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In Dirndl und Lederhosen um die Welt

Gut im Geschäft: Nürnberger Band "Freshalpin" spielt auf "Oktoberfesten" von Shanghai bis Las Vegas - 23.08.2017 11:10 Uhr

Nürnberger Export in Tracht: Die Grupppe „Freshalpin“ tritt mit Schlagern und Volksmusik auf. Rechts Bandleader Ray Werner. © Foto: PR


Ray Werner kommt viel herum. Kürzlich spielte er in Abu Dhabi, nun sind die Koffer schon gepackt für Shanghai. Werner ist Bandleader der Gruppe "Freshalpin", die eine ganz besondere Marktlücke entdeckt hat: Sie spielt Schlager und Volksmusik in "Hofbräuhaus"-Imitaten in der ganzen Welt. "Lederhosen-Zeug", sagt Werner dazu.

Und das sind keine kleinen Gigs: Jetzt in China stehen zehn Riesenauftritte an. "Überall auf der Welt gibt es Oktoberfeste und alle wollen bayerische Trachten sehen und "Atemlos" hören." Das liefert Ray Werner mit seiner Band aber auch gerne. Dabei ist er im Grunde gar kein Schlagerfan: "Ich bin im Herzen ein Rocker und war auch lange in der Coverrock-Szene in Bierzelten unterwegs. Doch 2008 bekamen wir das Angebot, nach Las Vegas zu gehen. Das Problem war nur: Lederhosen und Trachtenhemd waren Pflicht, da sie in dem Lokal das Hofbräuhaus nachgebaut haben. Zuerst sagte ich: Nie im Leben!"

Doch es brauchte nicht lange, den Stones-Fan zum Kufstein-Lied zu überreden: "Musik ist ja vor allem ein Business. Auch die Stones spielen das, was das Publikum will. Und wenn man es genau sieht, haben die Rocker ja auch eine Uniform: Zerrissene Jeans und Lederjacke."

Also machte er Fitnesstraining, um seine Waden in Form zu bringen und baute die Band um: "Wir waren fünf Männer. Das geht gar nicht. Gerade in Asien will das Publikum junge Mädels in Dirndl sehen. Die Optik ist bei so einer Show sehr wichtig." Dennoch suchte er nach Musikerinnen mit Talent und Können: "Eine ist klassische Pianistin, eine andere ausgebildete Jazz-Sängerin. Aber in den Branchen verdient man ja nichts", so Werner.

Die Anforderungen auf der Bühne sind hart: Fünf Stunden Musik am Tag, vier Wochen lang, kein Tag Pause: "Aber das Flair macht es wieder wett! Wir stehen auf Riesenbühnen in Top-Hotels, wo sonst Acts wie Rihanna auftreten und werden fürstlich umsorgt."

Egal ob in Dubai oder Las Vegas, das Publikum ist immer bunt gemischt. "Es kommen Einheimische und Touristen, aber auch viele Deutsche, die vor Ort endlich mal gutes Bier trinken wollen." Denn typisch für die Oktoberfest-Klone ist, dass es Importe aus Deutschland zu trinken gibt – zu entsprechenden Preisen: "In Abu Dhabi kostet die Maß 21 Euro. Da langen sogar manche Moslems zu", erzählt Ray Werner. "Ich hab mal einen gefragt, wie sich das mit der Religion verträgt. Er sagte: "Bei Nacht sieht das Allah nicht!".

Und vermisst er den Rock? "Ich vermiss gar nix! Meine Musik kann ich in Nürnberg spielen. Das Reisen und die Show musst du lieben in diesem Job. Das Publikum merkt das sonst. Und wenn du vor ein paar tausend Leuten spielst, die voll abgehen, reißt es dich auch mit." Einen Vorteil hat die Lederhosen-Musik auch: "Ich muss mir nie wieder überlegen, was ich am Abend auf der Bühne anziehe!" 

PETER ROMIR

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