Mittwoch, 14.11.2018

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Neptunbrunnen: Irrfahrten des Meeresgottes

Infotafel im Stadtpark zur Geschichte des Brunnens - 10.10.2012 08:24 Uhr

Sie freuten sich über die neue Stele um die Wette (von links): Gerald Raschke, Achim Mletzko, Gabriele Penzkofer-Röhrl, Jürgen Fischer, Baureferent Wolfgang Baumann und Tobias Schmidt. © Michael Matejka


Die Informationstafel bietet dem Betrachter einen Abriss zur Geschichte des Neptunbrunnens. Das Original wurde bekanntlich im Auftrag der Reichsstadt Nürnberg 1668 fertiggestellt, konnte auf dem Hauptmarkt nicht aufgestellt werden und landete in einem Schuppen des Bauhofs. Zar Paul I. erwarb den Brunnen schließlich 1796 für das Schloss Peterhof bei St.Petersburg.

Der jüdische Hopfenhändler Ludwig Ritter v. Gerngros stiftete gut 100 Jahre später eine Kopie des barocken Brunnenkunstwerkes, das 1902 auf dem Hauptmarkt errichtet wurde. Die Nationalsozialisten ließen 1933 die Stiftertafel entfernen und 1934 den Brunnen abbauen. Wer genau dabei die Fäden zog und mit welchen Motiven, lässt sich bis heute nicht exakt klären. Der 2010 gegründete Verein „Neptunbrunnen zurück auf den Hauptmarkt“ ist überzeugt, Hitler persönlich habe damals den Abbau aus antisemitischen Gründen angeordnet. Stadtheimatpflegerin Claudia Maué hingegen verweist darauf, dass es im Stadtarchiv keine eindeutigen Quellen dazu gibt.

Zusammen mit Stadtarchivar Steven Zahlaus hat Maué daher eine historische Darstellung erarbeitet, die den heute bekannten Dokumenten entspricht. Danach wurde Ritter v. Gerngros’ Stiftertafel 1933 „auf Drängen der Nationasozialisten“ entfernt, da es sich „um eine jüdische Stiftung handelte“, heißt es auf der neuen Infotafel im Stadtpark. Der Brunnen selbst sei „bei Veranstaltungen, die im Rahmen der Reichsparteitage stattfanden, im Wege“ gewesen – und deshalb vom Hauptmarkt entfernt worden. Das barocke Kunstwerk selbst soll den Nazis eigentlich gut gefallen haben. Dafür spricht, dass der Neptunbrunnen 1937 auf dem damaligen Schlageter-Platz (heute: Willy-Brandt-Platz) wieder aufgebaut wurde – genau gegenüber dem Hauptquartier von Gauleiter Julius Streicher.

Tobias Schmidt vom Bürgerverein Nürnberg-Nord erinnerte an die „emotionale Debatte“ hierüber im Kulturausschuss – und sprach der Stadt den „ausdrücklichen Dank“ des Bürgervereins für die Stele aus. Im Stadtgebiet gebe es aber noch zahlreiche weitere Brunnen, an denen erklärende Tafeln wünschenswert seien.

Nach Auffassung von Stadträtin Gabriele Penzkofer-Röhrl ist der Neptun-Brunnen für Generationen Maxfeld-Bewohnern ein Bestandteil des Stadtparks. Die Diskussion um Brunnentypen und deren passende Umgebung sei den Bürgern egal: „Man muss das Ganze auch mal aus dem Gefühl sehen.“

André Freud, Vorsitzender des Neptunbrunnen-Vereins, wiederum zeigte sich einmal mehr überzeugt, dass die damalige Stiftung des Hopfenhändlers v. Gerngros mit der Auflage verknüpft gewesen sei, den Neptunbrunnen auf dem Hauptmarkt aufzustellen. Die Stadt Nürnberg zementiere daher im Stadtpark eine Rechtsverletzung.

Hochbauamts-Chef Wolfgang Vinzl sicherte derweil zu, dass fehlende Teile des Neptunbrunnens – wie das Ruder in der Hand der Nymphe – baldmöglichst ergänzt werden sollen. Grundlage dafür sind Abgüsse, die in den 1990er Jahren vom Original in St.Petersburg gefertigt wurden.
  

Tilmann Grewe E-Mail

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