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Nationalelf will ein Torfestival veranstalten

Berti Vogts wirft schon vorab das Handtuch - 06.09. 10:26 Uhr

Köln  - Beim Boxkampf von Poldi-Kumpel Felix Sturm saßen Bastian Schweinsteiger & Co. in Köln als Fans am Ring - gegen Fußball-Zwerg Aserbaidschan wollen sie wieder selbst zuschlagen.


Löw schwört seine Mannschaft gegen Aserbaidschan ein.
Löw schwört seine Mannschaft gegen Aserbaidschan ein.
Foto: ddp

Nach dem harterkämpften 1:0-Auftakt in Belgien, der große Erleichterung im Kreise des Nationalteams und beim Bundestrainer ausgelöst hat, ist der von Joachim Löw geforderte «Maximalstart mit sechs Punkten» in die EM-Qualifikation programmiert: Beim ersten Heimspiel nach der furiosen Fußball-Weltmeisterschaft wollen die deutschen Kicker den Fans mit einem Torfestival Danke sagen für die tolle Unterstützung während des Turniers in Südafrika.

«Wir wollen speziell den Fans in Deutschland schönen Fußball und einige Tore bieten», kündigte Sami Khedira an. Thomas Müller hofft, dass «schon nach einer halben Stunden ein, zwei Tore gefallen sind». Unterschätzen dürfe man den Gegner aber nicht: «Die Aserbaidschaner sind nicht ganz easy», mahnte der WM-Torschützenkönig. Bastian Schweinsteiger musste mit einer Oberschenkel-Prellung mit dem Training aussetzen, sein Einsatz soll aber nicht in Gefahr sein.

Löw startete mit seinem nach dem Ausfall von Marcell Jansen (Knie) auf 20 Spieler reduzierten Kader mit dem ersten Training in Köln die Vorbereitung. Er ließ üben, wie das «Abwehr-Bollwerk» des Gegners zu brechen ist. Doch sogar Berti Vogts warf schon vorab das Handtuch: «Wir werden natürlich alles Mögliche versuchen, nicht zu hoch zu verlieren», sagte der Ex-Bundestrainer, der seine Auswahl seit einer Woche in Deutschland auf das ungleiche Duell vorbereitet.

Löw hofft auf gute Stimmung in der noch nicht ausverkauften Kölner Arena: «Auf das erste Heimspiel nach der WM freut man sich, wenn man so lange nicht im eigenen Land gespielt hat.» Nach dem Schlusspfiff in Brüssel hatte auch er befreit gelächelt. «Man konnte nicht erwarten, dass alles klappt und funktioniert. Wichtig ist, dass man so ein Spiel auswärts gewinnt», bilanzierte der 50-Jährige nach dem Sieg, den Miroslav Klose mit seinem 53. Tor im 102. Spiel sicherte. «Jetzt ist es wichtig, gegen Aserbaidschan nachzulegen», sagte Klose.

Marcell Jansen kann das nicht. Der Verteidiger fällt wegen einer Knieverletzung aus und reiste am Wochenende zur genauen Untersuchung heim nach Hamburg. Sein Club-Kollege Heiko Westermann dürfte ihn wie schon während der zweiten Hälfte in Brüssel links hinten ersetzen.

Grundstein ist gelegt

«Wir haben an die WM anknüpfen können, auch wenn noch nicht alles optimal lief», urteilte Müller, der seinem Münchner Kollegen Klose das Tor des Abends (51. Minute) aufgelegt hatte. Der Grundstein Richtung EM-Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine ist gelegt. «Es ist ein langer Weg, aber mit so einem Start ist uns etwas Gutes gelungen», meinte Mittelfeldchef Schweinsteiger strahlend.

Löw lobte vor allem die Willenskraft, auch der «Spielfluss» sei nach der Pause besser geworden. Man konnte in Gruppe A gleich ein Zeichen der Stärke setzen. «Es war wichtig, dass man bei diesem Marathon den Rhythmus gut findet und das erste Spiel gewinnt, um nachher nicht ständig hinterherrennen zu müssen», sagte der Coach. Die talentierten Belgier waren zu diesem frühen Saison-Zeitpunkt eine echte Prüfung: «Hier werden andere Mannschaften noch Punkte lassen.»

Der Sieg sichert die Ruhe, ein Fehlstart hätte womöglich auch den Ruf nach Michael Ballack laut werden lassen. Der noch nicht wieder topfitte Kapitän muss sich vorerst weiter hinten anstellen. «Wenn man älter wird, da muss man sich dran gewöhnen, sind natürlich junge Spieler hintendran. Es wird mit dem Alter nicht immer leichter», bemerkte Teammanager Oliver Bierhoff. Der 23 Jahre junge Ballack- Konkurrent Khedira bestätigte diese Einschätzung: «Michael Ballack hat genau den Anspruch, den ich auch habe, dabei zu sein und zu spielen. Es ist ein rein sportlicher Wettkampf.»

Es ging auch beim Neustart ohne Ballack, das Fundament und die bei der WM erarbeiteten Automatismen lassen Löw schwärmen: «Wenn ich die Perspektiven der Mannschaft sehe, habe ich ein unglaublich positives Gefühl.» Die Ansprüche aber sind gestiegen, auch bei den Spielern. «Jeder von uns erwartet, dass wir jedes Spiel gewinnen. Wir sind der Favorit, und dem müssen wir gerecht werden», verkündete forsch Torhüter Manuel Neuer, der seinen Status als Nummer 1 in Belgien weiter festigte: «Ich freue mich über jedes Spiel zu Null.»

Ein Gewinner war auch Holger Badstuber (21). Der Bayern-Youngster ist nach dem langwierigen Ausfall von WM-Stammkraft Arne Friedrich vorerst Kandidat Nummer 1 als Innendecker neben Per Mertesacker. «Natürlich braucht er bei uns noch ein paar Spiele auf dieser Position», sagte Löw und bescheinigte Badstuber «gute Perspektiven».

Ranhalten muss sich dagegen Lukas Podolski. «In der zweiten Halbzeit ist er abgefallen, er war nicht so im Spiel», rüffelte Löw seinen in Belgien ausgewechselten Lieblingsschüler. Bei seinem Heimspiel muss sich Podolski durchboxen so wie sein Faustkampf-Kumpel Sturm in der Kölner Arena gegen Giovanni Lorenzo.

Startaufstellung: Neuer - Lahm, Mertesacker, Badstuber, Westermann - Khedira, Schweinsteiger - Müller, Özil, Podolski - Klose 





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