Dienstag, 11.12.2018

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Spende an das Nürnberger Stadtarchiv

Nun können rund 4000 Porträts katalogisiert werden - 17.10.2009

Symbolbild. © colourbox.com


Manchmal ist ein Albrecht Dürer Nebensache. Helge Weingärtner jedenfalls interessiert der Nürnberger Zirkelschmied und Instrumentenbauer Johann Ludtring viel mehr. Wenn Weingärtner, der Kunsthistoriker ist, Ludtring eine Frage stellen könnte, würde er wissen wollen, was den Handwerker bewogen hat, einen Kupferstich von sich stechen zu lassen - ganz wie es die reichen Patrizier zu tun pflegten.

Nürnberger aus allen Ständen

Aber Ludtring lebte schon vor 350 Jahren und kann heute natürlich keine Fragen mehr beantworten. Sein Porträt befindet sich indes wie jenes von Albrecht Dürer unter den Kupferstichen, die Weingärtner derzeit für das Stadtarchiv unter die Lupe nimmt. Die umfassende Porträt-Sammlung, in der fast alle Nürnberger Patrizierfamilien vertreten sein dürften, ist Teil des Familienarchivs der Patrizierfamilie Löffelholz, die um 1420 von Bamberg nach Nürnberg gezogen war, hier dem Inneren Rat angehörte und seit 1813 der Freiherrenklasse des bayerischen Adels.

Die Kupferstiche, die die Familie Löffelholz ansammelte, zeigen nicht nur Patrizier, sondern Nürnberger aus allen Ständen. Genau das findet Weingärtner so spannend: Denn während Historiker die Antlitze vieler Patrizier schon kennen, weil sie immer wieder für Ölgemälde oder Kupferstiche Modell standen, blieben die einfachen Leute lange gesichtslos. Im 17. Jahrhundert jedoch begannen auch Schneider und Schuster ein paar Kreuzer zur Seite zu legen, um sich einmal stechen zu lassen.

Bislang fehlte das Geld für die Erschließung der Sammlung

Seit 1940 ist die Löffelholzsche Sammlung im Besitz des Stadtarchivs - bislang fehlte das Geld für die zeitaufwendige Erschließung, bei der jede Abbildung eingescannt und Lebensdaten des oder der Abgebildeten sowie des Künstlers erfasst werden. Die Spende des Fördervereins soll ermöglichen, dass die Sammlung in Kürze im Internet angesehen werden kann und Historiker bald mehr wissen über Handwerker wie Ludtring oder die Künstler, die sie porträtierten. 

czi

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