgezogen und ist davon gegangen?“, erläutert Drahota.

Zum Nachdenken anregen, etwas verändern, das ist ihr wichtig und spiegelt sich in vielen Werken. Aber auch der Versuch, sich selbst zu finden. Viel Persönliches hat Drahota bei ihrem Schaffen verarbeitet. Zukünftig möchte sie in ihrem Atelier gerne Filz-Seminare anbieten. „Aus etwas Weichem entsteht etwas Festes – das ist ganz anders als Malen“, erzählt die Künstlerin. Sie könne sich gut vorstellen, mit schwierigen Jugendlichen oder Traumapatienten zu arbeiten. „Filz zu bearbeiten ist sehr meditativ, man kommt dabei sehr zu sich.“

Daneben verfolgt Drahota mit ihrem „Taschenkind“ noch ein ganz anderes Motiv. Ihre Arbeit „Ein Stadtteil blüht auf“ hatte sie 2010 für die Bunte Nacht 2010 in St. Leonhard gestaltet. Zwischen Steinhaufen aus Filz bahnen sich rote Mohnblumen ihren Weg. Das Werk beinhaltet für Drahota eine große Symbolik: Aus grauem Stein entwächst etwas Farbenfrohes. „In Gostenhof passiert so viel in Sachen Kultur. Das wünsche ich mir auch für diesen, bisher noch grauen Stadtteil: Eine bunte Künstlerszene.“ www.taschenkind.de

 

KAI KAPPES

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