So richtig wissenschaftlich erforscht ist das Phänomen noch nicht. Trotzdem handelt es sich dabei um keinen üblen Scherz.
Denn die Meldungen darüber häufen sich — zumindest in diversen Gesundheitsforen im Internet oder auf virtuellen Kochseiten, die ebenfalls ein Podium für Fragen und Antworten jedweder Art rund ums Thema Essen bieten: „Ich habe vor sieben Tagen eine Hand voll Pinienkerne gegessen, nun habe ich bei jedem Essen einen gallenbitteren Geschmack im Mund, kennt das jemand?“ Andere befürchten, dass sie ihren Geschmackssinn verloren haben. Leider können auch Ärzte bei dem Phänomen nicht weiterhelfen. Das so genannte Pinienkern-Syndrom verschwindet in aller Regel nach zwei bis 14 Tagen wieder von selbst.
Was steckt — zumindest nach bisherigem Erkenntnisstand der Forschung — dahinter? Diese Geschmacksirritationen tauchten bislang vor allem bei Pinienkernen der Sorte Koreanische-Pinie aus China und Pakistan auf, sagen die Experten des Bundesamts für Risikobewertung (BfR). Zwei Ursachen werden dabei diskutiert: Bestimmte Substanzen, die diese Pinienkerne, nicht aber jene aus dem Mittelmeerraum enthalten, könnten dafür verantwortlich sein. Beispielsweise Proteine, die den Geschmackssinn beeinflussen. Da aber die Symptome teils sehr zeitverzögert (oft erst zwei bis drei Tage nach dem Verzehr) auftreten, wird auch überlegt, ob im Blut bestimmte Verbindungen entstehen, die die Geschmacksrezeptoren beeinflussen.
Andere gesundheitliche Beeinträchtigungen können bislang nicht zweifelsfrei belegt werden. Auch weiß niemand, wie hoch die Minimaldosis sein muss, bis die Wirkung eintritt. Relativ sicher ist wohl, dass die falschen Kerne keine Vergiftung hervorrufen, doch das BfR schließt eine Gesundheitsgefahr nicht aus.
Was tun? Am besten um die (sehr viel günstigeren) Pinienkerne aus dem asiatischen Raum einen großen Bogen machen. Oft sind sie auch unter dem Namen Zedernkerne im Handel. Man erkennt sie jedoch ganz gut am Aussehen. Sie sind rundlicher und gelblicher als die echten Pinienkerne, die in Europa wachsen. Und aufpassen: Denn auch im fertig abgepackten Kernmix, den man über den Salat streut, können solche „falschen“ Früchtchen beigemischt sein.
MARTINA HILDEBRAND


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