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Die schwarzen Helden der Lüfte

Verharmlosend: „Red Tails“ erzählt von der Diskriminierung farbiger US-Kampfpiloten - 15.11.2012

„Red Tails“ entführt uns in eine Zeit, als die völlig unverhüllte Diskriminierung Schwarzer noch traurige Normalität in den USA war. Italien 1944: Da Schwarze als dumm und feige gelten, müssen die Kampfpiloten einer afro-amerikanischen US-Einheit schon froh sein, wenigstens zweitklassige Einsätze gegen den deutschen Gegner fliegen zu dürfen.

Selbst damit soll es nach dem Willen hoher Militärs bald vorbei sein. Doch überraschend erreicht Colonel A.J. Bullard (Terrence Howard), dass die auf wichtige Einsätze brennenden Piloten eine Chance bekommen: Sie sollen einen Bomberverband schützen, wofür sie auch neue Flugzeuge mit rot angestrichenen Heckflügeln, eben „red tails“, erhalten. Der Auftrag wird mit großem Erfolg ausgeführt. Dies eröffnet den Soldaten neue Chancen, die allerdings auch hohe Risiken bergen...

Die Luftgefechte wurden mit aufwendiger Computertechnik mitreißend in Szene gesetzt. Regisseur Anthony Hemingway führte bislang nur im TV-Bereich Regie. Dabei drehte er immerhin auch zwei Folgen der gelungenen, um große Realitätsnähe bemühten Polizei-Serie „The Wire“.

Von Realitätsnähe ist bei „Red Tails“ leider wenig zu spüren, auch wenn die Handlung auf Tatsachen beruhen soll. Krieg wird als Abenteuer für harte Männer dargestellt, auf eine heldenhafte Bewährungsprobe reduziert. Der Streifen wirkt dabei wie eine zeitkritisch gefärbte Variante des berüchtigten spielfilmlangen Army-Werbespots „Top Gun“. Natürlich stirbt bei „Red Tails“ auch mal jemand auf der US-Seite, aber das ist dann eben ein grandioser Heldentod.

Da war Hollywood bei Filmen wie „Saving Private Ryan“ oder „Black Hawk Down“ weiter. Sie wiesen zwar ebenfalls fragwürdige Tendenzen auf, zeigten aber Brutalität und Leid eines Krieges. „Wann begreifst du endlich, dass das kein Spiel ist?“, fragt einer der Piloten einen besonders tollkühnen Kollegen. Eine Frage, die man auch mal dem Regisseur und den Produzenten dieses Werkes stellen sollte. (USA/125 Min.; Cinecittà, Nbg.)
  

CHR. SCHULZE KALTHOFF

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