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Vielfältige Kino-Landschaft verwöhnt Nürnbergs Cineasten

Kassenschlager und Filmperlen: Rio, Meisengeige, Cinecittà - 15.11.2011 20:00 Uhr

Kino und Kneipe: Die Meisengeige am Laufer Schlagturm, 1970 eröffnet und Keimzelle des Kino-Imperiums von Wolfram Weber, genießt mit ihrem leicht ramponierten nostalgischen Charme längst Kultstatus. © Daut/Matejka


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Flaggschiff ist das Cinecittà, das seit seiner Eröffnung im Oktober 1995 über 27,5 Millionen Besucher zählte. Mit 23 Leinwänden und 5265 Sitzplätzen ist es knapp hinter der Lichtburg in Essen der bundesweit zweitgrößte Kinokomplex. Im Riesenreich von Wolfram Weber wird alles geboten – von Hollywood-Mainstream über künstlerisch anspruchsvolle Produktionen bis zu Live-Übertragungen aus Opernhäusern und Konzertsälen. Zudem hat Weber im Cinemagnum (vormals Imax) die größte 3D-Leinwand Deutschlands installiert.

Erfolg mit Spezialangeboten

Die Angst der anderen Kinobetreiber vor dem Verdrängungswettbewerb hat sich nicht in dem Maße bestätigt, wie anfangs befürchtet. Zwar haben einige Kinos – das Apollo, das Atlantik, das Museum-Kino und zuletzt das Atrium – aus unterschiedlichen Gründen dicht gemacht. Doch im Vergleich mit anderen Städten ist die Nürnberger Kinolandschaft bestens aufgestellt.

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Gestern und heute: Admiral Filmpalast

Wenige Branchen entwickeln sich so rasant wie das Unterhaltungs-Geschäft. An traditionsreichen Kinos wie dem Nürnberger Admiral Filmpalast kann man dieses Wachstum förmlich ablesen: Zweimal komplett neu errichtet, dazu mehrfach umgebaut und erweitert, gibt es über die 100-jährige Geschichte des Kinokomplexes in der Nürnberger Innenstadt so einiges zu berichten.




Die neben dem Cinecittà verbliebenen großen Häuser haben sich Nischen geschaffen, in denen sie gut überleben können. Der 1957 gegründete Admiral-Filmpalast in der Innenstadt setzt seit der Eröffnung seines Neubaus 2002 erfolgreich auf „Unterhaltungskino mit Niveau“ und lockt mit Spezialangeboten wie „Ladies First“, „Echte Kerle“ oder „Kino & Vino“ vor allem ein Publikum jenseits der Teenager-Jahre an. Das gastronomische Angebot und die schicke „Skybar“, die gerne auch von Firmen gebucht wird, sichern rund die Hälfte der Einnahmen. 2012 will Geschäftsleiter Rainer Maurer die zwei noch nicht digital aufgerüsteten Säle (insgesamt gibt es fünf mit 1000 Sitzplätzen) auf den neuesten Stand der Kinotechnik bringen.



Im 1955 eröffneten Rio-Palast in der Fürther Straße ist man just in diesen Tagen dabei, den kleineren der zwei Säle mit digitaler Technik auszustatten. Am charmanten 50er-Jahre-Ambiente, das vom treuen Stammpublikum hoch geschätzt wird, soll sich jedoch nichts ändern. Betreiber Franz Ach öffnet sein Haus zwar gerne auch für filmferne Veranstaltungen wie Firmenfeiern oder Kindergeburtstage – sogar Rockkonzerte und Gottesdienste fanden hier schon statt. Doch das Kino bleibt die Hauptsache, wobei Ach streng auf Qualität achtet und dem europäischen Film meist den Vorzug vor Hollywood gibt.

Auf Filme in der Orginalsprache hat sich das Roxy in der Gartenstadt spezialisiert. 1950 als ganz normales Vorstadtkino mit familienfreundlichem Programm erbaut, haben sich die Betreiber Hermann und Uta Kiesel seit 1989 aufs reine Fremdsprachenkino verlegt und werden dafür von Schülern und Studenten ebenso geliebt wie von Geschäftsleuten und Touristen.

Matthias Damm (links) und Helfried Gröbe haben allen Grund zur Freude: Mit Hilfe des von ihnen gegründeten Casa e.V. gelang die Rettung des Casablanca, das seinem Beinamen "Kino mit Courage" seitdem alle Ehre macht.




Inzwischen 72 Jahre alt, möchte Hermann Kiesel das Kino jetzt jedoch in jüngere Hände abgeben. Bis zur Wiedereröffnung nach der aus gesundheitlichen Gründen verlängerten Sommerpause hofft Kiesel, dass ein Nachfolger im Boot ist. Ob dann weiterhin beide Säle fürs Fremdsprachenkino reserviert bleiben, wird die Zukunft zeigen. Die Roxy-Fans werden die Daumen drücken.

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Gestern und heute: 15 Jahre Cinecittà

Mit der Meisengeige vor 40 Jahren fing alles an. Heute besitzt der Nürnberger Wolfram Weber mit dem Cinecitta und dem angrenzenden Cinemagnum (ehemals IMAX) den größten Kinokomplex Europas. Der Kino-Betreiber hat schon immer gerne in der Superlative gedacht - und ist damit auch das ein oder andere mal angeeckt. Sein bekanntestes Projekt, das Cinecittà, wird jetzt 15 Jahre alt. NZ.de blickt zurück.


Der Pflege der Filmkunst und Filmgeschichte ist – qua kulturpolitischem Auftrag der Stadt – das seit dem Jahr 2000 im Künstlerhaus angesiedelte Filmhaus verpflichtet. Die Leidenschaft, mit der sich das fünfköpfige Team unter Leitung von Christiane Schleindl dieser Aufgabe widmet, schlägt sich in einem regelmäßig preisgekrönten Programm nieder. 2011 wurde das Filmhaus vom Kinematheksverbund sogar als „bestes kommunales Kino Deutschlands“ in der Königskategorie der größten Städte ausgezeichnet. Im 80-Plätze-Saal wird Filmkunst aller Arten geboten – monatliche Retrospektiven zu einem Regisseur, Schauspieler oder Genre, Erstaufführungen jenseits des Mainstream, Stummfilme, Fremdsprachen- und Kinderkino.


Eng verbunden mit dem Filmhaus, auch in räumlicher Hinsicht, ist das von einem ehrenamtlichen Verein getragene KommKino, ein quicklebendiges Relikt aus alten Komm-Zeiten, das sich um längst vergessene Filmperlen ebenso kümmert wie um das unabhängige deutsche Kino und die internationale Filmavantgarde.

Das Publikum des Rio-Palasts schätzt das 50er-Jahre-Ambiente.




Auch die Meisengeige am Laufer Schlagturm hat überlebt. Gemeinsam mit dem Casablanca bildete sie in den 70er Jahren die Keimzelle für das Kinoimperium von Wolfram Weber, zu dem später noch das Atrium und das Metropolis kamen. Während Weber die „Geige“ als „Fall für Nostalgiker“ hegt und hier vor allem die aus dem Cinecittà-Programm genommenen Publikumshits weiterlaufen lässt, hat sich das Metropolis am Stresemannplatz als Spielstätte für Arthouse-Filme etabliert. Beide Kinos bieten zwar nicht den besten Sitzkomfort, sind aber technisch top ausgestattet.


Nicht überlebt hat dagegen das schmucke Atrium in der Wölckernstraße, das Weber als Pächter Anfang 2009 aufgab und das seit einem Reanimierungsversuch als Kleinkunstbühne brach liegt. Das unweit entfernt in der Brosamerstraße gelegene Casablanca hätte beinahe dasselbe Schicksal ereilt. Doch als Nürnbergs Kino-König im Frühjahr 2009 in dem seit 1976 bespielten Traditionskino definitiv die Lichter ausgehen lassen wollte, rüstete sich eine Gruppe von engagierten Kino-Enthusiasten zur Rettung des „Casa“. Die Mission glückte. Im September desselben Jahres wurde das Haus neu eröffnet.

Runderneuerte Säle

Inzwischen hat der Casa e.V. 380 Mitglieder und kann stolz sein auf drei runderneuerte Kinosäle samt zeitgemäßer Technik. Mit seinem Mix aus aktuellem Programmkino, Kurz- und Dokumentarfilmen, diversen Reihen sowie Filmdiskussionen, aber auch Kleinkunst und Kneipe hat sich das Kino-Team mit viel ehrenamtlichem Engagement eine Nische geschaffen, aus der es in die Zukunft blicken kann. Inzwischen wird das kleine Lichtspielhaus auch von Filmverleihen geschätzt und regelmäßig für Bundesstarts ausgewählt.

In keinem festen Haus, dafür an ungewöhnlichen Spielorten meist unter freiem Himmel präsentiert das rührige Team vom Mobilen Kino sein Filmangebot. Es stemmt unter anderem das jährliche SommerNachtFilmFestival in Nürnberg, Fürth und Erlangen, aber auch die Mittelmeerfilmtage oder das Kino im Naturgartenbad — und trotzt dabei Jahr für Jahr beharrlich der Unberechenbarkeit des Wetters.
  

REGINA URBAN/BIRGIT NÜCHTERLEIN

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