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Recyceln für eine grüne Zukunft

„2. Große Kunstausstellung Nürnberg“ widmet sich dem Thema Nachhaltigkeit - 14.03.2012 11:16 Uhr

"52 Seh-Zeichen" hat Rolf Blume aus Hannover seine Installation aus Kunststoffbehältern und Fragmenten von Alltagsgegenständen genannt, die an Bojen erinnern.

"52 Seh-Zeichen" hat Rolf Blume aus Hannover seine Installation aus Kunststoffbehältern und Fragmenten von Alltagsgegenständen genannt, die an Bojen erinnern. © Eduard Weigert


So ein bisschen will wohl auch der hiesige Berufsverband Bildender Künstler mit dieser Ausstellung auf die eigene Nachhaltigkeit zielen. „Wir haben derzeit in Mittelfranken 240 Mitglieder. Vor 15 Jahren waren es noch deutlich mehr. Die Organisationsform eines Vereins ist wohl nicht mehr zeitgemäß“, merkt BBK-Vorstand Frank Hegewald an.

Mit enormem Aufwand haben er und seine Kollegen jetzt die „2. Große Kunstausstellung Nürnberg“ auf die Beine gestellt — an einem Ort, der sich ebenfalls nachhaltig als Kultur-Oase ins Gespräch bringen möchte. Im ehemaligen Ausbildungszentrum der Handwerkskammer im Nordostpark stellen jetzt 66 Künstler aus dem gesamten Bundesgebiet aus. Ausgewählt wurden sie aus 240 Bewerbern von einer Jury, der unter anderem ein Vertreter des Nürnberger Umweltreferats, aber auch Künstler und Museumsleiter angehörten. In dem 3000 Quadratmeter großen Gebäude bietet sich viel Platz für die Kunst, die hier riesige Säle ebenso reizvoll bespielen kann wie ehemalige Waschräume oder kleine Büros.

 Autos aus Blumenerde

Und wie kommt die Nachhaltigkeit in der Kunst nun zum Ausdruck? Am vordergründigsten in der Wahl der Mittel: Viele Künstler betätigen sich, salopp gesagt, als kreative Recycler. Da entstehen Skulpturen aus abgelegten Pumps oder Papiertüten, Gemälde auf Bettwäsche, Schmuckstücke aus Zeitungspapier und kleine Autos aus gepresster Blumenerde. Die Zukunft wird grün? Die alten Regenschirme, die sich zusammengesteckt in ein kugelrundes Lichtobjekt verwandelt haben, legen es nahe.

Ganz zauberhaft leuchten auch die Radzierblenden, die Michael Volkmer aus Ludwigshafen auf deutschen Straßen gefunden, in elfenbeinfarbene Leuchtkästen gesetzt und so angeordnet hat, dass sie wie ein Kirchenfenster anmuten. Manch einem Autobesitzer ist sein Gefährt ja auch heilig...

Für ein nachhaltiges Erlebnis in der Ausstellung will Harald Kienle aus Nürnberg mit seiner Schaukel auf Echt- Rasen sorgen, frei nach dem Motto: Schaukeln schafft Lebensfreude. Stillhalten dagegen bei Chris Engels. „Ich höre Ihnen zu — 10 Minuten 18 Euro“ heißt die Videoarbeit, die die Künstlerin in stiller Zuhörerpose zeigt. Was ist schließlich wertvoller als Zeit, die einem vom Gegenüber gegeben wird?

Themen betreffen jeden

Mit Gemälden und Skulpturen, Installationen und Zeichnungen, Videoarbeiten und Schmuck gehen die Künstler das Thema mal witzig, mal poetisch, mal düster und satirisch, manchmal auch arg plakativ an. Insgesamt aber ist eine ansprechende Ausstellung zu einem aktuellen, kunstfernen Thema herausgekommen, das jeden in irgendeiner Form betrifft.

Während der Ausstellung kann das Publikum seinen Favoriten wählen, dem 1500 Euro winken. Auch die Jury wählt die in ihren Augen beste Arbeit, die mit 1500 Euro, ebenfalls gestiftet von der den Nordostpark verwaltenden Management GmbH, belohnt wird. Beide Sieger werden bei der Finissage am 15. April bekanntgegeben.

Die Ausstellung findet statt im Nordostpark Nürnberg, Haus 62.

Erreichbar mit der Buslinie 22 bis Nordostpark-Mitte. Eröffnung 14. März, 19 Uhr. Bis 15. April, Do.–Sa. 16–20, So. 14–18 Uhr. Führungen sonntags 16 Uhr. Katalog 5 Euro. 

BIRGIT RUF

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