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Landkreis leistet sich Ansprechpartner für Asylbewerber

Nürnberger Land schreibt Stelle aus - 01.02.2013 10:01 Uhr

Lauf  - 64 Asylbewerber sind derzeit im Nürnberger Land untergebracht. Um sie alle betreuen und beraten zu können, fehlt es allerdings an Personal. Nun will der Landkreis offiziell eine Stelle ausschreiben.

Derzeit sind am Kunigundenberg in Lauf zehn Asylbewerber untergebracht.
Derzeit sind am Kunigundenberg in Lauf zehn Asylbewerber untergebracht.
Foto: PZ
Derzeit sind am Kunigundenberg in Lauf zehn Asylbewerber untergebracht.
Derzeit sind am Kunigundenberg in Lauf zehn Asylbewerber untergebracht.
Foto: PZ

Die Asylbewerber brauchen Unterstützung. Bei Behördengängen, bei Problemen und Fragen – kurz: einen offiziellen Ansprechpartner. Dieser soll auch zwischen Einheimischen und Asylbewerbern vermitteln und bei der Suche nach weiteren Unterkünften.

Diese Aufgaben werden derzeit hauptsächlich von Ehrenamtlichen und zum Teil von der Landkreisverwaltung übernommen. Dass dies kein Dauerzustand sein kann, war auch den Kreisräten, der Verwaltung und den Verantwortlichen der Wohlfahrtsverbände im Nürnberger Land klar, die mehrfach ausführlich über dieses Thema diskutierten.

Die Entscheidung, ob der Landkreis eine solche Stelle schaffen soll oder nicht, ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Am Ende hängt es wie so oft am lieben Geld. Die Frage ist: Wer bezahlt für eine solche Stelle, die 2013 voraussichtlich 25.000 Euro kostet?

Bei der Unterbringung und Verpflegung ist dies klar geregelt: Der Bund übernimmt die 1,68 Millionen Euro, die für die 64 Asylbewerber im Landkreis anfallen. Bei den Betreuern sieht dies anders aus. Der Bund zahlt nur dann, wenn die Kommune eine große, zentrale Unterbringung für Asylbewerber vorweisen kann. Das ist im Nürnberger Land nicht der Fall.

Bedarf für Anlaufstelle vorhanden


Statt einer großen Unterkunft gibt es mehrere kleine: 21 Asylbewerber sind in Hubmersberg untergebracht, 14 in Gersdorf, 10 in Lauf und 19 in privaten Wohnungen. Warum der Bund bei der Förderung eines Beraters zwischen „zentralen“ und „dezentralen“ Unterbringungen unterscheidet, versteht auch am Landratsamt keiner.

Klar ist nur: Der Bedarf für eine solche Anlaufstelle ist auch im Nürnberger Land mit seinen über den Landkreis verteilten Unterkünften vorhanden – und zwar schon jetzt. Deshalb haben die Grünen im Landkreis einen Antrag gestellt, so schnell wie möglich eine entsprechende Stelle zu schaffen.

Der Kreisausschuss hat dem in einer nichtöffentlichen Sitzung jetzt zugestimmt und entsprechende Mittel in den Haushalt eingestellt. Eine genaue Zahl wollte das Landratsamt gestern nicht nennen. Doch die Befürchtung, auf den Kosten am Ende sitzen zu bleiben, sind berechtigt: Die derzeitige Regelung besagt, dass Berater für Asylbewerber, die am Landrats­amt untergebracht sind, nicht vom Bund gefördert werden.

Die Übernahme der Kosten könnte deshalb ein falsches Signal an das zuständige Sozialministerium sein, befürchten etliche Kreisräte, Landrat Armin Kroder und auch die Vertreter der Wohlfahrtsverbände im Landkreis. Noch im Februar sollen deshalb Gespräche mit dem Sozialministerium geführt werden. Die Hoffnung: Entweder die Regelung wird geändert und die Stelle am Landratsamt durch den Bund finanziert oder man findet eine andere Lösung.

Flexibilität ist gefragt

Eine Möglichkeit wäre, die Beratungsstelle auszulagern und bei einem der Wohlfahrtsverbände im Landkreis anzusiedeln. Die Diakonie hat sich hierfür schon bereit erklärt. Dann würden die Fördermittel wohl fließen. Die Stelle soll nun in Teil- oder in Vollzeit ausgeschrieben werden und zunächst auf ein Jahr befristet sein.

Flexibilität ist auf jeden Fall gefragt, denn die Arbeit kann nicht nur Termine an Abenden und Wochenenden mit sich bringen, auch der tatsächliche zeitliche Aufwand ist derzeit nur schwer abzuschätzen. „Ideal wäre es, wenn wir jemanden finden, der zunächst in Teilzeit beginnt, aber auch die Möglichkeit hätte, bei Bedarf aufzustocken“, sagt Landrat Armin Kroder.

Wie sich der Bedarf nämlich weiter entwickelt, hängt auch davon ab, ob der Landkreis weitere geeignete Unterkünfte findet. Eigentlich müssten im Nürnberger Land rund 200 Personen aufgenommen werden. Doch so viel Platz gibt es derzeit nicht. Momentan sind 64 Asylbewerber im Landkreis gemeldet. 25 weitere könnten in Neuhaus, 30 in Altdorf unterkommen.

Amnesty International wirft dem Landkreis Betrug vor

Doch für die beiden geeigneten Objekte, ein Wohnhaus und ein ehemaliges Hotel, fehlen noch die Genehmigungen durch den Gemeinde- beziehungsweise Stadtrat. Entsprechende Sitzungen, in denen das Thema auf die Tagesordnung soll, sind bereits anberaumt.

„Sobald wir das O.K. der Kommunen haben, können die Asylbewerber einziehen“, sagt der Pressesprecher der Landratsamts, Rolf List. Meldungen von Amnesty International Lauf-Hersbruck, der Landkreis hätte bei den Asylbewerberzahlen geschummelt, weist Rolf List von sich.

Amnesty behauptet, der Pressesprecher hätte gesagt, dass bereits 100 Personen im Landkreis untergebracht sind, tatsächlich seien es aber nur knapp halb so viele. „Diese Zahl ist so nie gefallen“, betont List. Er hätte lediglich gesagt, dass es Platz für etwa 100 Personen gäbe, sollte die Unterkunft in Neuhaus bald genehmigt werden. 

Tina Chemnitz


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