12°

Samstag, 22.09.2018

|

Gestochen scharfe Bilder aus Mittelerde

Peter Jacksons „Hobbit“-Verfilmung bietet monumentales Fantasy-Kino und leistet technische Pionierarbeit - 12.12.2012 12:00 Uhr

Wird bei der Rückeroberung von Erebor zum Abenteurer wider Wilen: Bilbo Beutlin (Martin Freeman) in „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“. © Warner


„Der kleine Hobbit“ hat eine lange Reise hinter sich. Vermutlich bereits in den 1920er Jahren, schrieb J.R.R. Tolkien den ersten Satz des Kinderbuchs auf ein leeres Blatt – und damit auch den Auftakt der Vorgeschichte seines späteren Fantasy-Epos’ „Der Herr der Ringe“.

Seitdem sind einige Versuche gescheitert, den in mehr als 50 Sprachen übersetzten Roman um den großfüßigen Auenlandbewohner ins Kino zu bringen. Auch bei „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ gab es etliche Komplikationen, finanzielle Schwierigkeiten, und irgendwann stieg der spanische Kinophantast Guillermo del Toro als Regisseur aus. So landete der Stoff doch bei Peter Jackson, der eigentlich nur am Drehbuch mitschreiben und produzieren wollte – und damit bei dem Mann, der nach seiner mit 17 Oscars gekrönten „Herr der Ringe“-Trilogie im Filmbusiness wohl der größte Fachmann für Orks, Elben, langhaarige Schwertkämpfer, den Gollum und das ganze Mittelerde-Fantasy-Universum sein dürfte.

Nachdem der Film zu Beginn kurz den „Herr der Ringe“-Kosmos streift und Elijah Wood als Frodo lächelnd durch das Bild trottet, wird die Geschichte zur Erinnerung Bilbo Beutlins. Der alte Hobbit schreibt ein 60 Jahre zurückliegendes Abenteuer auf, bei dem es sich um die Vorgeschichte zu Frodos späterer Ring-Odyssee handelt. Ein Prolog erklärt, wie das Zwergenvolk einst aus dem Reich Erebor vertrieben wurde und seinen Goldschatz dem Drachen Smaug überlassen musste. Danach erst fädelt Jackson die eigentliche Mission ein, bei der Beutlin als Abenteurer wider Willen rekrutiert wird: Zauberer Gandalf und 13 Zwerge drängen ihn, mit loszuziehen, um Erebor zurückzuerobern.

Zwar gibt es mit dem vortrefflich besetzten Martin Freeman ein ganz neues Heldengesicht in einer ganz anderen Geschichte. Den Mittelerde-Kosmos musste Jackson jedoch nicht von Grund auf neu entwerfen. Vieles auf dieser Reise wirkt vertraut. Es gibt natürlich Querverweise auf „Der Herr der Ringe“ und manch bekanntes Gesicht taucht auf – von Ian McKellen als Gandalf bis zu Cate Blanchetts Elbenherrscherin Galadriel. Technisch allerdings hat sich das Kino noch einmal deutlich weiter entwickelt, und das macht „Der Hobbit“ auf so beeindruckende wie gewöhnungsbedürftige Weise deutlich.

Revolutionäre Optik

Jackson leistet auch filmtechnische Pionierarbeit: In einigen Kinos (auch im Nürnberger Cinecittà) wird eine Filmversion gezeigt, die mit 48 Bildern pro Sekunde abläuft – also doppelt so vielen wie üblich. Das sorgt für eine ungeheuer scharfe Optik die ihren Reiz bei der Flut von Details, feinen Animationen und plastischen 3D- Eindrücken hat. In ihrer Schärfe wirken die Bilder aber auch immer etwas artifiziell und erinnern bisweilen gar an die Ästhetik eines Videospiels.

Das passt aber wiederum zu den Gut-gegen-Böse-Ereignissen auf der Leinwand. Der Hobbit und die Zwerge rennen, springen, stürzen und kämpfen sich tapfer durch die erhaben schönen Landschaften, die man wieder in Neuseeland fand. Es kommt zu Begegnungen mit unterbelichteten Trollen, Scharen an Orks und mächtigen Steinkolossen. Bilbo trifft folgenreich auf den getriebenen Gollum, der Showdown mit dem bleichen Ork-Widersacher Azog führt das Grüppchen sprichwörtlich an den Abgrund.

Eigentlich war „Der Hobbit“ als Zweiteiler vorgesehen. Doch dann verkündete Jackson, den schmalen Roman zur Trilogie zu machen. Das ist ziemlich viel Film auf überschaubarer literarischer Grundlage. Tatsächlich zieht sich „Der Hobbit“ zunächst über ein paar Längen, wobei unklar bleibt, ob das an der detailverliebten Werktreue oder dem lukrativen Ausbau zur Trilogie liegt. Irgendwann nimmt das Abenteuer aber doch richtig Fahrt auf. Dabei gelingt es Jackson, jene erhoffte Monumentalfantasy zu kreieren, die mit mächtigem Effektaufwand und mitreißenden Schlachten unzähliger spinnerter, liebenswürdiger, garstiger Gestalten fasziniert.

„Das Schlimmste liegt hinter uns“, sagt Bilbo zum Schluss ahnungslos. Mit dem letzten Bild des Films unterstreicht Jackson aber die Gewissheit, dass das natürlich nicht der Fall ist – und hat nach diesem Auftakt erreicht, dass man Bilbo weiter auf seiner Reise folgen will.

  

SASCHA RETTIG

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Kultur