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Nachruf: Vor einem Jahr starb der große Prince

Bodyguard über den Musiker: "Er war für alle ein Mysterium" - 21.04.2017 09:52 Uhr

Am 21. April 2016 starb Prince auf seinem Anwesen in Chanhassen, Minnesota, an einer versehentlichen Überdosis des Schmerzmittels Fentanyl. © dpa


Was von Prince noch übrig ist, wird gleich doppelt von den weißen Mauern Paisley Parks geschützt. Ein Miniaturmodell des Anwesens, geschmückt mit dem lilafarbenen Symbol, das der Sänger eine Zeit lang als Pseudonym verwendete, steht in einem Kasten aus mattem Glas hoch an der Wand über dem Atrium des Gebäudes. Darin wird seine Asche aufbewahrt. Durch die Oberlichter schimmert die trübe Sonne Minnesotas in den Raum, der plüschige Teppich ist mit Sonnen, Monden und Sternen verziert, die Wände mit hellblauem Himmel und weißen Wolken bemalt. Auf der Galerie im ersten Stock sitzen weiße Tauben in Volieren.

"Prince hat in diesem Raum viel Zeit verbracht und sich hier sehr wohlgefühlt", sagt Mitch, der eine Gruppe Besucher durch das Anwesen führt. "Also fühlte seine Familie, dass dies ein guter Platz für seine Urne wäre." Mitch deutet auf zwei Beistelltischchen mit Taschentuchschachteln. "Für viele Menschen ist dies ein sehr emotionaler Moment der Tour."

Unscheinbarer Zweckbau

Paisley Park war Princes Zufluchtsstätte, sein Spiel-, Wohn- und Arbeitsplatz. Von außen wirkt der 1987 fertiggestellte Komplex in Chanhassen, am Rand der Vororte der Metropole Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota, wie ein unscheinbarer, fast fensterloser Zweckbau. Aber hinter den dicken Mauern versammelte Prince auf rund 6000 Quadratmetern alle seine Habseligkeiten, seine Auszeichnungen, Kostüme und Instrumente, und baute sich ein Musik-Paradies mit mehreren Aufnahmestudios, Bühnen und Videoproduktionsräumen.

Im Aufzug des Anwesens wurde Prince am Freitag (21. April) vor einem Jahr leblos gefunden und kurz darauf für tot erklärt. Eine Überdosis Schmerzmittel, auch wenn die genauen Umstände immer noch nicht geklärt sind. Prince wurde 57 Jahre alt.

"Es war ein bittersüßes Jahr, es war eine große Herausforderung, aber wir hatten auch Spaß. Es war eine Achterbahn der Gefühle", sagt Aaron Meyerring, der rund zwanzig Autominuten von Paisley Park entfernt im Büro seines Plattenladens "Electric Fetus" sitzt. Der 33-Jährige gehört zu den letzten Menschen, die Prince lebend gesehen haben. Fünf Tage vor seinem Tod kam der Musiker in den Laden. Krank habe er nicht gewirkt, sagt Meyerring. "Er sah aus wie Prince, einfach cool. Er sah aus wie ein Rockstar, wie ein 57 Jahre alter Rockstar." Prince kaufte sechs CDs, unter anderem von Stevie Wonder und Santana, und bedankte sich danach via Twitter. Der Tweet prangt heute auf T-Shirts und Tassen, die "Electric Fetus" als Souvenirs verkauft.

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Die Prince-Ecke in dem Plattenladen ist inzwischen zu einer Art Schrein geworden. Einmal legte ein Fan sogar eine lilafarbene Blume neben die Alben, deren Hits wie "Kiss", "Purple Rain" oder "1999" längst weltweit Klassiker sind. Auf Kundenbitten hin hat Meyerring nun zahlreiche Prince-Souvenirs im Angebot und alle anderen Souvenirs auch in Lila, der erklärten Lieblingsfarbe des Musikers. Von den fünf CDs, die sich am besten verkaufen, stammen vier von Prince.

Paisley Park ist seit Oktober Museum, betrieben von der selben Firma, die auch Elvis' Graceland in Memphis verwaltet. Für rund 40 Dollar (etwa 38 Euro) können Besucher seitdem eine geführte Tour durch Paisley Park buchen. Hinter den Mauern verbirgt sich eine nicht enden wollende Bad-Taste-Party zwischen Fotos und Erinnerungsstücken, mit viel Schwarzlicht, Kerzen, Plüschteppichen und lilafarbenen Polstermöbeln, sowie modernsten Musik- und Videostudios. Die Wohnräume von Prince sind nicht Teil der Tour, aber hin und wieder schimmert doch ein Funken Privates dieses so extrem verschwiegenen und mysteriösen Musikers durch: Ein gerahmtes Foto seines Vaters, eine Tischtennisplatte im Aufnahmestudio, eine parfümierte Kerze auf dem Videoschnitttisch, Marke "Meeresbrise".

Mysterium für alle

"Er war ein sehr ruhiger Typ, wir haben nie miteinander gesprochen. Wir haben über unsere Gehirne kommuniziert", sagt Julius, der jahrelang für die Sicherheit von Prince zuständig war und heute das Museum bewacht. "Aber er hat hier alles kontrolliert. Wenn er eine Party gab, hat er uns das Signal gegeben, nach dem die Besucher aus ihren Autos steigen durften." Niemand habe Prince wirklich gekannt. "Er war für alle ein Mysterium."

Zum Todestag haben sowohl Paisley Park als auch der Plattenladen "Electric Fetus" und der Club "First Avenue" im Zentrum von Minneapolis, in dem Prince oft auftrat, zahlreiche Veranstaltungen geplant. Der Geschichtsverein von Minnesota will mehrere Kostüme des Sängers ausstellen, und der Betreiber des Unternehmens Waconiaville Tours, Randy Luedtke, berichtet von ausverkauften Prince-Touren.

Weltweit wird Prince seit seinem überraschenden Tod vermisst, aber wohl nirgends so sehr wie in seiner Heimat Minneapolis. "Niemand wird seinen Platz hier je einnehmen können", sagt Plattenladen-Betreiber Meyerring. "Er ist eine lokale Legende. Dies wird immer seine Heimat sein, das wird uns immer bleiben." Besonders ein Song des Musikers werde Prince für immer mit seiner Heimat verbinden: "Sometimes it Snows in April" (Manchmal schneit es im April), im nördlichen Bundesstaat Minnesota keine Seltenheit. "Als er damals im April gestorben ist, da war es dieser Song, der besonders auf die Tränendrüse gedrückt hat."

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"Manchmal schneit es im April", singt Prince in der 1986 veröffentlichten Ballade. "Manchmal fühle ich mich so schlecht. Manchmal wünsche ich mir, dass das Leben nie aufhört. Aber sie sagen, dass alle guten Dinge endlich sind." 

dpa

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