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Die rund 150 Millionen Jahre alten Fische, die seit Sommer 2007 aus der neuen Grabungsstelle des Museums im Steinbruch Ettling zwischen Neumarkt in der Oberpfalz und Landshut ans Tageslicht kommen, sind – um im Bild zu bleiben – äußerst zart und zerfallen leicht.
Deshalb reißen sich Spezialisten aus aller Welt um die Funde, von denen einige jetzt in einer Sonderausstellung präsentiert werden.
Der Plattenkalk, in dem die organischen Fischreste zu Fossilien umgewandelt wurden, ist an dieser Stelle oft weich wie Kreide. Dies erschwert zwar die Bergung und Präparation der Fossilien, garantiert aber großen Detailreichtum. Dieser sei, sagt Museumsleiterin Martina Kölbl-Ebert, größer und die Farberhaltung besser als bei den weltberühmten Funden aus der Region Solnhofen/Eichstätt.
Bei einigen Tieren kann man neben Magen und Darm sogar die Schwimmblase und einzelne Muskelstränge erkennen. Bei Fischen der Gattung Thrissops war die Haut ähnlich wie bei Regenbogenforellen mit dunklen Punkten übersät. „Unglaublich, dass so alte Fische so gut erhalten sein können“, schwärmt die Paläontologin.
In der Ettlinger Wanne, einer der vielen Lagunen des Jura-Meeres, wurden die Fischknochen bei der Fossilisation weder durch große Kalzitkristalle noch durch Verkieselungen oder Mineralienablagerungen verunstaltet. So blieben selbst feinste Strukturen erkennbar. Dies erleichtert die anatomische Beschreibung und Unterscheidung der einzelnen Fischarten.
Bisher wurden 30 Spezies ausgegraben, von denen mindestens die Hälfte bisher unbekannt waren. Offenbar ist Diplomgeologe Martin Ebert, der die Grabung leitet, auf ein recht seltsames Ökosystem gestoßen. Es bestand fast ausschließlich aus Fischen und einigen wenigen Krebsen.
Ammoniten sind extrem selten und schlecht erhalten, was eine genaue zeitliche Einteilung der Funde erschwert. Die Forscher vermuten derzeit, dass die Fossilien der Ettlinger Wanne bis zu zwei Millionen Jahre älter sind als die aus der Region Solnhofen/Eichstätt.
„In solchen Zeiträumen passiert schon einiges“, sagt Kölbl-Ebert. In der Lagune haben sich sogenannte endemische Arten entwickelt, die es nirgendwo sonst gibt.
Star der Ausgrabung ist der endemische Knochenfisch Orthogonikleithrus hoelli aus der Verwandtschaft der Lachsartigen. Mit 1,5 bis maximal 5,5 Zentimetern Länge gilt die neue Spezies als kleinster Fisch der süddeutschen Plattenkalke. Mehrere hundert solche Exemplare konnten geborgen werden. Jungtiere und Erwachsene bewohnten offenbar dieselben oberflächennahen Wasserschichten. Sie bildeten vermutlich die wichtigste Nahrungsgrundlage für größere Raubfische.
Einige Orthogonikleithrus haben sich kannibalisch ernährt. Das dürften wohl weltweit die kleinsten fossilen Fische sein, in denen noch ein Beutefisch steckt. „Da waren die Augen größer als der Magen“, witzelt die Museumsleiterin.
Bemerkenswert sind eine Reihe weiterer Funde, bei denen Orthogonikleithrus hoelli mit den Brustflossen in den Kiemen größerer Raubfische verkeilt ist. Räuber und Beute fanden so dasselbe Grab.
Die Unfälle von damals geben den Forschern Einblick in die frühe anatomische Entwicklung der Echten Knochenfische, die im Oberjura zahlreiche neue Formen bildeten und heute über 96 Prozent aller lebenden Fischarten ausmachen. Ihr Artenreichtum weist die Ettlinger Wanne als Planschbecken der Evolution aus.
Die Fische-Sonderausstellung läuft noch bis November 2011 im Jura-Museum Eichstätt auf der Willibaldsburg, Tel.: (08421)2956, www.jura-museum.de

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.