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Eine ganze Reihe von Hautproblemen könne durch Stress verstärkt oder sogar verursacht werden, erklärt Kurt Seikowski, Psychologe an der Klinik für Dermatologie des Uni-Klinikums Leipzig und Mitglied des Arbeitskreises Psychosomatische Dermatologie. Stress sei ein wichtiger Faktor bei vererbten Krankheiten wie Psoriasis, also Schuppenflechte, und Neurodermitis.
Die durch juckende Quaddeln gekennzeichnete Urtikaria oder Nesselsucht sei zu 80 Prozent psychisch bedingt. Ebenso gebe es stressbedingten Juckreiz, oft bei sehr trockener Haut, der auch ganz ohne Ausschlag auftreten könne. Häufig gebe es stressbedingte Hautprobleme wie Urtikaria bei Menschen über 40, die nicht einsehen wollten, dass ihre Leistungsfähigkeit abnimmt. „Sie überfordern sich und es kommt zu einem Entspannungsdefizit“, erklärt Seikowski.
Dass Hautprobleme sich auf die Psyche auswirken, ist schon lange bekannt und anerkannt: Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft hat herausgefunden, dass schwere Hauterkrankungen, die Patienten mit ständigem Juckreiz oder entstellendem Ausschlag quälen, die Lebensqualität ähnlich einschränken wie Herzkrankheiten oder Diabetes.
Dass umgekehrt psychische Probleme sprichwörtlich unter die Haut gehen können, wurde jedoch lange wenig beachtet. „Heute ist das alte Vorurteil 'Hier ist etwas zu sehen, also kann es nicht psychisch sein ' vom Tisch“, sagt Seikowski. Jüngere Hautärzte seien sehr offen für psychosomatische Zusammenhänge; allerdings hätten gerade die niedergelassenen Mediziner wenig Zeit, den psychischen Problemen eines Patienten nachzugehen. „Ein guter Hautarzt schickt den Patienten aber weiter, zum Psychologen oder Psychotherapeuten."
Oft könne man mit relativ einfachen Mitteln helfen: „Wenn die Hautprobleme auf reine Entspannungsdefizite zurückgehen, aber keine psychischen Defizite vorliegen, wirken zum Beispiel Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung sehr gut“, sagt Kurt Seikowski. Bei zu großen oder vielen Probleme seien allerdings nur Einzelgespräche wirksam.
An der Universitäts-Hautklinik Heidelberg hat man die positiven Effekte von Entspannungstechniken schon lange erkannt. Seit 13 Jahren gibt es dort die „Balsam-Gruppe“, ein stationäres Angebot für Patienten mit Hauterkrankungen. „Besonderes Augenmerk legen wir auf psychologische und psychosoziale Komponenten“, sagt Katharina Wettich-Hauser, Krankenschwester, Diplom-Pflegewirtin und Koordinatorin der Gruppe. Das bedeutet: Die Kursleiter - Pflegekräfte sowie eine Sozialarbeiterin – vermitteln den Patienten Entspannungstechniken wie Atemübungen, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Qi Gong oder Fantasiereisen.
Die Hauterkrankung gänzlich heilen könne man damit allerdings nicht immer, sagt Psychologe Seikowski: „Vererbte Krankheiten wie Neurodermitis oder Psoriasis kann man nur lindern. Sie treten dann seltener oder weniger intensiv auf.“ Juckreiz oder Urtikaria könnten indes durchaus für immer verschwinden. Die Patienten aus der Heidelberger „Balsam-Gruppe“ berichteten im Rahmen einer Studie, dass ihr Stressempfinden und Stressmanagement sich verbessert hätten. „Der Juckreiz geht zurück, der Schlaf wird besser und auch das Selbstbewusstsein im Umgang mit der Krankheit steigt“, erzählt die Koordinatorin.
Voraussetzung ist natürlich, dass ein Patient offen dafür ist, seiner Krankheit nicht nur mit konventionellen Mitteln zu begegnen. Wichtig für den Heilungsverlauf sei auch, dass die Patienten auch nach Abklingen der Beschwerden mit den Entspannungstechniken weitermachten. Weiterhelfen könnten da langfristig Entspannungskurse an Volkshochschulen, bei Krankenkassen oder in Fitnessstudios. „Patienten, die so weitermachen, sehen wir oft nie wieder“, sagt Katharina Wettich-Hauser – in diesem Fall eine gute Sache.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.