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Kampf der Giganten

30.07.11

Äußerst selten und völlig ungefährlich: Hirschkäfer sind unsere größten heimischen Käfer.

Zwei Hirschkäfermännchen in Drohstellung: Der anschließende Kampf endet aber harmlos für den Unterlegenen.
Zwei Hirschkäfermännchen in Drohstellung: Der anschließende Kampf endet aber harmlos für den Unterlegenen.
Foto: Günter und Herbert Bachmeier
Zwei Hirschkäfermännchen in Drohstellung: Der anschließende Kampf endet aber harmlos für den Unterlegenen.
Zwei Hirschkäfermännchen in Drohstellung: Der anschließende Kampf endet aber harmlos für den Unterlegenen.
Foto: Günter und Herbert Bachmeier

Er ist ein Gigant. Und das Erschrecken ist groß, wenn er sich in der Dämmerung zufällig auf die Terrasse verflogen haben sollte. Wer rechnet schon mit einem tief brummenden, bis zu acht Zentimeter großen Flugtier mit gefährlich aussehenden Zangen am Feierabend?

Dabei sollte man sich glücklich schätzen, Besuch von einem Hirschkäfer erhalten zu haben. Denn unser größter heimischer Käfer (ein Maikäfer bringt es auf zwei Zentimeter Länge) ist überaus selten geworden. Wie bei vielen Insekten setzt die Zerstörung der Lebensräume dem Kerf zu.

„Hornschröter, Feuerschröter oder Donnergurgi“ — der Hirschkäfer hat viele Bezeichnungen. Alle mit großer Berechtigung. Der „Donnergurgi“ erinnert an den mächtigen germanischen Gott Donar oder Thor. Und zu den Schrötern, (zoologisch Lucanidae) gehört der Hirschkäfer (Lucanus cervus) allemal.



Aber trotz seines gefährlichen Geweihs und seines martialischen Aussehens ist der Käfer ein völlig harmloser Geselle. Er ernährt sich von Baumsäften und ganz besonders schmeckt ihm der von Eichen. An den kommt er allerdings trotz seiner „Bewaffnung“ nicht heran. Er hat nämlich keine Zangen, um die Rinde der Bäume anzunagen. Da ist er auf die Mithilfe der weiblichen Hirschkäfer angewiesen. Die haben kein Geweih, wohl aber kräftige Zangen, mit denen sie ordentlich zubeißen können.

Wo eine solche Saftquelle entdeckt wird, finden sich oft mehrere Käfermännchen ein. Besonders gut schmeckt Eichensaft natürlich, wenn er schon gärt. Das gibt die nötige Kraft, um sich mit den Konkurrenten zu messen. Mit erhobenem Geweih gehen die Männchen dann aufeinander los. Gerungen wird so lange, bis der Unterlegene vom Ast geschubst ist. Genauso werden auch die Rivalenkämpfe um die Gunst der drei bis vier Zentimeter großen Weibchen ausgetragen. Die Kämpfe enden stets harmlos: mit Runterschubsen. Kein Geweih geht zu Bruch und alle Teilnehmer sind danach unbeschadet.

Nach der Paarung legen Hirschkäferweibchen etwa 20 Eier bis zu 75 Zentimeter tief im Boden nahe von Baumwurzeln ab. Dann sind die Larven für lange Zeit auf sich allein gestellt. Fünf bis acht Jahre dauert es, bis sie daumendick und elf Zentimeter lang geworden sind. Den antiken Römern übrigens galten die gerösteten Hirschkäferlarven als Delikatesse. Körbeweise wurden die weißen Tiere mit dem rostbraunen Kopf auf den Märkten angeboten.

Heute müssen die Tiere nicht mehr fürchten, verspeist zu werden. Denn erstens stehen sie unter strengem Schutz und zweites sind sie sehr rar geworden. Denn um sich zu entwickeln und später zu verpuppen, benötigen die Larven Totholz von Eichen oder anderen Laubbäumen.

Und das ist das Problem der Käfer: Die meisten Wälder werden forstwirtschaftlich genutzt, alte Bäume geschlagen. Totholz gibt es kaum noch. Erst seitdem man erkannt hat, dass auch tote Bäume eine wichtige Funktion im Naturhaushalt des Waldes erfüllen, erholen sich die Bestände der Hirschkäfer langsam wieder. In unserem Raum finden sich größere Populationen vor allem im Steigerwald. Ab Mai bis Anfang August kann man die für Käferverhältnisse riesigen Geweihträger dort beobachten. Und keine Angst: Die Kerle brummen nur.
  





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