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"Nicht weit von mir": Drama aus Franken

Nürnberger Filmemacher dreht außergewöhnlichen Film - 29.09.2015 16:04 Uhr

Traumhafte Bilder entstanden beim Dreh von "Nicht weit von mir". © Foto: Pfrogner


An diesem Film ist so manches außergewöhnlich: Thema, Entstehung, Spielorte, Regisseur – man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Also der Reihe nach: 2008 studiert Rüdiger Görlitz Psychologie in Bamberg und hält mehr oder weniger freiwillig ein Referat über luzides Träumen. Luzides Träumen – auch Klarträumen genannt – beschreibt das Phänomen, wenn man im Schlaf bemerkt, dass man träumt und auf den Traum Einfluss nehmen kann. Was sich nach Hollywood à la „Inception“ anhört, ist tatsächlich Gegenstand aktueller wissenschaftlicher Studien.

Görlitz lässt sich davon inspirieren und schreibt ein Drehbuch über eine junge, einsame Frau, die sich verliert in ihren Klarträumen. Der Student ist nämlich ein passionierter Filmemacher, der sein Studium sozusagen als Plan B aufnahm, nachdem er bei einigen Filmhochschulen knapp mit seiner Bewerbung gescheitert war. Auszeichnungen wie den Bayerischen Jugendfilmpreis und den Kurzfilmpreis des Bayerischen Rundfunks kann er gleichwohl vorweisen.

Schöner Traum

„Nicht weit von mir“ ist der Titel dieses lakonischen Dramas über die Außenseiterin Louisa, die in ihren Träumen ein zweites Leben findet. Lesen ist das einzige, was ihren langweiligen Bürojob und ihr verkümmertes Sozialleben erträglich macht. Durch Zufall stößt sie auf ein Buch über luzides Träumen und beginnt, sich von der Realität zu lösen. Jennifer Sabel spielt die schüchterne Louisa eindringlich, ruhig und ohne Schnörkel, man leidet mit ihr. Denn so schön ein Traum auch sein kann, es bleibt ein Traum. Und die Realität hat noch jeden Träumer eingeholt.

Optisch ist der Film großartig, die Drehorte dürften so manchem bekannt vorkommen: Die Nürnberger Stadtbibliothek, das Staatstheater, das Bamberger Kloster Michaelsberg oder der botanische Garten in Erlangen gehören dazu. Die Region macht sich hervorragend als Filmkulisse, Görlitz lobt auch das Umfeld: „In anderen Städten sind die Leute oft genervt von Filmteams, hier gab es viel Unterstützung.“

Kein Popcornkino

Görlitz bleibt übrigens weiterhin ein Hobbyregisseur, er arbeitet hauptberuflich als Psychologe für Kinder und Jugendliche und genießt die künstlerische Freiheit, die ihm sein Beruf beim Filmemachen verschafft. Auch sein nächstes Werk soll „kein Popcornkino“ werden, mehr will er nicht verraten.

„Nicht weit von mir“ läuft ja auch gerade erst an, besonders in Internet-Foren für luzides Träumen hat der Film bereits ein großes Echo ausgelöst. In Kürze kann sich jeder selbst ein Bild davon machen, ob das Experiment geglückt ist: Eine Hochglanzproduktion zum Niedrigpreis über das Thema Klarträume, gedreht in der Metropolregion von einem hauptberuflichen Kinderpsychologen und vielen Ehrenamtlichen. Hollywood, es geht auch anders.

„Nicht weit von mir“ im Kino: 4. Okt., 15 Uhr, Casablanca (Nbg.); 5. Okt., 19 Uhr, Lichtspiel (Bamberg); 6. Okt., 19 Uhr, Babylon (Fürth); 7. Okt., 20.15 Uhr, Manhattan (Erl.); 14./15./16. Nov., Kommkino (Nbg.). Auf DVD bekommt man den Film hier. 

THOMAS CORRELL

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