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Die Liebe ist halt nicht immer rosarot. Das weiß doch jeder. In Komische Liebesgedichte (Verlag Kein&Aber, 16,90 Euro, aufgespürt von Christian Maintz) kommt sie schräg, absurd, derb und manchmal ein bisschen als Schweinkram daher. Wer Lyrik mag, wird garantiert Spaß haben mit Heinz Erhardt, Joachim Ringelnatz, Robert Gernhardt, Ernst Jandl und jüngeren Autoren wie Wiglaf Droste und Thomas Gsella. Oder mit Harry Rowohlt, der es auf den Punkt bringt: „Zum Verfehlen brauch ich, egal, wie beschissen, Ein Thema, möglichst deutlich umrissen, Aber Liebe, verdamm mich, Ist mir zu schwammig“.
Apropos Harry Rowohlt. Wegen ihm hätte ich neulich beinahe einen Autounfall gebaut. Auf dem Weg in die Redaktion hatte ich das Hörbuch John Rock oder der Teufel (Kein&Aber-Verlag, 16,90 Euro) in den CD-Player geschoben und lauschte ziemlich amüsiert diesem Western mit viel typischer Hintergrundmusik, Pferdegetrappel und Rowohlts tiefer rauchiger Stimme (die ich auch gerne hätte). Doch als der erste Schuss aus dem Lautsprecher knallte, bin ich so erschrocken, dass ich das Lenkrad verriss, worauf mir ein anderer Autofahrer den Stinkefinger zeigte.
Harry Rowohlt liest hier eigentlich einen Artikel, den er mal für die Rubrik „Mein Leibgericht“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geschrieben hat. Darin kocht John Rock in einer vermaledeiten Blockhütte sein Leibgericht, während er so ganz nebenbei durchs Fenster mit der Flinte ein paar Bösewichte erledigt und sich mit den Apachen anlegt.
Natürlich ist John Rocks Leibgericht „Schlichtglibber Shaolin“ für normale Menschen ungenießbar. Aber darum geht es auch gar nicht. Diese Geschichte ist Nonsens pur (ein bisschen teuer vielleicht bei nur 23 Minuten für 16,90 Euro) aber für Rowohlt-Liebhaber ein Leckerbissen, den man nicht beim Autofahren verzehren sollte.
Der Buchtitel Der Assistent der Sterne (Galiani Berlin bei Kiepenheuer & Witsch, 19,95 Euro) klang mir – pardon – zunächst etwas zu schmalzig. Die Geschichte von Autor Linus Reichlin, der 2009 den Deutschen Krimipreis erhielt, ist es nicht.
Hannes Jensen ist ein Ex-Polizist und leidenschaftlicher Physik-Liebhaber. Während eines Seminars in Island hatte er eine stürmische Nacht mit einer Unbekannten, die ihm einen heftigen Liebesbiss verpasste. Doch wie soll er diese Geschichte vor seiner blinden Freundin Annick geheimhalten, die ein Kind von ihm erwartet? Noch dazu, da ein afrikanischer Wahrsager Annicks Freundin vorausgesagt hat, dass ihre Tochter von einem Mann ermordet werden wird, der ein Mal am Hals trägt. Je mehr Jensen sich aus diesen Verstrickungen befreien will, desto mehr gerät er hinein.
Wie wundervoll ist doch Die kleine Göttin der Fruchtbarkeit (Kindler Verlag, 17,95 Euro) von Autor Paul Mesa. Die kleine Bica (1,49 Meter) arbeitet als Zimmermädchen im Kleinen Schoßhotel, das so heißt, weil der Grafiker das „l“ auf fünftausend Prospekten und Hunderten von Gläsern, Tellern und Servietten vergessen hat. Erst vor zwei Wochen ist Bicas Mutter gestorben, vor zwei Tagen hat sie die Urne wieder ausgegraben. Wie seltsam, dass Mutter auf einmal aufersteht und mit Bica Kaffee trinkt.
Bica ist nicht nur in Trauer, sie ist auch verliebt. Dummerweise schwärmt sie für den verheirateten Frauenaufreißer Galao, der eigentlich Gilbert Kindermann heißt. Doch weil Bica eine Affäre mit ihm hatte, immer noch an die große Liebe glaubt und unbedingt schwanger werden möchte, durchsticht sie alle Kondome, die sie beim Saubermachen in den Gästezimmern findet.
Blöd nur, dass sie dabei von Morten überrascht wird, dem Sohn der Schoßhotel-Inhaberin. Blöd, dass sie von einem Hotelgast nach ihrer Affäre mit Herrn Kindermann nackig in einem Hotelzimmer gesehen wird. Und besonders blöd, dass Frau Kindermann sie erwischt, als sie Galaos Haus bespitzelt. Nun ist der gute Ruf des Kleinen Schoßhotels wirklich in Gefahr.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.