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„Giraffada“: Tierisches Abenteuer im Westjordanland

Mäßig origineller Beitrag zum Nahost-Konflikt - 28.05.2015 19:31 Uhr

Der kleine Ziad liebt sein Giraffenweibchen über alles. © Foto: Zorro


Genauer gesagt ist es ein Giraffenbulle, den das schwangere Weibchen auf der palästinensischen Seite der Grenzmauer in Qalqilya nötig hat, um von ihrer depressiven Futterverweigerung loszukommen. Für Yacine (Saleh Bakri), den Tierarzt des mittellosen Zoos, steht zudem die Zuneigung seines zehnjährigen Sohnes Ziad (Ahmad Bayatra) auf dem Spiel, der vernarrt war in „sein“ Giraffenpaar, und der nun, nach einem israelischen Luftangriff, um den dabei getöteten Bullen trauert und buchstäblich jeden dafür hasst. Ein Giraffenmann muss her, und zwar über die allgegenwärtige, hoch zubetonierte Grenze, die durchaus etwas von dem biblischen Nadelöhr hat, durch das kein Kamel passt.

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Anders als Sylvain Estibal in seiner Komödie „Das Schwein von Gaza“ dient dem Kino-Anfänger Rani Massalha die selbstverfasste Giraffengeschichte, basierend auf einer wahren Begebenheit, nicht zur humoristischen Problembewältigung in hoffnungsloser Lage. Es geht vielmehr trist und realistisch zu im Zoo von Qalqilya (aus Organisationsgründen wurde in Nablus gedreht), wo eine beeindruckende Besatzungsatmosphäre ins Bild gesetzt wird. Eine französische Journalistin gesellt sich schließlich zu Vater und Sohn, vorauf die drei Giraffenverschwörer erst einmal einzeln und ausführlich die lebensgefährliche Bosheit und Dummheit der israelischen Grenzsoldaten zu spüren bekommen. Der Giraffenschmuggel geht dann dank eines befreundeten Zooarztes auf der israelischen Seite fast problemlos vonstatten.

Deutlich überfordert, verschenkt Regisseur Massalha, der sich anfangs nur um die Produktion kümmern wollte, ein ums andere Mal tolle Gelegenheiten, seiner Story dramatische Dynamik zu verleihen. Allzu oft klebt die Kamera an bedrückt dreinschauenden Gesichtern, vorzugsweise an dem des kleinen Ziad, dessen (Laien-)Darsteller Ahmad Bayatra enervierend altklug vor sich hin grübelt. Dessen Papa muss dann auch nach geglückter Zootierzusammenführung ins Gefängnis. Statt Happy End ein Märtyrer für die Giraffe. (F/D/I/Palästina/80 Min.; Casablanca, Nürnberg) 

MICHAEL WUNDERLICH

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