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"Die beste aller Welten": Eine Kindheit zwischen Liebe und Not

Adrian Goigingers großartiges Drama ist eine Hommage an seine eigene Mutter - 28.09.2017 08:33 Uhr

Erleben unbeschwerte und düstere Momente: Die drogensüchtige Helga (Verena Altenberger) und ihr Sohn Adrian (Jeremy Miliker). © Foto: Filmperlen


Für den siebenjährigen Adrian (Jeremy Miliker) ist die Umgebung in der er aufwächst "Die Beste aller Welten". Er, seine Mutter Helga (Verena Altenberger) und Stiefvater Günter (Lukas Miko) sind viel draußen am Fluss und erleben Abenteuer in der Natur. Aber auch zu Hause wird es nie langweilig. Dafür sorgen die Freunde von Mama, die immer für komische Ideen gut sind. Vor allem, wenn sie viel geraucht, getrunken und sich zu geheimnisvollen anderen Tätigkeiten ins Nebenzimmer zurückgezogen haben.

Denn Helgas Wohnung ist in den späten 90er Jahren ein Treff der Salzburger Drogenszene. Aufgeräumt wird nur, wenn das Sozialamt vor der Tür steht. Ansonsten weht stets dichter Zigarettenqualm über den Bierdosen. Aber Helga, die ihren Sohn von Herzen liebt, gibt sich alle erdenkliche Mühe, dem Buben trotz ihrer Sucht ein möglichst schönes Leben zu bereiten. Mit fantastischen Erklärungen macht sie ihm ihre Welt verständlich.

Natürlich spürt Adrian, dass hier etwas nicht stimmt. Im Rausch kommen auch die dunklen Seiten der Freunde der Mutter zum Vorschein. In seiner Fantasie zieht der Junge gegen diese "Dämonen" in den Kampf – als Krieger mit Schwert und Bogen. Doch irgendwann lässt sich die Wirklichkeit nicht mehr aufhalten . . .

Der Film ist eine emotionale Achterbahnfahrt: Die Geschichte einer starken Mutter-Kind-Beziehung, druckvoll inszeniert, sowie überzeugend und einfühlsam dargestellt von Jeremy Miliker und Verena Altenberger. Der Film fällt kein Urteil über die Personen, sondern bringt den Zuschauer nah an ihre Lebenswelt heran und lässt uns bis zum Schluss hoffen, dass ihnen der Ausbruch gelingen wird.

Schon als Debüt-Film eines jungen Regisseurs ist "Die beste aller Welten" erstaunlich. Doch dem 26-jährigen Salzburger Adrian Goiginger gelingt hier noch mehr: Er erzählt eine wahre Geschichte – seine eigene. Und setzt damit seiner 2012 verstorbenen Mutter ein Denkmal. Dabei gelingt ihm stets die richtige Mischung aus Nähe und Distanz zu den Figuren, zwischen den düsteren und den unbeschwerten Momenten dieser Kindheit, die beide jederzeit in ihr Gegenteil umkippen können. Eine Meisterleistung. (A/D/103 Min.) 

Peter Romir

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