Dienstag, 13.11.2018

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Schräger Paradiesvogel: Der Nürnberger Ronny Van Dyke

Mit den „Trash Pop Pilots“ feiert er den Kick des wilden, schnellen Lebens - 03.01.2012 17:00 Uhr

Sänger und Songwriter Ronny Van Dyke. © PR


Auf der Bühne wirkt Ronny van Dyke ein wenig wie die Karikatur eines exzentrischen Rockers: Dunkle Sonnenbrille, Lederhose und darüber wahlweise ein mit Schulterklappen und bunten Plastik-Klunkern besticktes Jackett oder ein knallroter, mit Leopardenfell-Imitat gefütterter Damen-Bademantel, die Andeutung einer Rocker-Tolle über der hohen Stirn. „Please Please Love“ heißt einer der Songs, mit denen der Nürnberger und seine „Trash Pop Pilots“ im vergangenen Jahr diverse Download- und Videocharts gestürmt haben: Ein unwiderstehlich rockender Bastard, der klingt wie eine Kreuzung aus „Everybody needs somebody to love“ und „Ballroom Blitz“.

Auch sein Partysong „RingDinaDing“ wird von einem genauso professionellen wie witzigen Video beworben, welches nicht nur die vermutlich erste Mülltonnen-Choreografie beinhaltet (und der kleinen Nürnberger Pegnitzbühne zu internationalem Ruhm verhilft), sondern den Sänger auch in seiner Paraderolle als schrägen Paradiesvogel und Lebemann präsentiert.


 

Exzentrisches Doppelleben

Privat kommt der Mittfünfziger wesentlich unauffälliger daher, trägt einen bürgerlichen Namen (den er nicht genannt haben will) und geht einem relativ normalen Broterwerb nach. Ein Widerspruch? Keineswegs: „Ronny van Dyke ist meine Insel“ sagt der gebürtige Duisburger und bringt damit das Doppelleben vieler Bühnenexzentriker auf den Punkt: Tagsüber der unauffällige Normalo, nachts die exzessive Rampensau. Schon als Jugendlicher hat er sich nach eigenen Angaben mit Motorradgangs rumgetrieben und mit seiner Mutter die obligatorischen Kämpfe um die Haarlänge ausgetragen.

„Mich interessiert die Wildheit“ sagt er und erzählt von seiner Faszination für das amerikanische White-Trailer-Trash-Milieu, seine Schwäche für teure, schnelle Autos und davon, wie ihm eine alkoholisierte Rentnerin seinen 68er Ford Mustang zu Schrott gefahren hat. Mit seinen 2008 gegründeten „Trash Pop Pilots“ erweist er seinen Vorlieben nicht nur namentlich Reverenz, sondern findet nach einer langen musikalischen Odyssee auch den Weg zurück zu seinen Wurzeln: Nach Psychedelic Rock, einem „Rock contra Classic“ betitelten Crossover-Projekt, der Arbeit als Radio-Jingle-Komponist und zeitweiliger Songlieferant für die TV-Serie „Marienhof“ ist er nun wieder beim Rhythm & Blues, beim Rock der „Stones“, „Kinks“ und der „Who“, beim Glam der 70er und dem knalligen Mainstream der 80er gelandet.

Teilzeit-Freak sucht Nestwärme

„Ich habe nie den Ehrgeiz gehabt, etwas Neues zu erfinden. Andererseits höre ich kaum Musik, weil ich Angst habe, dass ich dann unbewusst zu viel klaue.“ Mit den „Trash Pop Pilots“, bestehend aus dem Gitarristen Uwe Singer, dem Bassisten Martin Schröpfer, Uli Noak am Schlagzeug, Christian Jung an den Tasten und den Sängerinnen Stefanie Hellinger und Ursula Berg, arbeitet Ronny derzeit am ersten Album namens „Rockers’n’Lovers“. Ein programmatischer Titel für einen Teilzeit-Freak wie ihn, der festgesetzte Koordinaten und Nestwärme genauso braucht wie den Kick des wilden, schnellen Lebens.

Beim Konzert am 5. Januar im Fürther Kulturforum (20 Uhr) machen Ronny und seine Freunde dann wieder eine süffiges Rock’n’Roll-Fässchen auf. Mit von der Party werden das Plüsch-Schwein Croquette und Drag-Queen Ellen Lang sein: „Mit ihr auf der Bühne fühlt man sich wie in einem durchgeknallten Fellini-Film“, schwärmt Ronny und rührt dabei an einer fundamentalen Erkenntnis: Man muss sich seine Wirklichkeit selbst schaffen.
  

PETER GRUNER

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