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Freitag, 14.12.2018

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Keineswegs konservativ

Nürnberger Privatmusikverein feierte 150-jähriges Bestehen - 22.10.2012

Saxophonist, Komponist und Jazz-Dozent an der Musikhochschule: Steffen Schorn. © Freundorfer


Mit dem Nürnberger „Ensemble Kontraste“ hatte man sich zur Eröffnung der Jubiläumsspielzeit Abwechslung pur eingeladen. Eine Konzerthälfte lang gab es einen Streifzug durch Nürnbergs Musikgeschichte, und der alte PMV probierte neue Konzertformate aus — mit ausführlicher Moderation durch den gut informierten früheren Opernhaus-Dramaturgen Uwe Sommer, mit kurzweiligen Kostproben statt vollständigen Sonaten und mit einer Uraufführung.

„Rotations“ nennt der 45-jährige Steffen Schorn sein Stück für Kammerensemble, lässt es leise und langsam beginnen und tastet sich mit seinen elf Musikern in eine lichte, bläserdominierte Klangwelt vor. Dann aber macht der Jazz-Professor der Musikhochschule, Spezialist des „German Jazz“ und der exotischen Klänge, ordentlich Dampf und testet, was seine minimalistischen Motivwiederholungen alles hergeben können.

An Arthur Honegger mag da der Hörer denken, natürlich an Philip Glass, Schorn denkt auftragsgemäß an den großen Nürnberger Pachelbel — bis aus dem kakophonen Klangballon nach knapp zehn Minuten langsam die Luft entweicht. Das hat mit seiner überschaubaren Konsequenz dem zwar im Alter fortgeschrittenen, aber keineswegs konservativen PMV-Publikum bestens gefallen.

Vorher war der Duft der großen weiten Musikwelt vergangener Zeiten durch das Nürnberg-Programm gezogen. Mit dem schwedischen Johan Agrell von St. Sebald und seinem flinken Flötenkonzert, mit dem Nürnberger Johann Christoph Vogel und seiner Erfolgsstory neben Gluck in Paris: hübsche Hausmusik mit der zupackenden Geigerin Dania Lemp und Christof Baumbuschs redseligem Fagott im Gassenhauerthema.

Anton Ferdinand Titz und Carl Franz Andreas Rorich waren die anderen Franken, erfolgreich am Zarenhof beziehungsweise an der Nürnberger Musikschule. Da hätte die Musik des „menschlichen Permafrosts“ Titz (so Moderator Uwe Sommer) ruhig mehr Hitze vertragen.

Die eher tragische Note inmitten dieser Lustbarkeiten: ein Satz des Forchheimers Franz Hofmann aus den Kriegsjahren 1943/44 - „Musik als Lebenshilfe“, die noch an das Schöne, Wahre und Gute glaubte.

Zu seinem Kerngeschäft kehrte der PMV in seinem Überlängen-Jubiläumskonzert mit der Serenade op. 11 von Brahms zurück: Geburtstagsständchen für das non-profit- und pro-arte-Unternehmen. Das Ensemble Kontraste betonte mit spürbarer Lust und passend derben Nuancen den ländlich-naturnahen Zug der neuen Nonett-Fassung.


  

UWE MITSCHING

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