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Musik muss von Herzen kommen

Das neue Soul-Projekt „Voodoo Princess“ pflegt den Sound der Sixties - 04.09.2014 12:00 Uhr

Die Sängerin Melanie Brüggemann aus Fürth und der Berliner Produzent Thomas Nehrenberg stecken hinter dem Musikprojekt „Voodoo Princess“. Foto: PR


Wer das Album „Shaken Not Stirred“ zum ersten Mal hört, fühlt sich wie mit einer Zeitmaschine in die 50er und 60er Jahre zurückversetzt. Geschüttelt, nicht gerührt, wie bei James Bond. Also ins vordigitale Zeitalter, als in den Tonstudios statt Computern noch analoge Aufnahmegeräte standen. Der wunderbare Retro-Sound kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das außergewöhnliche Duo „Voodoo Princess“ stilsicher auf der Höhe der Zeit bewegt.

„Wir sind zu zweit, wir leben in verschiedenen Städten und müssen daher selbstverständlich genau dieselbe Technologie verwenden wie jeder heutzutage“, sagt Thomas Nehrenberg. Kennengelernt haben sich die Sängerin Melanie Brüggemann aus Fürth und der Berliner Produzent per Zufall. Aber auf Anhieb stellten sie ihre Geistesverwandschaft fest: Beide hatten ihre musikalischen Schlüsselerlebnisse mit den Beatles und klassischem Soul. Da hatten sich zwei gefunden, die aus ihrer Musik-Leidenschaft gemeinsame Sache machen wollten.

Zwischen Fürth und Berlin

Melanie Brüggemann, bisher ein unbeschriebenes Blatt, schrieb daheim in Fürth die Songs, Thomas Nehrenberg produzierte in Berlin im Alleingang die Playbacks und spielte dabei alle Instrumente selbst. Und am Ende wurde der Gesang in Nürnberg aufgenommen. Das Ergebnis klingt erstaunlicherweise nicht wie ein Studio-Projekt, sondern organisch und wie aus einem Guss, als hätte man eine zu Unrecht vergessene Langspielplatte mit Sixties Soul neu entdeckt.

Die 30-jährige Fürtherin mit der schwarzen Stimme erklärt: „Eine meiner Lieblingssängerinnen, Billie Holiday, sagte einmal sinngemäß: Wenn ich klinge, wie irgendjemand anders, kann ich mir das Singen gleich sparen. Das ist eine klare Kampfansage gegen den Einheitsbrei.“ So verstanden ist ihre Musik keine Kopie, sondern eine Hommage an ihre Idole wie Billie Holiday, Etta James, Ray Charles oder Diana Ross & The Supremes. Musik, die nicht aus Kalkül, sondern mit viel Herzblut geschrieben ist. Musik, die auch sehr gut zum gegenwärtigen Soul-Revival à la Amy Winehouse passt.

Dass ausgerechnet diese Old-
School-Music nicht als Schallplatte oder CD, sondern nur in digitaler Form als Download oder Stream erhältlich ist, gehört zum Konzept. „Wir haben uns bewusst für diesen Vertriebsweg und gegen eine Plattenfirma entschieden, denn wir wollen keine Kompromisse eingehen“, sagt Nehrenberg und gibt zu, dass dies auch eine Trotzhaltung ist: „,Voodoo Princess’ gegen den Rest der Musikwelt.

Im Moment geht die Rechnung noch nicht auf, doch ist der Produzent und Arrangeur, der auch das Marketing selbst macht, guter Dinge, dass er mit der Zeit das richtige Zielpublikum in aller Welt finden wird. „Man braucht einfach ein bisschen Geduld. Wir wollen nicht unbedingt reich werden, sind aber überzeugt von unserer Musik“, so Nehrenberg. „Glücklicherweise reichen uns die zwölf Töne, die bereits seit Jahrhunderten exzellent funktionieren, völlig aus, um uns nicht zu langweilen. Und wir haben gelernt, dass wir uns mit den Sounds unserer Helden sehr wohl fühlen.“

Bis jetzt handelt es sich um ein reines Studio-Projekt, doch wenn alles gut geht, kann man „Voodoo Princess“ spätestens in einem Jahr auch live auf der Bühne erleben. Man darf gespannt sein! „Voodoo Princess“ ist jedenfalls ein Grund, sich endlich mal an einen Musik-Download im Internet zu wagen.

Aktuelles Album: Voodoo Princess, „Shaken Not Stirred“.

Infos: www.voodooprincess.de 

STEFFEN RADLMAIER

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