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Mittwoch, 26.09.2018

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Nisha: Vor famoser Kulisse geht es um Menschenrechte

Große Fragen und scharfe Kanten: Das neue Musical der Cadolzburger Burgfestspiele greift wichtige Themen auf - 23.06.2018 16:00 Uhr

Rund 130 Mitwirkende sind an dem Musical „Nisha“ beteiligt, zu dessen Premiere auch Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi kam. © Foto: Edgar Pfrogner


Dunkelrot senkt sich die Sonne. Die Konturen der Cadolzburg treten überdeutlich hervor, während die prophezeite Kaltfront aus Nordwest für empfindliche Abkühlung sorgt. Es ist ein Szenario, das wahrscheinlich kein Theaterhaus planmäßig wagen würde. Viel zu schön, hieße es dann. Fast schon kitschig. Mal ganz abgesehen von der Temperierung, die der Sommersonnwendenacht durchaus passend zum bestürzenden Thema ein Frösteln hinzufügt. . .

Doch für die Cadolzburger Burgfestspiele ist diese perfekte Inszenierung von Natur und Umgebung im Burgvorhof schlichtweg gegeben. So lässt sich freilich selbstbewusst aufspielen und in jedem Moment dieses neuen Musicals ist spürbar, wie viel Leidenschaft die rund 130 Mitwirkenden zwischen acht und 80 Jahren auf und hinter der Bühne in dieses Projekt gesteckt haben.

"Nisha" ist die fünfte Produktion, die seit der Festspiel-Vereinsgründung vor zehn Jahren gestemmt wird. Wieder arbeiten Fritz Stiegler (Buch), Matthias Lange (Musik) und Jan Burdinski (Regie) zusammen. Ein Team, das vor Herausforderungen noch nie zurückschreckt ist. Vor drei Jahren etwa stellte sich "Mademoiselle Marie" der Auseinandersetzung mit dem unerträglichen NS-Massaker in Oradour.

Auch "Nisha" biegt jetzt nicht auf die Heile-Welt-Schiene ab, sondern schnürt ein dickes Paket: Unterdrückung, Organhandel, Frauenrechte, Umweltzerstörung, Zwangsverheiratung, selbst die Kopftuch-Debatte scheint noch auf. Die Fülle der Themen wird in eine Handlung gefasst, die deutliche Grenzen zieht. Die Trennlinie verläuft dort, wo konsumorientierter Lebensstil auf Menschen trifft, denen das Lebensnotwendige fehlt.

Irgendwo in Afrika oder in Asien lebt diese Nisha, ein Mädchen, das erkennt, warum Bildung der Schlüssel für tiefgreifende Veränderungen ist. Romina Satiro gestaltet diesen Part mit viel Gefühl und lässt die Songs von Matthias Lange glänzen. Der eingängige Mix aus Rock/Pop und Weltmusik wurde von den Nürnberger Symphonikern eingespielt und sorgt beim Tanzensemble (Choreografie Kathleen Bengs) für temperamentvolle Einsätze. Auf der klug für alle Anforderungen gestalteten Bühne (Karin E. Pollak) hält Jan Burdinski die vielen Fäden und Akteure sehr stringent zusammen.

Es werde, hatte Fritz Stiegler im Vorfeld versprochen, beim Musical "Nisha" sicher "keinen erhobenen Zeigefinger" geben. Das ist ein löblicher Vorsatz. Denn freilich liegt in der Darstellung stets schon Kommentar und Wertung. Sehr komprimiert werden die großen Fragen aufgeworfen, dabei bleibt der Rahmen erstaunlich unterhaltsam. Das ist ein Spagat, der – das muss man bei allem Wohlwollen festhalten – nicht so zweifelsfrei gelingt, wie bei dem Stück "Mademoiselle Marie".

Im Hals stecken bleibt aber das Lachen, das ausgerechnet der Auftritt der Socken-in-Sandalen-Sextouristen provoziert. Auch wenn diese Szene sehr gut funktioniert – das ist ein Moment, der keine Heiterkeit verträgt.

Als der Schlussapplaus verklungen ist, ergreift Schirmherrin Maede Soltani, Tochter von Nürnbergs Menschenrechtspreisträger Abdolfattah Soltani, noch einmal das Wort. "Nisha", sagt sie, ist ein Plädoyer für die Menschenrechte. Und das zählt.

Gespielt wird das Stück bis zum 4. August, Karten mit ZAC-Rabatt für Zeitungsabonnenten in den Vorverkaufsstellen dieser Zeitung. 

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