Montag, 19.11.2018

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Das Beste aus der Dialektliteratur

Vier fränkische Autoren präsentieren das neue Buch "Made in Franken" - 17.04.2018 11:16 Uhr

Fränkischer Dialekt auf den Punkt gebracht: Ein Klassiker von Cartoonist Gerd Bauer, der im Vorjahr verstorben ist.


Die Anthologie vereint moderne Mundart-Gedichte, bei denen der Herkunftsvermerk "Made in Franken" als absolute Qualitätsgarantie gelten kann. Die beiden Herausgeber, Steffen Radlmaier und Norbert Treuheit, präsentieren eine außerordentlich vielfältige, vielgestaltige Sprachregion.  Eher beiläufig veranschaulicht werden überdies die formale und inhaltliche Entwicklung der Dialektlyrik seit den 1960er Jahren.

Die ältesten Texte in der Sammlung zeigen den langen Abschied der fränkischen Mundartdichter von einem romantisch-idealisierten Heimatbild und die literarische Ankunft im Alltag. Dass dabei der letzte Schritt in einigen Fällen etwas zögerlich ausgefallen ist, belegen beispielhaft manche Verse von Engelbert Bach (1929–1999). Dem aus Kitzingen stammenden Autor blieb es zeitlebens lieb und wert, wenn die "weite Welt" sich in seinem Alltag nur "weit genuch awag (weg)" bemerkbar machte. Der Unterfranke Gerd Bräutigam (1937–2014) ironisierte die eigenen Nostalgie-Anfälle: "Gestern hättmer schtarb söll. Da warschnu schöa" (Gestern hätte man sterben sollen. Da war es noch schöner).

Ein Höhepunkt der uneingeschränkt "engagierten" Mundart-Dichtung der 1970er Jahre war hingegen das Werk des Rothenburgers Wilhelm Staudacher (1928–1995). Mit dem Nürnberger Fitzgerald Kusz (Jahrgang 1944) und dem Bamberger Gerhard C. Krischker (Jahrgang 1947) hat Franken zwei wichtige Vertreter einer neuen, kritischen Mundartdichtung vorzuweisen, die in den 70er Jahren entstand.

Einen erneuten (bescheidenen) Aufschwung erlebte die Dialektliteratur zu Beginn des neuen Jahrtausends. Ein charmant-spielerisches Bildermalen mit den Klangfarben der im Nürnberger Umland gebräuchlichen Mundart demonstrieren zum Beispiel die Anthologie-Beiträge von Gerhard Falkner (Jahrgang 1951). Da erfährt der Leser etwa, dass die "Lo khale" (Lokale) hierzulande "wädds heißer", also Wirtshäuser, und die "wo khale" (Vokale) "a wends läis senn, auch wenn sie leise sind, "selbsd laude" (Selbstlaute) heißen.

Bei der Buchpräsentation im "Gutmann am Dutzendteich" treten vier bekannte Größen der Mundartszene auf: Günther Hießleitner, Helmut Haberkamm, Fitzgerald Kusz und Klaus Schamberger.

 

"Made in Franken: Best of Mundart". Anthologie. ars vivendi Verlag, Cadolzburg. 192 Seiten, 15 Euro.

 

  

BERND ZACHOW

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