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„Wir sind sehr beeindruckt, was hier in Schwabach geleistet wurde“, sagt Gerhard Fiedler von der Bürgerinitiative Energiestadt Altdorf, gleichzeitig Mitglied der Altstadtfreunde. Zwar hätten die 150 Mitglieder der Altstadtfreunde schon etliche Maßnahmen auf den Weg gebracht.
Doch eine Wohnbaugesellschaft, die Vermietung und Pflege übernimmt, das fehlt, findet Fiedler. „So eine Institution würde die Stadtverwaltung entlasten.“ Denn diese könne so eine Aufgabe gar nicht stemmen. Das Schwabacher Modell übertragen auf Altdorf findet Fiedler deshalb „hervorragend“.
Fiedler will sich deshalb auch in Altdorf um eine Wohnungsbaugesellschaft wie die Gewobau bemühen. Bei einem Themenabend am Montag werden auch zahlreiche Stadträte anwesend sein. Fiedler hofft auf parteiübergreifende Unterstützung. Denn in Schwabach klappt das gut und lohnt sich auch finanziell, wie der Ausflug der Grünen in die kleinste kreisfreie Stadt Bayerns zeigte.
Architekt Kai Maier, Gewobau-Geschäftsführer Harald Bergmann und Stadtheimatpflegerin Ursula Kaiser-Biburger führten die bunt gemischte Gruppe aus Stadträten, Hersbrucker und Altdorfer Altstadtfreunden sowie Stadtbaumeister Grimm, Kämmerer Hubert Seidler und Bürgermeister Robert Ilg zu ihrem aktuellen Vorzeige-Projekt, der Kappadocia 9, ein Gebäude aus den Jahren um 1530.
„Als wir das Haus gekauft haben, war es einsturzgefährdet“, so Bergmann. Das ist dem Anwesen heute nicht mehr anzusehen. Die gemütlichen kleinen Wohnungen mit niedrigen Decken und Holzsprossenfenstern stehen kurz vor der Fertigstellung.
Dank sorgfältiger Dämmung entsprechen sie dem energetischen Standard eines Neubaus. An einigen Stellen haben die Handwerker die uralten Holzwände bewusst sichtbar gelassen – ein freier Blick auf die lange Geschichte des Hauses: Gerber und Bierbrauer waren in der Kappadocia 9 schon ansässig.
„Zum ersten Mal haben wir bei einer Altstadtsanierung den Archäologen dazugeholt“, erzählt Kaiser-Biburger begeistert. Und der wurde auch direkt fündig: Im Erdgeschoss fand der Wissenschaftler gemauerte Abflussrohre der Gerber. Die sollen erhalten bleiben und werden deshalb nur abgedeckt. „Für mich ist das eine Bereicherung der Stadtgeschichte“, sagt die Stadtheimatpflegerin.
Zwei Millionen Euro hat die Gewobau in das Anwesen investiert. „Wir kaufen die Objekte mit der Absicht, sie später zu vermieten“, erklärt Geschäftsführer Bergmann. Ein erneuter Verkauf nach der Sanierung sei nicht vorgesehen. Gut 700.000 Euro flossen aus der Städtebauförderung in das Projekt.
Und die sanierten Altbauwohnungen mit einem Quadratmeterpreis von 6,50 Euro kommen gut an: Alle sind bereits vergeben. Die Mieter warten nur noch darauf, endlich einziehen zu können. Rund 1300 Wohnungen besitzt die Gewobau. Sanierter Wohnraum in der Altstadt ist nur ein Teil davon.
Dr. Ulrike Eyrich will die Stadt Hersbruck dazu anregen, über ähnliche Projekte nachzudenken und im Haushalt Geld dafür zur Verfügung zu stellen. Stadtkämmerer Hubert Seidler steht in Kontakt mit dem Gewobau-Geschäftsführer und hält – obwohl momentan konkret noch nichts geplant ist – vergleichbare Vorhaben „keinesfalls für ausgeschlossen“.
In Schwabach ist der Sanierungsplan ein echtes Erfolgskonzept. Gewobau-Geschäftsführer Bergmann ist hoch zufrieden und seine Mieter offenbar auch, seine Erfahrung ist: „Wer einmal in ein saniertes Haus eingezogen ist, der zieht so schnell auch nicht mehr aus.“
Am Montag findet um 19. 30 Uhr im Goldenen Ochsen am Altdorfer Marktplatz eine Veranstaltung der Altstadtfreunde und BI Energie statt. Thema des Abends ist die energetische Sanierung denkmalgeschützer Häuser.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.