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Charmantes Märchen

Weihnachtsmusical „Norika“ im Heilig-Geist-Spital - 30.11.2014 19:00 Uhr

Im neuen Nürnberger Weihnachtsmusical „Norika“ geht es um den Goldring im Schönen Brunnen. „Zwetschgenmännla“ dürfen ebenso wenig fehlen, wie gütige Feen und Ballett-Elfen. © Foto: Hans von Draminski


Viele „Zugezogene“ und mancher alteingesessene Nürnberger hat wohl als Kind schon vor dem Schönen Brunnen gestanden, an dem goldfarbenen Wunschring im Gitter gedreht — und sich als Erwachsener gefragt, woher der metallene Glücksbringer eigentlich kommt.

„Norika“, geschrieben und inszeniert von dem Schauspieler, Pantomimen, Regisseur und Bühnenautor Werner Müller sowie dem Komponisten und Pianisten Andreas Rüsing, gibt darauf eine zauberische Antwort, charmant, augenzwinkernd und absolut familientauglich. Müller erzählt vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse und bedient sich dabei ebenso sinnreich wie ausgiebig jener Klischees, ohne die kein gutes Weihnachtsmärchen auskommt.

Da gibt es das Geschwisterpaar Lili (Sabrina Fleischmann) und Robbi (Jonathan Roller), zwei Kinder an der Schwelle zum Erwachsenwerden, die viel lieber mit ihren Freunden eine heiße X-Mas-Party feiern wollen, als mit ihrer Mutter (Karin Schubert) einen beschaulichen Heiligen Abend unter dem Christbaum zu verbringen.

Klar, dass das nicht gutgehen darf, sonst ergäbe es keine nervenzerfetzend spannende Geschichte. Die beiden aufmüpfigen Kids laufen auf ihrer Tour in die Nürnberger Unterwelt prompt dem Teufel höchstpersönlich über den Weg, der als beeindruckend dämonischer Dandy Kaspar (Tamas Mester) der „Herr aller Partys“ sein und die Kinder auf die Seite des Bösen ziehen will. Natürlich darf Kaspar dieses fiese Spiel nicht gewinnen — da ist schon die gute Fee Norika (Marina Esslinger) vor Ort, die den beiden Geschwistern einschärft, nicht Kaspars gefährlichem Wunschring zu verfallen, denn der bringe das Böse in die Welt.

Werner Müller arbeitet in diesem Zusammenhang mit sehr harten Bildern, bedient sich bedrückender Projektionen von Weltkriegsgräueln, die als düstere, verzerrte Visionen des tödlichen Stahlhagels auftauchen und wieder verschwinden. Wer sich hier an die apokalyptischen Bilder aus dem letzten Teil des „Herrn der Ringe“ erinnert fühlt, liegt richtig.

Sinistre Pläne

In der Hand der Fee befindet sich freilich auch das Gegengift zu dem todbringenden Satansring in Form des „Rings der selbstlosen Wünsche“. Um allerdings die sinistren Pläne des Teufels, dem Tamas Mester nachtschwarzen Humor verleiht, zu verhindern, muss das Geschwisterpaar zusammen mit einem lustigen Kinder-Quartett bis ins Mittelalter reisen. Dort gilt es, mit Hilfe des jungen Kunstschmiedes Hartmut (Thomas Bernardy) den richtigen Ring in den Schönen Brunnen einzuarbeiten und dadurch das in der Gegenwart drohende Unheil zu verhindern.

Eine wichtige Rolle spielen in Kaspars Plan die sieben Todsünden von der Trägheit bis zur Völlerei, mit denen die Guten auf die andere Seite gezogen werden sollen. Hier darf Karin Schubert erstaunliche Wandlungsfähigkeit zeigen und mal fettes Trägheitsmonster, mal laszives It-Girl in knappem Seidenkleidchen sein. Dass dieses Weihnachtsmusical nicht in eine disparate Vielzahl einzelner Bilder zerfällt, dass die Geschichte packend bis zum Schluss bleibt, ist ein sprechendes Beispiel für gelungene Teamarbeit: Werner Müllers konzise Regie bringt keine Schablonen, sondern lebende Menschen auf die Bühne; Andreas Rüsings Songs basieren zwar auf einem erweiterten Tonsystem, sind mithin Neue Musik mit Ecken und Kanten, können aber dennoch locker mitgesungen werden und bleiben lange im Ohr.

Der allergrößte Habenposten ist freilich das Ensemble, das mit viel Herzblut, starken Stimmen und professioneller Präzision agiert — und das Publikum mit auf eine Zeitreise der anrührenden Art nimmt. Bunt, aber nie beliebig.

Weitere Vorstellungen bis Dienstag, 6. Januar 2015. Infos und Link beziehungsweise Telefonnummer zur Kartenbestellung auf www.norika-musical.de Bilderschau auf nn-online.de 

HANS VON DRAMINSKI

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