Liebeskummer hat es in sich. Er sorgt für Gefühlschaos, heulendes Elend und abgrundtiefe Verzweiflung. Die gute Nachricht: Auch der schlimmste Kummer ist eines Tages überwunden. Bis es so weit
ist, helfen vor allem Ablenkung und Gespräche mit Freunden.
„Liebeskummer lohnt sich nicht, my darling“, trällerte die schwedische Schlagersängerin Siw Malmkvist vor 50 Jahren ziemlich fröhlich ins Mikrofon. Im Prinzip hatte sie zwar Recht, doch tröstlich ist diese Erkenntnis für Betroffene nicht. Und außerdem hat sich Malmkvist schon in der vierten Textzeile gewaltig geirrt: „Weil schon morgen dein Herz darüber lacht.“
So schnell geht der Herzschmerz nicht vorbei. Wer heute einen Korb bekommt, sitzt sicherlich auch morgen noch unglücklich in der Ecke. Tröstlich dabei ist aber eine Beobachtung, die der Hamburger Psychotherapeut Michael Schellberg macht: „Spätestens nach einem halben Jahr ist man damit durch.“
Doch dieses halbe Jahr ist nicht leicht und bietet ein Wechselbad der Gefühle von Ohnmacht, Selbstzweifeln, Angst und vielleicht sogar Hass. Im Kopf dreht sich alles um die immer gleichen Fragen, die meist mit einem „warum?“ anfangen.
Viele Betroffene ziehen sich zurück. Einige Menschen denken sogar an Selbstmord, weil ihnen ein Leben ohne den Geliebten sinnlos erscheint. „Es werden dieselben Urgefühle angesprochen wie bei der Trauer um einen verstorbenen Menschen. Es ist deshalb völlig normal, herumzuheulen“, erklärt Christa Roth-Sackenheim, Psychotherapeutin und Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Psychiater. Die Mannheimer Psychotherapeutin Doris Wolf sieht Selbstmitleid als ein Zeichen für „Phase zwei“ des Liebeskummers: die Phase der aufbrechenden Gefühle.
Im Gegensatz zu „Phase eins“, in der es um Verleugnen geht, schwindet hier die Hoffnung und Verzweiflung bricht aus. Wenn die ersten Rachegedanken und Wut auftauchen, ist das im Prinzip ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass sich die schlimme Zeit dem Ende zuneigt und die nächste Phase der Neuorientierung bald beginnt.
„Jeder Betroffene braucht seine eigene Zeit, um den Liebeskummer
zu überwinden“, sagt Wolf. Auch
die äußeren Umstände beeinflus-
sen Dauer und Intensität des Liebeskummers. Wenn das Verhalten des Ex-Partners immer wieder Anlass
zur Hoffnung gibt, macht es das
zwar kurzzeitig leichter — lang-
fristig jedoch schwieriger. „Besonders schlimm ist eine Trennung auch für Menschen, die sich nur auf ihren Partner konzentriert und wenig Kontakte haben“, sagt Roth-Sackenheim.
Für diejenigen bricht oft eine Welt zusammen. Sie haben das Gefühl, als ob der Ex-Partner ihnen ihr Leben wegnimmt. Deutlich besser dran sind Betroffene, die über ein gutes soziales Umfeld und viele Freunde und Bekannte verfügen.
„Freunde sollten in der ersten Zeit des Liebeskummers zuhören, Tee kochen und Taschentücher reichen“, rät die Psychotherapeutin. Ein guter Trick der Ablenkung sei es, den Trauernden zu bitten, mit ins Theater oder ins Kino zu kommen, weil man sonst ganz alleine gehen müsse, sagt Schellberg.
Wer sich selbst aus dem Liebeskummer-Loch herausziehen will, sollte auf jeden Fall etwas unternehmen. Vor allem durch Bewegung und Sport kann es häufig gelingen, die Stimmung zu heben. Entscheidend dafür, wie lange und intensiv der Liebeskummer anhält, ist auch der Ablauf einer Trennung. Wer sich im Guten trennt, anstatt gegen den Ex-Partner zu kämpfen oder schmutzige Wäsche zu waschen, muss mit deutlich weniger Verletzungen klarkommen.
Schellberg rät, die eigene Idee von Liebe sehr kritisch zu hinterfragen. Liebe ich den anderen wirklich? Oder will ich ihn nur besitzen und raube ihm seine Freiheit? Wenn ich ihn wirklich liebe, möchte ich doch, dass er glücklich wird — wenn es sein muss, auch ohne mich. „Hinter dem Liebeskummer stecken oft selbstsüchtige Motive. Wer sich dies klarmacht, kommt schneller wieder auf die Beine“, glaubt die Expertin.


Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.