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Das Moderatorenkarussell im Fernsehen dreht sich: Günther Jauch talkt bald im Ersten, Harald Schmidt geht zu Sat.1, und auch Jörg Pilawa hat gewechselt. Jahrelang war er als Moderator bei der ARD im Dauereinsatz, dann heuerte er beim ZDF an. Der TV-Star aus Hamburg gibt nun in der neuen Rateshow „Rette die Million!“ (Mittwoch, 13.10., 20.15 Uhr) sein Debüt beim ZDF. Wir sprachen mit dem Showmaster.
Herr Pilawa, in den vergangenen Monaten haben Sie sich eine kreative Pause vom Fernsehgeschäft gegönnt. Haben Sie sich die ganze Zeit auf Ihrer kanadischen Insel entspannt, die Sie vor einer Weile erworben haben?
Jörg Pilawa (lacht): Diese Insel verfolgt mich, das ist ja grauenhaft! Ich muss an dieser Stelle glaube ich mal erklären, dass sie ein reines Vermietungsobjekt ist, da verbringen meine Familie und ich überhaupt keine Zeit. Übrigens hat sie nicht mal so viel gekostet wie der kleinste Vorgarten auf Sylt.
Wie haben Sie Ihre Ferien denn dann verbracht?
Wir sind viel gereist, unter anderem haben wir uns Neuseeland zweieinhalb Monate lang mit dem Wohnmobil angeguckt. Ich habe es genossen, mal gar nichts zu tun, und ich habe acht Monate lang gar kein Fernsehen geguckt. Daheim habe ich gemerkt, dass ich nicht viel verpasst habe, denn es lief immer noch dasselbe Programm wie zuvor.
Stimmt, unter anderem waren auch Aufzeichnungen Ihrer Quizshow im Ersten bis vor kurzem zu sehen. Wahrscheinlich ist vielen Zuschauern gar nicht aufgefallen, dass Sie Pause hatten.
Mancher Zuschauer wird vielleicht nur daran merken, dass ich weg war, dass meine Haare mittlerweile grauer und ein bisschen länger sind. Aber im Ernst, als ich aus meinem Urlaub zurückkam und sah, dass ich im Fernsehen wirklich ständig präsent war, auch wegen der Wiederholungen in den Dritten Programmen, habe ich mich fast ein bisschen geärgert. Ich wollte ja nicht nur für mich, sondern auch für den Zuschauer eine Pause. Aber was soll’s, so ist es jetzt eben gelaufen. Das ist aber auch einer der Gründe, warum ich beim ZDF erst mal ganz langsam wieder einstarte, ich mache ja dieses Jahr nur drei Sendungen.
Bei der ARD waren Sie dagegen im Dauereinsatz – jetzt müssen sich gleich mehrere Moderatoren Ihre Nachfolge teilen...
Meine Frau sagte früher immer: Du hast einen Sprachfehler, du kannst nicht nein sagen. Aber während meiner Auszeit haben sich bei mir ein paar gedankliche Fenster geöffnet. Ich habe in den letzten Jahren im Hamsterrad Fernsehen ein paar Umdrehungen zu viel gemacht. In Zukunft will ich weniger arbeiten, diese acht Monate Pause waren so wunderschön, und ich will dieses hohe Gut Zeit künftig mehr genießen. Diese hohe Schlagzahl mit bis zu 220 Sendungen pro Jahr möchte ich einfach nicht mehr.
Und wenn das ZDF Sie stärker einspannen will?
ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut sagte mir neulich schon, dass ich der erste Moderator bin, der weniger machen will, alle anderen würden immer nur sagen: mehr, mehr, mehr. Ursprünglich war ja auch geplant, dass ich am Dienstag Abend eine Late Night Show mache, parallel kam aber beim ZDF der Wunsch auf, dass ich häufiger Shows am Mittwoch Abend moderieren soll, bis zu 22 Mal im nächsten Jahr.
Ich habe dann gesagt, dass ich nur eines von beiden mache, sonst lande ich ratzfatz wieder im gleichen Hamsterrad wie vorher. Das ZDF hat sich für den Mittwoch entschieden.
Ihre erste Sendung für Ihren neuen Arbeitgeber ist die Ratesendung „Rette die Million!“, also schon wieder eine Quizshow. Hätten Sie nicht mal Lust auf was Neues?
Die Frage ist doch: Was ist im Fernsehen neu? Wir werden alle das Fernsehen nicht neu erfinden, man kann nur neue Nuancen finden. Deshalb bin ich von „Rette die Million!“ ganz angetan. Sehen Sie, seit Jahren mache ich Rateshows, ich kenne weltweit fast alle Quizformate und dachte, man kann das nicht weiterentwickeln. Aber hier sind doch einige Elemente komplett anders.
Die Kandidaten müssen eine Million Euro, die sie am Anfang bar auf die Hand bekommen, über acht Fragen retten, da passieren ganz andere emotionale Momente, als wenn es um eine fiktive Summe geht. Es geht bei „Rette die Million!“ auch ums Zocken, um das Zusammenspiel der Kandidaten, die gemeinsam die Million verteidigen. Und für mich: „Rette die Million!“ ist ein neues Format – und damit ist immer auch die Chance verbunden, zu scheitern. Das baut produktive Spannung auf.
Würde Sie auch die Nachfolge von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass..?“ reizen?
Diese Frage stellt sich überhaupt nicht. Ich stelle ja jetzt mit „Rette die Million!“ meine eigene, ganz neue Sendung auf die Schiene. Und wenn es bei einem Format im deutschen Fernsehen keinen Handlungsbedarf gibt, dann bei „Wetten, dass..?“. Ich finde die Sendung großartig, und auch wenn es viele Unkenrufe wegen der Quoten gibt, holt die Show als einzige Unterhaltungssendung in Deutschland immer noch rund zehn Millionen Zuschauer.
Aber wäre „Wetten, dass..?“ nicht die Krönung Ihrer Karriere? Wovon träumen Sie denn sonst beruflich?
Ich glaube, dass wir so eine erfolgreiche serielle Show nie wieder haben werden. Wir werden am Samstagabend nur noch mit besonderen, punktuellen Events in der Unterhaltung Quote machen, wie wir das im Ersten mit „Frag doch mal die Maus“ versucht haben.
So etwas könnte ich mir für 2011, 2012 gut vorstellen – eine Show zur Kindernachrichtensendung „Logo“ beispielsweise oder zur Dokureihe „Terra X“.
Hätten Sie da nicht gleich bei der ARD bleiben können?
Wenn ich es mir wirklich leicht machen wollte, würde ich mittwochs ein „Star Quiz“, so wie ich es in der ARD gemacht habe, moderieren. Das hätte dann fünf bis sieben Millionen Zuschauer und das ZDF wäre zufrieden. Aber dann hätte ich wirklich in der ARD bleiben können.
Ich habe mich für das ZDF entschieden, weil ich die Chance hatte, einen neuen Sender kennen zu lernen und einen neuen Sendeplatz zu bespielen, einfach mal ein bisschen was anderes zu machen – mehr steckt da nicht dahinter.
Ich weiß, das klingt sehr unspannend. Jeder hätte wahrscheinlich akzeptiert, dass ich von der ARD weggehe, wenn etwas Schlimmes vorgefallen wäre, wenn es Streit gegeben hätte.
Dass ein Moderator den Sender wechselt, obwohl er gut behandelt wird, gute Sendeplätze hat und erfolgreich ist, das ist für viele Leute sicherlich schwer vorstellbar.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.