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Gefangen in traumatischen Erinnerungen

Psychoterror in Kuwait: "Black Box 149" hatte am Staatstheater Nürnberg Premiere - 21.03.2017 06:00 Uhr

Heimo Essl als traumatisierter Pilot (links) mit Gastschauspieler Sohel Altan Gol in einer Szene aus „Black Box 149“. © Foto: Bührle


Im kollektiven Gedächtnis hat sich der schicksalhafte Linienflug BA 149 nicht nachhaltig eingebrannt. Als eine Art Kollateralschaden ging er in den Wirren des zweiten Golfkriegs unter. Und bis heute ist nicht restlos aufgeklärt, warum der Flug aus London, der von Kuwait aus nach Madras starten sollte, nicht rechtzeitig annulliert wurde. Die Iraker nahmen Piloten, Crew und Fluggäste als Geiseln. Die Reisenden wurden misshandelt, gefoltert und als menschliche Schutzschilde missbraucht. Hat British Airways als einzige westliche Fluggesellschaft die Bedrohung unterschätzt? War es politisches Kalkül, war tatsächlich eine Spezialeinheit an Bord, die Maschine ein Trojanisches Pferd? Hat die britische Regierung das Leben von Passagieren und Besatzung wissentlich aufs Spiel gesetzt?

Was ist wahr, was falsch? Ein bisschen erinnert die Geschichte an die "alternativen Fakten", die derzeit gern aus den USA lanciert werden. Die Dramatikerin Rosemary Johns hat gründlich recherchiert und den Fall für ihr Zwei-Personen-Drama "Black Box 149" klug mit Fiktion angereichert. Sie erzählt ihn als dichten Psychothriller aus der Sicht des Piloten, der seine bruchstückhaften, traumatischen Erinnerungen auf Video aufzeichnet — als Vermächtnis an seine Tochter.

Es dauert nicht nur beim Lesen des Textes, sondern auch bei dessen szenischer Umsetzung als europäische Erstaufführung in der Bluebox eine Weile, bis man als Zuschauer Ort, Zeit und Umstände sortiert hat. Was einerseits an der von der Autorin gewählten Einstiegsszene liegt, aber auch schlicht daran, dass Heimo Essl, der den Piloten ansonsten großartig spielt, zu Beginn akustisch nicht überall im Raum optimal zu verstehen ist.

Doch die anfänglichen Verständnis-Hürden sind schnell vergessen, wenn das Stück Fahrt aufnimmt und seine Vielschichtigkeit offenbart. Unter der präzisen Regie von Christian Papke verkörpert Heimo Essl diesen in seiner "Seelen-Blackbox" gefangenen Mann in allen physischen und psychischen Facetten. Wut, Verzweiflung, Verantwortungsgefühl und Heldenmut, Todesangst, Zärtlichkeit, Erschöpfung und auch Witz — all das packt er hinein in seine Figur.

 

Weitere Termine: 22., 30. März und 3., 23. April ; Kartentelefon: 09 11/2 16 27 77

 

BIRGIT NÜCHTERLEIN

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