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Die ungestillte Neugier des Klaus Kusenberg

15 Jahre Schauspieldirektor - 28.09.2015 20:25 Uhr

Seit 2000 in Nürnberg: Klaus Kusenberg, hier mit Ehefrau Meike. © Foto: Johnston


An sein Ziel bei Amtsantritt kann er sich noch erinnern: „Wenn ich hier aufhöre, dann ist es ein anderes Theater!“ So der bilderstürmerische Vorsatz, als Klaus Kusenberg im Jahr 2000 von Karlsruhe nach Nürnberg kam und die Direktion des Schauspielhauses übernahm. Heute schmunzelt er darüber.

Rein äußerlich hat er das Ziel schon vor fünf Jahren erreicht: 2010, als das in die Jahre gekommene Theatergebäude – saniert und rundum modern gestaltet – neu eröffnen durfte. Die leicht kühle, lichte, gläserne Fassade steht aber auch für das Innere: für das klare Programm des Hauses, eine Politik der ruhigen Hand und der geistigen Offenheit.

„Nürnberg war damals überregional völlig ausgeblendet“, sagt Kusenberg – und ist zurecht stolz, dass sich das geändert hat. „Es hat sich in diesen Jahren so unglaublich viel getan – bei uns und in der gesamten Theaterlandschaft . . . Unser Haus hat heute sowohl national als auch international ein neues Renomee.“

Kusenberg verweist auf Auszeichnungen in Heidelberg, auf das jüngst nach Nürnberg geholte Dramenfestival „Talking about Borders“, auf das China-Gastspiel, von dem das Ensemble aus dem „Tod eines Handlungsreisenden“ erst letzte Woche wieder zurückkam. Da kann man kaum widersprechen.

Der Erfolg bestärkt ihn in seinem Ansinnen: „Wir haben von Anfang an konsequent auf neue Stücke gesetzt, auf neue Regisseure . . . Und das ohne jeden Publikumseinbruch. Im Gegenteil. Die Nürnberger sind mitgegangen. Und das soll auch so bleiben.“

Unter Kusenbergs ebenso neugieriger wie nachhaltig denkender Führung ist das Nürnberger Theater am Puls der Zeit angekommen – ohne sich modisch geben zu müssen. Es bietet für jeden etwas. Die perfekte Abendunterhaltung, mit Musik („Rocky Horror Show“) oder ohne („Der Gott des Gemetzels“), die künstlerische Provokation (wie einen nacktjoggenden „Woyzeck“), den Überblick über die großen Klassiker wie gerade angesagte Werke und Autoren. Elfriede Jelinek, Sibylle Berg, Wolfram Lotz – man sieht sie zum Glück auch auf Nürnbergs Bühnen.

„In den letzten zwei Jahren haben wir den Kurs noch mal forciert, haben bewusst neue Regiehandschriften ans Haus geholt.“ Die Toleranz zeichnet Kusenberg aus. Hier also ein Sascha Hawemann – und dort die Säule der Tradition. Wie in der englischen Komödie „Alle lieben George“, die jetzt sogar ins große Haus zieht. „Auch das müssen wir pflegen.“

Wenn Kusenberg von seinem „Kerngeschäft“ spricht, meint er nicht Finanzen und Bilanzen, sondern Menschen. „Im Theater geht es um die Arbeit mit Schauspielern, um Spiel und Fantasie. Das Grundfaszinosum ist für mich geblieben: Jemand tritt auf die Bühne – und ist jemand anders. Man kann vieles weglassen, aber das wird immer funktionieren.“

Man muss nicht konservativ sein, um wie Kusenberg mit Sorge auf Trends zu blicken, die aus der Hauptstadt kommen, aber das „Zentrum des Theaters“ verfehlen: Event-Kultur, die – Hauptsache schick oder auch schäbig – am liebsten Museen bespielt oder als Performance in den öffentlichen Raum mäandert. Theater, das „zeitlos relevant“ ist, sieht für Kusenberg anders aus. Man wird es ihm danken. 

Wolf Ebersberger

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