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Udo Lindenberg verbreitet Panik im Nürnberger Stadion

Im Interview spricht er über sein neues Album und die aktuelle Flüchtlingskrise - 11.03.2016 06:00 Uhr

Der Greis ist heiß: Udo Lindenberg beim Interview in München.

Der Greis ist heiß: Udo Lindenberg beim Interview in München. © Foto: Radlmaier


Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen der Kunstfigur Udo und Herrn Lindenberg?

Udo Lindenberg: Nö. Inzwischen nicht mehr. Anfangs habe ich die Kunstfigur gebraucht, hinter der ich mich verstecken konnte, denn ich bin ja eigentlich ein schüchternes Kerlchen. Aber irgendwann sagte ich mir: Trau dich, jetzt machen wir mal auf Rockstar mit geilen Klamotten und so. Aber das war alles in mir angelegt. Am Anfang musste ich mir Mut antrinken. Ich habe mir ein Bild von mir gemacht, so wie sich auch Bob Dylan oder David Bowie ein Alter Ego ausgedacht haben. Im Lauf der Zeit bin ich dem Panik-Udo immer ähnlicher geworden und inzwischen gibt es keinen Unterschied mehr, privat und beruflich. Ich bin Star und zugleich so was wie ein Kumpel für meine Fans.

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Um auf den Titel Ihres neuen Albums sprechen zu kommen: Was ist denn "Stärker als die Zeit"?

Lindenberg: Das sind die Panik-Songs, die Panik-Familie, die Band, die gibt’s ja seit über 50 Jahren und auch der Sänger, dieses junge Talent, macht ewig weiter und ist über die irdische Zeit-Zählung erhaben. Ich bin ja eine Art Alien, über Gronau von einem Asteroiden abgerutscht und in einem Doppelkorn-Feld gelandet. Und im All gelten andere Zeitgesetze. Ich denke aber auch an die Wurzeln der Panik-Bewegung, die in den 70er Jahren entstand, mit Orchester und deutschen Texten.

Stichwort Nürnberg, wo bekanntlich Sonny Hennig und "Ihre Kinder" bereits 1969 ein Rock-Album mit deutschen Texten veröffentlichten. Haben Sie die Band damals registriert?

Lindenberg: Ja klar, wie hieß die Platte noch? "Leere Hände" oder so? Jedenfalls fand ich das damals hochinspirativ. Wir hatten guten Kontakt und haben uns ein paar Mal getroffen. Ich kann mich erinnern, dass Sonny Hennig manchmal Zweifel hatte, ob Rockmusik und deutsche Texte überhaupt zusammenpassen. Und ich sagte: "Glaub mir, das geht. Eines Tages wird das ankommen beim Publikum." Wer damit groß würde, wusste man damals noch nicht so genau. Ich habe natürlich immer gehofft, dass mir niemand zuvor kommt mit populären Rock-Songs.Es gab ja auch Rio Reiser, der war auch extrem wichtig, aber eher für die Polit-Szene. Parallel dazu blühte die Liedermacher-Szene auf, man beobachtete sich gegenseitig mit großer Sympathie. Von Reinhard Mey lernte ich die klare Aussprache. Nicht zu vergessen Wolf Biermann, Franz Josef Degenhardt und Hannes Wader. Aber deutschen Rock als Breitensport haben erst wir populär gemacht.

Frau Merkel sagt "Wir schaffen das". Passt Ihr Motto "Keine Panik" als Antwort auf die aktuellen Ängste vieler Menschen?

Lindenberg: Es ist grundsätzlich gut, wenn man keine Hysterie verbreitet, sondern besonnen vorgeht. Also nicht das Gehirn abschalten und nicht blinden Instinkten folgen, nach denen uns Fremdes bedroht. Wir sind hier in Deutschland ja in einer ziemlich komfortablen Situation und haben die Möglichkeit, vielen Flüchtlingen Zuflucht zu gewähren. Alleine schaffen wird das aber nicht. Deswegen ist die Zielsetzung, das zusammen mit allen europäischen Nationen zu erreichen, genau richtig. Ich hoffe, dass Frau Merkel dabei Erfolg hat, sonst ist die tolle Vision von Europa am Ende. Das ist eine hochgefährliche Zeit.

Sie haben sich immer politisch gegen Rechts engagiert. Was sagen Sie zum Erfolg von Pegida und AfD?

Lindenberg: Wenn angebliche Politiker davon faseln, im Notfall auf Flüchtlinge schießen zu lassen, erinnert mich das an die Schießbefehle an der DDR-Grenze. Ich sehe das mit großer Besorgnis. Umso wichtiger ist es, dass über die Medien humanistische Ideen und humanitäre Ansätze verbreitet werden. Das ist auch Thema vieler meiner Songs. Man muss auf einzelne Schicksale hinweisen. Die Kinder, Mütter und alte Menschen aus Aleppo und anderswo wollen einfach ihr Leben retten. Sie brauchen unsere Hilfe. Das zu organisieren ist sehr schwer, das weiß jeder. Aber man kann doch nicht einfach Zäune errichten und diese Menschen in die syrischen Geisterstädte zurückschicken. Eine europäische Lösung muss her, die von Mitgefühl, Mitverantwortung und globalem Gewissen zeugt.

 

Die Tournee unter dem Motto "Keine Panik!" startet am 20. Mai auf Schalke und geht in großen Hallen sowie in Sportstadien über die Bühne. Am 18. Juni tritt Udo Lindenberg mit dem Panik-Orchester und Überraschungsgästen im Nürnberger Stadion auf.

Karten für das Nürnberger Konzert gibt es u.a. im NN-Ticket-Corner in der Nürnberger Mauthalle. 

Interview: Steffen Radlmaier

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