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Wie fühlt es sich an für ein Kind, immens reich zu sein? Wie (er)trägt man das als kleines Geschöpf, den elitären Status der Eltern, ihre Hoffnungen und Träume zu leben und zu repräsentieren?
Kaum eine Kinder-Generation schwelgte je so im Luxus wie die Söhne und Töchter der neuen russischen Elite. Die Kleinen haben Kindermädchen, Butler und Chauffeure, eigene Salons und Schwimmbäder. Ihre Kleiderschränke sind geräumig wie Säle. Sie wachsen auf in Palästen voller Nippes und Stofftiere. Ihre Umgebung gleicht dem Wunderland, in das sich Mama und Papa hineinwünschten, als sie noch Kinder waren – in der Sowjetunion.
Die Fotografin Anna Skladmann porträtierte Kinder jener Menschen, die wie im Zeitraffer binnen weniger Jahre zu Millionären oder gar Milliardären wurden. Die meisten kleinen Luxus-Wesen waren aktiv beteiligt an den fotografischen Inszenierungen und selbstbewusst genug, nach Gusto zu posieren. Inmitten von Pomp und Putz wirken sie irritierend wie Erwachsene im Mini-Format und genauso benahmen sie sich auch gegenüber der Fotografin: formell, souverän und durchsetzungsfähig. Skladmanns Porträt-Serie, veröffentlicht im Bildband „Little Adults“, gewährt Einsichten in die aktuelle Epoche des extrem ungerechten russischen Kapitalismus.
Die Kinder der Oligarchen, wie man die Reichen in Russland nennt, wirken nicht vergnügt, nicht ausgelassen. Ihre verstörende Ernsthaftigkeit widerspricht unserer Vorstellung vom Glück reicher Kinder; in manchen Gesichtchen findet man erste Spuren von Druck und Stress. Schon früh lernen diese Kleinen, wie man auf der Bühne des Lebens eine tragende Rolle spielt, wie man dem Personal Befehle erteilt und mit dem Hummerbesteck hantiert. Die meisten sind durchgestylt bis zu den Zehenspitzen, frappierend wohlerzogen und sich ihres Spitzenranges in der Gesellschaft bewusst. Zwanzig Jahre nach dem Ende der Sowjetunion hat Russland wieder Prinzen und Prinzessinnen wie einst im Zarenreich.
Und wie dereinst dürfen oder können oder wollen sie nicht wild sein und nicht ausgelassen wie Kreti und Pleti. Hier wächst eine Generation elitärer Erben heran, die antritt, das Land weiter zu formen, ein Land, in dem heute Ideen von Gleichheit und Gerechtigkeit nichts gelten.
Laut der russischen Zeitschrift Finans besitzen 0,2 Prozent der Familien rund 70 Prozent des Volksvermögens. Dieser kleinen Schicht hat der Handel mit Öl, Gas und Stahl zu unheimlichem Reichtum verholfen. Auch die Führungskräfte in den Unternehmen verdienen weit mehr als die in Deutschland. Die russischen Arbeiter hingegen bekommen in etwa die Hälfte dessen, was hierzulande üblich ist. Bei der Verteilung der aus den riesigen Rohstoffvorkommen resultierenden Vermögen blieben die unteren Schichten außen vor. In manchen Regionen Russlands leben 40 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Zwar hat sich in den letzten Jahren die Lage der unteren Schichten etwas gebessert. Aber während die Kinder der Superreichen mit den sprichwörtlich goldenen Löffeln essen, ist in manchen Dörfern immer noch jedes zweite Kind arm.
Anna Skladmanns Porträts russischer Kinder sind veröffentlicht im Bildband „Little Adults“, Kehrer, 36 Euro

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.