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Die Entdeckung durch die Europäer verhalf der Passionsblume auch zu ihrem christlich motivierten botanischen Namen Passiflora, unter dem sie, in die jeweilige Landessprache umgewandelt, längst weltweit bekannt ist. Die Eroberer sahen in den grotesk gestalteten Blüten der Passionsblume weniger das Exotische, sondern hohe christliche Symbolik.
Die drei Narben der Blüte symbolisieren die Nägel des Kreuzes, die fünf Staubbeutel die Wundmale Jesu. Das Staubblatt erinnert an einen Hammer, der gestielte Fruchtknoten an den Abendmahlskelch oder den mit Galle getränkten Schwamm. Der Fadenkranz der Blüte versinnbildlicht die Dornenkrone, wird aber auch als die zerschlissenen Kleider des Gottessohnes gesehen oder als Glorienschein. Die zehn Blätter der Blumenhülle sollen an die Apostel erinnern, mit Ausnahme von Judas und Petrus. Die weiße Farbe steht selbstverständlich für die Unschuld des gekreuzigten Erlösers. Der Volksglaube sieht in den Ranken der Pflanzen die Geißeln, und die mehr oder weniger lappigen Blätter werden als Lanzenspitze betrachtet. Über diese religiöse Vereinnahmung schreibt der Kräuterkundler John Gerard 1597: „Die Spanier haben sie wegen einer eingebildeten Vorstellung zuerst Flos Passionis, Passionsblume, genannt.“ Alexander von Humboldt spricht von der Glaubensblume.
Schon lange vor ihrer „christlichen Entdeckung“ war die Passionsblume für die Indianer eine Heilpflanze. Was die indianischen Medizinmänner bereits vor 400 Jahren anwendeten, ließ sich erst Jahrhunderte später wissenschaftlich nachweisen: Die Inhaltsstoffe der Passionspflanze besitzen blutdrucksenkende, beruhigende und schlaffördernde Eigenschaften.
Bestimmte Arten dieser Pflanzenfamilie werden heute arzneilich verwendet. Genutzt wird das tropische Gewächs auch von den Raupen der Passionsblumenschmetterlinge (Heliconiinae). Die Raupen ernähren sich von den Blättern. Die aber sind giftig. Die Giftstoffe werden von den Raupen aufgenommen und schützen sie so gegen Feinde. Selbst die später aus Raupen und Puppen entstehenden Schmetterlinge sind auf diese Weise ihr gesamtes Leben lang giftig und vor gierigen Jägern sicher.
Manche Passionsblumen bilden in einem genialen Selbstschutz schmetterlingseierähnliche Pusteln auf den Blättern, die Schmetterlingsweibchen vom Eierlegen abhalten sollen. Nach dem Motto: Da war schon vorher jemand da! Zusätzlich werden durch Honigdrüsen an den Blattstielen Ameisen geködert. Die sollen nicht nur naschen, sondern bei der Gelegenheit auch Faltereier fressen. Bei den Bestäubern handelt es sich um Insekten, wobei der Fadenkranz rings um die Blüte die Tiere zum Herumkrabbeln animieren soll. Bei dem Spaziergang auf dem „Lattenrost“ kommen die Insekten mit dem Blütenstaub der Staubblätter in Berührung. Eigene Beobachtungen zeigen, dass die exotischen Blüten auch die heimische Insektenwelt anlocken.
Denn schon lange muss man nicht mehr in den südamerikanischen Urwald reisen und dort in den Baumkronen herumklettern, um eine Passionsblume zu sehen. Die Urwaldpflanze mit der exotischen Blüte gibt es in vielen Sorten längst in jedem Gartencenter. Für drinnen und draußen!

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.