Montag, 11.12. - 21:45 Uhr

|

Der King ist tot, es lebe der King! Furioses Konzert des Rock-Poeten Elvis Costello im Nürnberger Serenadenhof

30.06.2005

In Bestform: Elvis Costello bei seinem Auftritt im Serenadenhof. Foto: Stefan Hippel © -


Es stimmt eben doch: Der englische Sänger, Songwriter, Gitarrist und virtuose Tänzer auf allen Hochzeiten ist und bleibt der bekannteste Unbekannte des Musikgeschäfts. Darüber kann man deprimiert den Kopf schütteln. Oder sich freuen, dabei gewesen zu sein: Costello und seine „Imposters“ lieferten ein über zweistündiges, konzentriertes, hochenergetisches Set ab, das absolut keine Wünsche offen ließ.

Höchste Präsenz

Los geht‘s mit dem dröhnenden „Tear off your own head“, gleich gefolgt von „Uncomplicated“, getrieben von Pete Thomas‘ hämmernden Beat. Keine Frage, dass ist nicht der sophisticated Kammermusik-Costello, das ist der Rock‘n‘Roll-Elvis. Die „Imposters“ — bis auf Bassist Dave Faragher besetzungsgleich mit den alten „Attractions“ — spielen schnörkellos druckvoll und mit höchster Präsenz, allein Keyboarder Steve Nieve holt die verrücktesten (aber immer passenden) Sounds aus seinen Gerätschaften. Elvis selbst ist in seinem dunklen Anzug cooler als Travolta, gibt der Gitarre Saures ohne mit der Wimper zu zucken und spuckt seine kehligen Wortausbrüche scheinbar ohne jede Antrengung ins Publikum. Was für eine Stimme: Blutend, wütend, sarkastisch, zärtlich, verletzt, verletzend, furchtlos und alles durchdringend.

Das Repertoire umfasst einen Großteil des aktuellen „Delivery Man“-Albums plus einen wilden Ritt durch sein gesamtes Schaffen: Vibrierende Balladen wie „Our little Angel“, „Toledo“ oder „Still“, alte Klopfer wie „Watching The Detectives“, „Oliver‘s Army“ oder „Pump It Up“, Überraschendes wie „Clubland“ oder „Hurry Down Doomsday“. Der lange, enthusiastisch geforderte Zugabenteil endet mit dem wunderschönen „Allison“, welches auf einmal in Presleys „Suspicious Minds“ mündet. Typische Costello-Ironie: Elvis singt Elvis. Dann noch ein zu Tränen rührendes „Scarlett Tide“ und der Traum ist — nach 28 Songs — vorbei. Erzählt uns nichts — wir haben den King gesehen. PETER

GRUNER

Aktuelle CD: Elvis Costello & The Imposters, „The Delivery Man“ (Lost Highway)

Aktuelle DVD: Elvis Costello & Zhe Imposters, „Club Date live in Memphis“ (Eagle Vision) 

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus dem Ressort: Kultur