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Vielseitige Rocker wie aus dem Bilderbuch

Die „Ramrods“ gibt es seit den 60er Jahren, doch erst jetzt veröffentlichten die Nürnberger ihr erstes Album - 27.04.2011

Peter Harasim (Mitte) steht am Mikro der „Ramrods“. © PR


Jawohl, Debütalbum. Denn obwohl die Ramrods bereits in den Swinging Sixties fränkische Bühnen erzittern ließen, kam es über all die Jahrzehnte mitsamt unzähligen Umbesetzungen, Auflösungen und Reformationen nie zu einer professionellen Aufnahme. Warum? Das kann Harasim auch nicht so genau sagen. Irgendwie waren die Ramrods zwar schon immer da, aber ernste professionelle Ambitionen lagen ihnen immer fern. „Die Entscheidung, ob ich nun Rockstar oder Veranstalter werde, hat sich mir nie gestellt“, sagt der Chef des Concertbüros Franken und Betreiber des Musikclubs Hirsch, „ich bin einfach in dieses Konzertveranstalter-Ding reingerutscht.“

Was auch für die eigenen musikalischen Ambitionen nicht unbedingt von Nachteil ist, schließlich bestreiten die Ramrods ihre vier bis fünf Auftritte pro Jahr nicht selten als Support von Konzerten, die Harasim veranstaltet. Da bleibt der eingefleischte Rock’n’Roller dann kein Klischee schuldig: Die lange Mähne fliegt mit dem Mikrophonständer um die Wette, sportlich werden Lautsprecher-Boxen erklommen und nicht selten zwingt ihn die Leidenschaft in die Knie.

„1966 habe ich die Ramrods das erste Mal als Vorgruppe der Kinks gesehen“, erinnert er sich. „Die hatten damals schon eine abgedrehte Show, stellten eine gefüllte Badewanne auf die Bühne und solche Sachen...“ Als sich die Band rund zehn Jahre später mit Harasim am Bass reformierte und der damalige Musikjournalist zwei Jahre später den Sänger-Posten übernahm, fühlte er sich natürlich in der Pflicht – und so gibt er bis heute mit Inbrunst die abgedrehte Rampensau. Und doch macht man es sich zu leicht, wenn man die Ramrods als altmodische Hardrock-Kapelle abtut: Das Album offenbart eine Vielseitigkeit, die man den Herren nicht zugetraut hätte. Geschrieben wurden 14 der 17 Songs vom Kreativ-Team Harasim/Marko Bittner. Der Gitarrist und Multiinstrumentalist – mit langer Mähne und offener Weste über dem Waschbrettbauch ein weiterer Bilderbuch-Rocker – ist seit über zehn Jahren im Boot und auch für einen Großteil der Arrangements verantwortlich.

Komplettiert wird das CD-Line-Up durch Kalle Duringer am Bass, Jan Albrecht an den Keyboards und wahlweise Tim Hufnagel oder Alberto Parmigiani am Schlagzeug, sowie vielen Gästen. Während „Talk To Me“, ein Stück stampfender Seventies-Hardrock inklusive Hendrix-Zitat, noch dem entspricht, was man von den Ramrods erwartet, überrascht bereits die dritte Nummer „Matter Of The Heart“ mit luftigem Pop-Rock in bester „Smokie“-Manier. Ganz ohne Spott: Das muss man erstmal hinbekommen.

Sitar im Repertoire

Im weiteren Verlauf gibt es Verweise auf Ravi Shankar („Bangla Dhun“ mit einer hübschen Sitar von Bittner), Led Zeppelin, Irish Folk (Sehr gelungen: „May The Road Rise To Meet You“ mit zwei Gastmusikern von Fiddler’s Green) oder die Byrds – wobei gerade das stark von letzteren inspirierte „Visionary Brother“ die Schwächen des Sängers verdeutlicht: Als Screamer und Shouter macht Peter Harasim zwar eine gute Figur, doch beim zweistimmigen Harmoniegesang wackelt’s dann doch bedenklich.

Davon abgesehen muss man den Ramrods bewundernswerte Stilsicherheit bei dem attestieren, was ein Redakteur mal trefflich als „Hippie-Metal“ bezeichnet hat. „Love Is The Answer“, dazu das Peace-Zeichen über der Erdkugel auf dem Cover: Einmal Hippie, immer Hippie? „Schau mich doch an!“ sagt Harasim und grinst frech zwischen seinen langen Haaren hervor. Und das Sonnen-Amulett auf seiner Brust strahlt plötzlich noch heller.

Aktuelle CD: Ramrods, „Love Is The Answer“ (SAOL/H'Art)
  

PETER GRUNER

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