Montag, 10.12.2018

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"Made for us II": Jubel für Nürnbergs Ballett

Poetisch und witzig: Zwei Uraufführungen am Staatstheater - 25.06.2017 16:54 Uhr

Pas de deux mit dem Tod: Szene aus "Where have all the flowers gone" von Jeroen Verbruggen. © Bettina Stöß


Es tut ganz gut, wenn mal nicht der Chef persönlich inszeniert und choreografiert. Dass das brillante Tanzensemble des Nürnberger Staatstheaters noch mehr kann als opulente Bild-Erzählungen (wie sie Goyo Montero bevorzugt), zeigen die beiden neuen Choreografien, die Bubenicek und Verbruggen ihm auf die grazilen und athletischen Leiber geschneidert haben.

Der Tscheche widmet sich ganz dem Jazz, zu Swing- und anderen Standards, aber auch Titeln aus Filmen wie "There will be Blood" zeigt er in "Chapeau" kurze Szenen, die die vergebliche Suche nach einem Ruhepol zeigen: Paare finden und verlieren sich, kommt Gleichklang auf, kreuzt schnell einer dazwischen. Und immer wieder spielen Hüte eine Rolle. Im schön-schlichten Bühnenbild von Nadina Cojocaru (die auch die wunderbaren Kostüme entworfen hat) findet ein stetiger Wechsel statt, Solos gehen fließend in Ensemble-Szenen über, mit hohem Tempo zeigen die Tänzer das Unstetige, Ungewisse jeder Suche nach Konstanz.

"Chapeau" nennt Jiri Bubenicek seine Jazz-Choreographie. © Bettina Stöß


Jeroen Verbrugge beginnt dagegen düster-ergreifend mit Mahlers 9. Sinfonie und einem granzilen Tod, der sich die Opfer wie eine Spinne auf Spitzenschuhen holt. Die Menschen rüsten sich dagegen mit dicken Schuhen und Radhelmen, heftiger Gegenwehr zu Technobeats und schließlich einem Reigen mit ironischem Hüftschwung, während Marlene Dietrich fragt "Where have all the flowers gone?" Mit Energie und Rhythmus gegen Gewalt und Terror. Am Ende krachen die Blumentöpfe von der Decke. Großer Jubel für beide Stücke und das Ensemble. 

erl

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