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Ein Leben für den Jazz

Berühmt wurde Schauspielerin Marianne Mendt mit einem Popsong, aber fasziniert ist sie von anderen Tönen - 28.09. 01:58 Uhr

Marianne Mendt, Schauspielerin und Musikerin war mit "Wia a Glock`n, die 24 Stunden leit" vor 40 Jahren in den Charts und gilt seitdem als "Mutter des Austro-Pop".

Marianne Mendt
Marianne Mendt
Marianne Mendt
Marianne Mendt

Ohrenbetäubender Krach auf der anderen Seite der Leitung. Aus den Geräuschen klingt eine ferne Erinnerung: Das ist eindeutig „Wia a Glock‘n, die 24 Stunden leit‘“. 40 Jahre ist dieser Song von Marianne Mendt alt, die Sängerin lacht schallend, als sie ans Telefon kommt. Es ist auch zu kurios, dass ausgerechnet dieses Lied, mit dem für die Wienerin 1970 alles begann, zu Beginn des Gesprächs mit ihr im Hintergrund läuft.

Marianne Mendt ist mitten in der Probe für ein „Glock‘n-Revival“-Konzert im Wiener Volkstheater, das Jubiläum muss gefeiert werden. Als Gerhard Bronner seinerzeit den Schlager für sie schrieb, war die großgewachsene blonde Jazzerin 25 Jahre alt. Im Feuer der Jugend löste die erste Dialektsängerin eine Lawine aus.



„Wolfgang Ambros hat mich ,Mutter des Austro-Pop‘ getauft, da habe ich mich geehrt gefühlt“, erinnert sich die Frau mit der durch und durch wienerischen Dialektstimme. Auf Marianne Mendt folgten nicht nur Ambros, sondern Rainhard Fendrich, Georg Danzer, Falco und andere. In Deutschland fühlte sich Joy Flemming in Mannheim animiert, Jazz-Songs im Dialekt zu röhren, „Lisa Fitz hat die bayrische Gangart vertreten und nicht zu vergessen, der Udo Lindenberg ist auch auf unseren Zug aufgesprungen“, beschreibt sie den Sog damals.

Tatsächlich ist die Österreicherin nicht unschuldig daran, dass die jazzige Schlagermusik einen völlig neuen, anspruchsvolleren Weg genommen hat. Aber das ist nur eine Seite der Marianne Mendt, deren Temperament und Elan sogar im Telefongespräch noch wirken, als habe man einen auf vollen Touren laufenden Motor gegenüber.

Die Musik war schon immer ihr Ding. Ihr Vater, ein gebürtiger Wiener mit tschechischen und französischen Wurzeln, und ihre Mutter, eine Düsseldorferin mit holländischen Vorfahren, lebten lange in Toulouse, dort sind auch ihr Bruder und eine Schwester geboren.

Die Eltern waren begeisterte Tänzer; dieses Gefühl für Rhythmus und Melodie haben alle Kinder geerbt. Marianne, die Jüngste in der Familie, ein echtes Wiener Kind, an der Donau geboren und aufgewachsen, erinnert sich gut an ihre jungen Jahre. „Für die Mutter war es in den 50er Jahren nicht einfach. Die Österreicher liebten die Deutschen gar nicht und sie musste sich oft anhören: „Was will die hier, mit ihren Kindern“. Die Jugendlichen unterstützten die Eltern mit Selbstbewusstsein: „Mir hom ihnen die Wadln firi g‘richt, wie wir auf gut Wienerisch sagen“.

Marianne nahm Klavierunterricht und absolvierte eine klassische Gesangsausbildung. „Von der Stimmlage her ein typischer Sopran, aber heute komme ich mühelos eine Quint tiefer“, tönt es mit einer Stimme, die so manche Zigarette vermuten lässt. „Ja, ich rauche“, steht sie zu ihrem Laster: „Zwei Tage vor einem Konzert geht‘s natürlich nicht, aber wenn der letzte Ton verklungen ist, könnt‘ ich mir gleich zehn auf einmal anstecken.“

Die rheinische Mutter hatte während der Erziehung auf das Hochdeutsch ihrer Kinder geachtet. Das kam der Sängerin beim Karrierestart zupass. In Essen sang sie im Musical „Funny Girl“, sie spielte in Zürich Theater und in Berlin am Schiller-Theater. „Keineswegs nur Wienerische Stoffe, sondern die Klassiker rauf und runter.“ Vor einiger Zeit machte sie im Ronachertheater mit den „Vagina Monologen“ auf sich aufmerksam. Julia Stemberger, Sonja Kirchberger und sie gestalteten das Feministinnen-Stück zum Ereignis.

In den 80er Jahren kam das Fernsehen auf die Schauspielerin zu, besser gesagt, die Drehbuchautorin Uli und der Regisseur Xaver Schwarzenberger erarbeiteten schwarzhumorige Wiener G‘schichten, die die starken Seiten der Darstellerin noch unterstrichen. „Dinner for two“ mit ihr und mit Gisela Schneeberger als Partnerin ist noch bestens in Erinnerung und jüngst die böse Komödie „Seine Mutter und ich“, in der Marianne Mendt Wiener Schnitzel im Akkord brät, um den Sohn mit panierten Liebesgaben von der Schwiegertochter loszueisen.

Über so eine Frau, „die doch zum Psychiater gehört“, kann sich Marianne Mendt amüsieren. Sie selbst, von Anfang an alleinerziehende Mutter der mittlerweile 30-jährigen Anna, würde nie auf die Idee kommen, „dem Kind“ hineinzureden. Anna, die Theaterwissenschaftlerin, mit organisatorischen Aufgaben beim ORF betraut, ist Mutters Stolz und gute Freundin.

Der Lebensinhalt freilich ist für Marianne Mendt der Jazz und sonst gar nichts. „Ober i hob koan Stress“, senkt sie die markante Stimme. Sie arbeitet einfach gern. Zum Beispiel für das zwölf-tägige Jazz-Festival ab Ende September in St. Pölten. Das ist ihr ureigenes Ding. Dafür tourt sie ein Jahr lang durch Österreich, um Talente aufzuspüren.

Barbara Dennerlein, die international renommierte Jazz-Organistin, kam durch Marianne Mendt zu europaweiter Popularität.

Die Kraft der Österreicherin ist ungemein ansteckend, weil sie eine positive Selbstzufriedenheit ausstrahlt. Rückschläge gab es genügend, aber keinen, von dem sie es nicht verstanden hätte, ihn wieder in einen Energieschub umzumünzen. „1974 stand zur Debatte, ob ich in New York bleiben soll. Aber ich wusste nicht so recht, wie sich eine private Sache entwickeln wird und ging zurück nach Wien.“ Eine weise Entscheidung.  





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