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Und: je ländlicher ein Kindergarten, desto schwieriger die Personalsuche. „Zurzeit spule ich in Vorstellungsgesprächen mit Erzieherinnen eher einen Werbefilm für uns ab als umgekehrt“, bringt Martin Heuer, Fachbereichsleiter „Kinder, Bildung und Generationen“ bei der Stadt Lauf die Situation auf den Punkt. Und lässt Zahlen sprechen: Vor drei Jahren bekam er auf eine freie Erzieherinnen-Stelle in einer städtischen Kindertagesstätte noch rund 100 Bewerbungen.
„Jetzt sind es acht bis zehn, wenn wir Glück haben.“ Für qualifiziertes Personal lässt man sich bei der Stadt Lauf einiges einfallen: Verträge werden generell unbefristet abgeschlossen, die Vergütung für Berufspraktikantinnen wurde erhöht, um junge Kräfte möglichst frühzeitig zu binden, flexible Arbeitszeitmodelle zwischen 15 und 39 Stunden sind möglich, und Martin Heuer steht in ständigem Kontakt mit der Fachakademie in Altdorf. Vor allem aber: Der Betreuungsschlüssel in den städtischen Kindergärten Laufs ist mit unter 1:10 (also eine Erzieherin auf zehn Kinder) im Kindergarten- und unter 1:8 im Krippenbereich besser, als es die gesetzlichen Vorgaben (1:11) vorsehen.
„Das bringt uns in Vorstellunggesprächen einen Bonus“, hat Martin Heuer beobachtet, der bislang nicht auf „fachfremdes“ Personal zurückgreifen muss. Aktuell seien zwar zwei Stellen frei, die aber „in absehbarer Zeit“ wiederbesetzt werden.
Um etwa 25 Prozent hat die Stadt Lauf ihr „Erziehungspersonal“ seit Bürgermeister Bispings Amtsantritt aufgestockt, so Heuer. Das sei zum einen dem personalintensiveren Betreuungsschlüssel geschuldet, zum anderen dem Ausbau der Kleinkindbetreuung. Apropos: Zum Stichtag im September wird die Stadt Lauf die gesetzlich geforderte Betreuungsquote von 35 Prozent für Kinder unter drei Jahren auf jeden Fall erfüllen.
Aktuell sind zusätzliche Krippenplätze im ASB-Hort, im Montessori-Kindergarten sowie in der neuen Kunigunden-Kita geplant (mit dem Neubau soll im Frühjahr begonnen werden). „Wir denken, dass wir eine Quote von 40 Prozent erreichen. Ob wir damit aber alle glücklich machen können, die einen Krippenplatz brauchen, ist die große Frage“, sagt Heuer. Schon jetzt erreichen ihn viele Anfragen von Nürnberger Eltern, die er allesamt ablehnen müsse. Auch in Röthenbach steht im September die gesetzlich geforderte Zahl an Krippenplätzen zur Verfügung. „Die Suche nach Erzieherinnen allerdings ist tatsächlich nicht mehr so leicht wie früher“, räumt Jutta Koch von der Stadtverwaltung ein.
Man richte sich sehr nach den Wünschen der Bewerberinnen und biete zum Beispiel fünf Fortbildungen pro Jahr als Anreiz. Aktuell ist in den beiden städtischen Kindergärten eine Kinderpflegerinnen-Stelle nicht besetzt, „und prinzipiell suchen wir laufend Erzieherinnen, um bei Schwangerschaften schnell reagieren zu können.“
Denn dann müssen Erzieherinnen, denen bestimmte Impfungen fehlen, wegen des erhöhten Infektionsrisikos schon im Frühstadium der Schwangerschaft ihren Dienst in der Kita „quittieren“. So geschehen beispielsweise im städtischen Kindergarten am Steinberg, wo von drei neu eingestellten Erzieherinnen letzten September gleich zwei schwanger wurden.
Die meisten Engpässe können laut Jutta Koch durch zwei „Springerinnen“ überbrückt werden. Prinzipiell seien die „gut strukturierten“ Röthenbacher Einrichtungen bei Erzieherinnen schon noch gefragt. Deutlich schwerer als die kommunalen Träger tun sich allerdings die kirchlichen und privaten Kindergärten – und hier vor allem die Einrichtungen auf dem Land. Davon kann Ursula Heckel-Deinzer ein Lied singen. Bis vor wenigen Tagen hat die Leiterin der evangelisch-integrativen Kindertagesstätte „Die Arche“ in Schnaittach dringend personelle Verstärkung gesucht – und ganz aktuell eine Sozialpädagogin eingestellt. „Der Markt ist abgegrast, da muss man Kompromisse schließen.“
Dazu gehört auch, dass ständig Dienstpläne umgeschrieben werden, um die Arbeitszeitwünsche der Bewerberinnen zu berücksichtigen. Seit 2003 hat die „Arche“, die damals als eine der ersten Einrichtungen im Landkreis Kinder ab zwei Jahren aufgenommen hatte, personell kräftig aufgestockt: von 10 auf heute 18 Mitarbeiter, inklusive Hausmeister, Putzfrau und Vorpraktikantinnen. „Ich bin laufend mit Personalmanagement beschäftigt“, erklärt Heckel-Deinzer – nur eine von unzähligen Verwaltungsaufgaben, die sonst, bei kommunalen Trägern, oft von Mitarbeitern in den Rathäusern übernommen werden. Diese Zeit fehle ihr dann für die Arbeit mit den Kindern und damit auch für die Entlastung und Schulung der Kolleginnen.
Auch in Neunkirchen sieht man die personelle Zukunft in den zwei Kindergärten der Gemeinde skeptisch. „Wir hatten zuletzt sehr schlechte Resonanzen auf unsere Stellenausschreibungen“, berichtet Hauptamtsleiter Alfred Gsell. Aktuell könne man den zusätzlichen Bedarf noch abdecken, indem Teilzeitkräfte ihre Stundenzahl „aufstocken“. Doch könne man derzeit nicht absehen, wie viele Neunkirchener Eltern von ihrem Recht auf einen Krippenplatz Gebrauch machen werden. „Dann könnte es sehr eng werden.“
Und wohin mit all den Erzieherinnen, wenn in ein paar Jahren die Kinderzahlen wieder zurückgehen? Überflüssig werde das Personal auf keinen Fall, meint Martin Heuer, im Gegenteil. „Wir sind erst am Anfang der Reise.“ Die Zukunft bringe in puncto Kinderbetreuung noch große Herausforderungen, Inklusion sei nur eine davon. „Wir müssen uns Skandinavien zum Vorbild nehmen, dürfen uns nicht zurücklehnen“, betont Heuer.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.